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| 09:33 Uhr

Somalia
Männer entführen deutsche Krankenschwester in Mogadischu

Mogadischu. Im ostafrikanischen Somalia haben bewaffnete Männer eine deutsche Krankenschwester entführt. Die Mitarbeiterin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist am Mittwochabend von einem Gelände der Organisation in der Hauptstadt Mogadischu verschleppt worden.

Im ostafrikanischen Somalia haben bewaffnete Männer eine deutsche Krankenschwester entführt. Die Mitarbeiterin des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) ist am Mittwochabend von einem Gelände der Organisation in der Hauptstadt Mogadischu verschleppt worden.

Das teilte die Hilfsorganisation in der Nacht zum Donnerstag mit. Das IKRK zeigte sich "tief besorgt" über die Sicherheit der Frau. Laut IKRK ereignete sich der Überfall gegen 20 Uhr Ortszeit (19 MESZ). Die bislang nicht identifizierten Angreifer seien auf das IKRK-Gelände in Mogadischu vorgedrungen. Rot-Kreuz-Mitarbeiter in Somalia sagten der Nachrichtenagentur AFP, die Angreifer hätten offenbar die Sicherheitsleute auf dem IKRK-Gelände umgangen und die Krankenschwester durch einen Hinterausgang in ein dort wartendes Fahrzeug verschleppt.

"Wir sind tief besorgt über die Sicherheit unserer Kollegin", erklärte der IKRK-Vizevorsitzende in Somalia, Daniel O'Malley. Die Deutsche sei eine Krankenschwester, "die sich jeden Tag darum bemüht" habe, "Leben zu retten und den Gesundheitszustand von einigen der verletzlichsten Menschen in Somalia zu verbessern".

Das IKRK steht nach eigenen Angaben im Kontakt mit verschiedenen Behörden, um die Freilassung der Frau zu erreichen.

Ein Sicherheitsbeamter der Regierung, Abdirahman Mohammed, sagte: "Wir haben Informationen erhalten, wonach eine weibliche westliche Mitarbeiterin aus dem IKRK-Büro in Mogadischu entführt wurde." Es seien Ermittlungen zu dem Vorfall eingeleitet worden.

Somalia zählt zu den gefährlichsten Ländern der Welt für Mitarbeiter von Hilfsorganisationen. 1991 war in dem Land am Horn von Afrika ein Bürgerkrieg ausgebrochen, seit 2006 kämpfen dort islamistische Aufständische mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida. Entführungen sind aber dennoch relativ selten.

In der Vergangenheit waren Ausländer, darunter Journalisten und Entwicklungshelfer, von bewaffneten Banden oder Anhängern der radikalislamischen Shebab-Miliz entführt und für Lösegeldforderungen festgehalten worden - einige davon über Jahre.

Bombenanschläge und Morde sind in Somalia häufig. Meist bekennt sich die Shebab-Miliz, welche die international anerkannte Regierung in Mogadischu stürzen will.

Shebab-Miliz unter Verdacht

Internationale Hilfsorganisationen wie das unabhängige, in der Schweiz ansässige IKRK leisten gesundheitliche und andere grundlegende Dienstleistungen und werden von der Shebab als Unterstützer der Regierung angesehen. Andere Aufständische und bewaffnete Gruppen sehen die Hilfsorganisationen als Einnahmequelle an.

Erst am Dienstag war in Mogadischu eine örtliche Mitarbeiterin der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erschossen worden. Die WHO zeigte sich am Mittwoch "schockiert und traurig" über die Tötung der Mitarbeiterin.

Zwischen 2008 und 2012 hatte es eine Piraterie-Serie großer Schiffe vor der somalischen Küste gegeben, bei welcher die Schiffe und ihre Besatzungen für Lösegeldforderungen in Millionenhöhe festgehalten wurden. In den vergangenen Jahren gab es aber nur noch selten derartige Überfälle.

Die sich leicht verbessernde Sicherheitslage hatte 2016 die Abhaltung eingeschränkter Wahlen ermöglicht, die Instabilität ist aber nach wie vor weitverbreitet. Im Oktober wurden bei dem schwersten Bombenanschlag in der Geschichte des Landes mehr als 500 Menschen getötet. Für den Anschlag wurde die Shebab-Miliz verantwortlich gemacht.

(felt)