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| 02:40 Uhr

Tobende Naturgewalten

FOTO: dpa
Lake Arrowhead/Baton Rouge. Epische Fluten und Brände wüten in den USA. Im Bundesstaat Louisiana erreicht das Hochwasser historische Ausmaße. Andere Bilder dagegen aus Kalifornien: Dort züngeln riesige Waldbrände. Martin Bialecki und Michael Donhauser

Es ist eine stille Katastrophe gigantischen Ausmaßes: Was sich derzeit im US-Bundesstaat Louisiana abspielt, ist nach Einschätzung des Roten Kreuzes die schlimmste Naturkatastrophe, die die USA nach Hurrikan Sandy im Jahr 2012 heimgesucht hat. Ganze Landstriche stehen unter Wasser. Es sei eine epische Katastrophe, sagte ein Sprecher des Roten Kreuzes.

In Kalifornien toben unterdessen riesige Busch- und Waldbrände. Weit mehr als 80 000 Menschen mussten nach Angaben der Behörden in Sicherheit gebracht werden. Der starke Wind verschärft die Lage, er nährt viele Feuer immer wieder aufs Neue.

Es ist nicht das erste Mal, dass Louisiana so hart getroffen wird, dass weite Teile des Staates bis zu einem halben Meter unter Wasser stehen. Die Bilder aus Baton Rouge und den tiefer gelegenen Gebieten erinnern an jene nach dem Hurrikan Katrina aus dem Jahr 2005. Allerdings kamen damals offiziell mehr als 1800 Menschen ums Leben. Anders als damals spielt das Thema in den US-Nachrichten kaum eine Rolle. Die verheerende Lage wird von führenden Vertretern des Staates als historisch und beispiellos bezeichnet. Dennoch werden die Nachrichten, wenn sie sich mit dem Wetter befassen, von den Bränden in Kalifornien dominiert, dem bildstärkeren Thema. Daneben gibt es praktisch nur den tobenden US-Wahlkampf und die Olympischen Spiele. "Die Katastrophe, von der keiner spricht", schreibt "USA Today".

Die tagelangen, schweren Regenfälle in Louisiana durchkreuzten das Muster der Katastrophenberichterstattung in den USA. Es war kein Hurrikan, kein tropischer Sturm, sondern "nur" ein riesiges, namenloses Tief mit sehr viel Wasser.

Aus Louisiana wurden jetzt Kritik und Wut laut, die Nation und ihre Medien schenkten der Katastrophe zu wenig Aufmerksamkeit. Die regionale Katastrophenbehörde erkannte zwar an, dass die Regierung in Washington das Desaster angemessen einordne und entsprechend handle. In sozialen Medien gibt es trotzdem sehr viel Kritik an Präsident Barack Obama, der im Golfurlaub an der Ostküste ist.

Gouverneur John Bel Edwards sagte, wenn ein Tief nicht einmal einen Namen habe, unterschätzten viele Menschen seine Kraft und seine Gefahr. Dabei sind mindestens 13 Menschen tot, weit mehr als 40 000 Häuser zerstört. Zehntausende sind ohne Strom. Tausende übernachten in Notunterkünften.

In Kalifornien bietet sich hingegen ein komplett konträres Bild: Nach Informationen der "Los Angeles Times" zerstörten die Feuer weit mehr als 10 000 Hektar des Gebietes im Bezirk San Bernardino. Ortschaften mussten komplett geräumt werden. Im bisher ebenfalls hart getroffenen Gebiet knapp hundert Kilometer östlich von Los Angeles gab es erste Entwarnungen für Bewohner. Im Süden des dürregeplagten Staates wurde ein Highway wiedereröffnet.

Zum Thema:
Durch die Überschwemmungen in Louisiana und die Waldbrände in Kalifornien gibt es weiter Einschränkungen für Reisende. In den Waldbrandregionen sei mit Straßensperrungen und geschlossenen touristischen Einrichtungen sowie Nationalparks zu rechnen, teilte der ADAC mit. Vor allem betroffen ist derzeit das Gebiet um San Bernardino. Wer eine Unterkunft in der betroffenen Region gebucht hat, sollte sich bei seinem Veranstalter über die Lage informieren. In Louisiana ist vor allem die Stadt Baton Rouge von den Überschwemmungen betroffen. Dort sind Straßen und Eisenbahnlinien unterbrochen. Der öffentliche Nahverkehr wurde laut ADAC weitgehend eingestellt.