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| 18:50 Uhr

Minenunglück
Todesfalle Schlamm

 Verzweifelte Suche: Feuerwehrleute im Schlamm nach einem Dammbruch an einer Mine.
Verzweifelte Suche: Feuerwehrleute im Schlamm nach einem Dammbruch an einer Mine. FOTO: dpa / Leo Correa
São Paulo. Nach Dammbruch in brasilianischer Mine noch immer viele Vermisste. epd

Nach dem Dammbruch in einer Eisenerzmine in Brasilien haben die Rettungskräfte kaum noch Hoffnung, Überlebende zu finden. Bislang wurden 58 Tote geborgen, 305 Menschen werden noch vermisst, wie der Einsatzleiter am Montag sagte. 192 Verschüttete seien gerettet worden.

Der Damm eines Rückhaltebeckens im Bergbaukomplex Corrego do Feijao war am Freitag gebrochen und hatte ein Verwaltungsgebäude und die Kantine der Mine sowie zahlreiche Häuser der angrenzenden Stadt Brumadinho unter der Schlammlawine begraben. Unter den Opfern sind viele Arbeiter der Mine, die zum Vale-Konzern gehört.

Nach Angaben der Rettungskräfte war der Schlamm an einigen Stellen 15 Meter hoch. Zudem sei er jetzt getrocknet, was die Rettungsarbeiten weiter erschwere. Am Sonntag mussten die Rettungsarbeiten zudem unterbrochen werden, weil ein weiterer Damm zu brechen drohte. Mehrere Tausend Menschen mussten ihre Häuser verlassen. Erst nach Stunden konnten die Rettungsarbeiten fortgesetzt werden. In der Stadt Brumadinho im Bundesstaat Minas Gerais leben rund 39 000 Menschen. Rund 13 Millionen Kubikmeter Schlamm sollen sich in den Fluss Paraopeba ergossen haben. Unklar ist noch, wie viele Schadstoffe in dem Schlamm enthalten sind.

Der 1976 gebaute Damm sollte eigentlich abgerissen werden. Laut dem brasilianischen Bergbauunternehmen Vale hatte die jüngste Prüfung im Januar keine Mängel ergeben. Brasilianische Medien berichten, dass bei der Lizenzvergabe zum Weiterbetrieb der Mine mehre Umweltschutz- und Sicherheitsverfahren übersprungen worden seien.

Die brasilianische Justiz fror elf Milliarden Real (2,6 Milliarden Euro) auf den Konten von Vale für mögliche Entschädigungszahlungen ein. Außerdem wurde das Unternehmen mit Strafen in Höhe von 81 Millionen Euro belegt.Vale war bereits vor drei Jahren in ein ähnliches Unglück verwickelt, bei dem 19 Menschen ums Leben kamen. Mehrere Ortschaften wurden von der Schlammlawine begraben und der Fluss Rio Doce nachhaltig verunreinigt.

Die Umweltorganisation WWF wies darauf hin, dass Deutschland mehr als 50 Prozent seines importierten Eisenerzes aus Brasilien beziehe und damit zu den größten Abnehmern des Rohstoffs gehöre. Deutsche Unternehmen müssten ihre Verantwortung übernehmen. „Der Dammbruch zeigt, welch unfassbares Leid der Abbau von Rohstoffen verursachen kann. Und doch ist diese Katastrophe nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Jörg-Andreas Krüger vom WWF Deutschland.