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| 02:37 Uhr

Tipper knackt 49-Millionen-Jackpot

Wer der große Gewinner ist, ist bislang noch unbekannt.
Wer der große Gewinner ist, ist bislang noch unbekannt. FOTO: dpa
Helsinki/Münster. Für einen Lottospieler in Nordrhein-Westfalen haben sich die "Guten Rutsch!"-Wünsche zu Silvester bewahrheitet: Er schliddert mit dem zweithöchsten Lottogewinn in der deutschen Geschichte in das neue Jahr – sofern er sich denn mal meldet. Jonas-Erik Schmidt

Lottomillionäre sind ein gefährdetes Völkchen. Der Gratulation zu einem der höchsten jemals erzielten Lottogewinne in Deutschland folgt daher direkt eine vorsichtige Warnung. "Die Frage, wem man von seinem Gewinn erzählt, wie man mit seinem bestehenden Job umgeht und was man mit dem Geld zukünftig macht, muss wohl überlegt werden. Dafür sollte man sich Zeit nehmen", lässt sich Theo Goßner, zuständig für den Eurojackpot, in der Mitteilung von Westlotto zitieren.

Mit "dem Geld" meint Goßner fast 50 Millionen Euro. Sie wurden mit einem Tipp im Rheinland abgeräumt. Es ist der zweithöchste deutsche Lottogewinn aller Zeiten und der höchste in Nordrhein-Westfalen.

Auch am Sonntagnachmittag ist noch nicht klar, für wen das neue Jahr mit dem Geldregen aus dem Eurojackpot, einer europäischen Lotterie mit 17 Teilnehmerländern, beginnt. Der Gewinner lässt die ersten Stunden nach dem Triumph vorbeiziehen, ohne sich bei Westlotto zu melden - womöglich auch, weil er noch gar nichts von seinem Glück weiß. Der Tipp war einer von sieben Reihen, die am 30. Dezember an einer Annahmestelle im Rheinland gespielt wurden.

Der noch Unbekannte setzte auf die Zahlen 11, 14, 35, 44 und 45 sowie die Eurozahlen genannten Zusatzzahlen 5 und 6. Am Freitag wurde die Kombi in Helsinki gezogen - das bedeutet genau 49 685 851,50 Euro Gewinn. Aber ob Frau, Mann, reich, arm, jung, alt oder Tippgemeinschaft - Westlotto weiß es bislang nicht. Da der Gewinner weder über das Internet noch mit einer Kundenkarte spielte, steht hinter ihm bislang ein Fragezeichen.

"Es gibt unterschiedliche Gewinnertypen", sagt Westlotto-Sprecher Bodo Kemper zum dem gespannten Warten. Manch einer wolle sich erstmal richtig Gedanken machen, bevor er die Summe abhole. Andere steckten ihren Gewinnschein in einen Brief und schickten ihn mitsamt ihrer Bankverbindung an die Lotterie. "Und wieder andere stehen am Montag nach der Ziehung vor unserer Tür und fragen, ob sie hier richtig bei der Lottozentrale sind." Möglich ist auch, dass es sich um einen routinierten Lottospieler handelt, der die Ziehung der Zahlen gar nicht verfolgt, sondern seine Spielscheine jede Woche zu einem festen Termin in einer Annahmestelle prüfen lässt.

Zeit, seine Kontodaten durchzugeben, hat der Unbekannte allerdings reichlich. Meldet er sich nicht bis zum Jahresende, hat er nach Angaben von Westlotto noch drei weitere Jahre Zeit, bevor die Millionensumme neu ausgespielt werden müsste.

Fest steht, dass eine solch gewaltige Summe ein Leben ganz schön verändern kann - daher auch die leise Warnung der Verantwortlichen. "Es fängt beispielsweise bei der Frage an, ob ich meinen Kindern davon erzählen möchte. Oder ob ich eventuell befürchte, dass sie aufgrund des Gewinns antriebslos werden", sagt Westlotto-Sprecher Kemper. Die Lotterie biete dazu auch eine Beratung an. Zu groß ist die Gefahr, dass in der Euphorie des Augenblicks ein eigentlich ganz passabler Job aufgegeben wird oder etwas zu viel Geld in Lokalrunden in der Kneipe fließt.

Wer bei einem Lottogewinn sein ganzes Leben ändere, laufe Gefahr, mit falschen Entscheidungen unglücklicher zu werden als zuvor, sagte der Glücksspielexperte Tilman Becker von der Universität Hohenheim vergangenes Jahr. Bei einem Millionengewinn mache das Glück zwar einen Sprung - das Hochgefühl pendele sich aber nach einem halben Jahr wieder auf Normalmaß ein.

Welch strenge Vorsicht sich mancher Gewinner selbst verordnet, zeigt das Beispiel zweier Brüder aus dem US-Bundesstaat New York. Sie gewannen 2006 fünf Millionen Dollar. Sie holten ihren Gewinn aber erst nach sechs Jahren ab und nur wenige Tage, bevor der Lottoschein ungültig geworden wäre. Medienberichten zufolge bestand die Sorge, der Gewinn könnte negativen Einfluss auf das Leben haben.