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Stumm und geheimnisvoll beschenkt es die Kleinen

Schleife. Stumm und geheimnisvoll tritt es auf: das Sorbische Christkind im Nordosten Sachsens. Ohne ein Wort zu sprechen, beschenkt es die Menschen in der Adventszeit. dpa/pb

Schweigend und mit verschleiertem Gesicht hat das Christkind in Schleife (Landkreis Görlitz) am Dienstag Mädchen und Jungen beschert. In sorbischer Tracht besuchte es den Kindergarten und die Grundschule der Gemeinde. Nach altem sorbischen Brauch ist das geheimnisvolle Mädchen an der Seite zweier Begleiterinnen in der Adventszeit unterwegs. Das Christkind geht zu den Menschen, um ihnen mit seinen weißen Handschuhen über die Wangen zu streicheln. Es heißt, dass es auf diese Weise Gesundheit und Glück für das neue Jahr bringt. Außerdem verteilt es Süßigkeiten und kleine Geschenke, ohne dabei ein Wort zu sagen.

Das Christkind in Schleife wird traditionell zum Gottesdienst am ersten Advent eingesegnet, sagte Sylvia Panoscha vom Sorbischen Kulturzentrum. Das verschleierte Mädchen ging früher oft direkt zu den Menschen in die Stuben. Inzwischen kommt es vor allem zu Adventsfeiern, auf den Weihnachtsmarkt, in Kindergärten und Schulen und zu Senioren. Auch in anderen Dörfern der Region an der sächsisch-brandenburgischen Grenze ist der Brauch noch üblich, etwa in Halbendorf, Trebendorf, Mühlrose, Mulkwitz und Rohne.

Jeder dieser Orte im gemeinsamen „Kirchspiel Schleife“ hat sein eigenes Christkind, weil es die Dorfgrenze nicht überschreiten darf. In der Kleidung gibt es feine Unterschiede. „Nur Kenner der Trachten erkennen das“, sagte Lydia Noack, die das Christkind in Rohne einkleidet. Es trägt eine rot-grüne Haube mit weißer Spitze vor dem Gesicht. Die Tracht ist reich mit bunten Bändern und Schleifen geschmückt. Damit das Mädchen unerkannt bleibt, wird sein Antlitz verhüllt.

Die Gegend um Schleife ist eines von ursprünglich fünf sorbischen Trachtengebieten. Schätzungsweise 60 000 Sorben leben in Ostsachsen und Südbrandenburg. Das Sorbische Christkind darf bis zum vierten Advent in seinem Dorf unterwegs sein. In Rohne hat es in diesem Jahr sechs Einsätze, den letzten davon am 13. Dezember im Kindergarten.