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Macerata in Italien
Sechs Afrikaner durch Schüsse aus Auto verletzt

Sanitäter behandeln in Macerata einen der Verwundeten.
Sanitäter behandeln in Macerata einen der Verwundeten. FOTO: Guido Picchio/Ansa/AP
In der mittelitalienischen Stadt Macerata sind mehrere Menschen durch Schüsse aus einem Auto verletzt worden. Der Bürgermeister rief die Menschen dazu auf, in ihren Häusern zu bleiben, da der Täter offenbar noch immer unterwegs ist.

In der italienischen Stadt Macerata hat ein Mann nach Polizeiangaben am Samstag aus möglicherweise rassistischen Gründen auf afrikanische Migranten geschossen und mehrere von ihnen verletzt.

Lokalen Medien zufolge feuerte der Schütze aus einem fahrenden Auto heraus auf die Menschen. Mindestens sechs Migranten seien verletzt worden, einer von ihnen musste nach Angaben der Polizei operiert werden. Die Polizei nahm einen Italiener fest und veröffentlichte ein Foto, wie der Tatverdächtige eingehüllt in eine italienische Flagge von Beamten abgeführt wird.

Die Tat ereignete sich nur wenige Tage, nachdem die zerstückelte Leiche einer 18-jährigen Italienerin in zwei Koffern entdeckt worden war. Ein aus Nigeria stammender Migrant sitzt deshalb in Untersuchungshaft. Augenzeugen berichteten, dass ein Mann am Vormittag aus seinem Auto zunächst auf zwei junge Afrikaner geschossen habe. Kurze Zeit später gab es Berichte über weitere Schüsse aus einem Fahrzeug heraus. Der Bürgermeister er etwa 200 Kilometer östlich von Rom gelegenen Stadt rief die Bürger auf, zunächst in ihren Häusern zu bleiben. "Bleiben Sie bis auf weiteres zuhause. Ein bewaffneter Mann ist mit seinem Auto in der Stadt unterwegs und schießt um sich", schrieb Romano Carancinier auf Facebook.

Dem Fernsehsender Rai zufolge handelt es sich bei dem Festgenommenen um einen 28-jährigen Mann aus Macerata. In dessen Alfa Romeo habe die Polizei eine Pistole sichergestellt.

Der Vorfall droht den Wahlkampf vor der in vier Wochen anstehenden Parlamentswahl anzuheizen. Das in Umfragen führende Mitte-Rechts-Bündnis tritt für ein hartes Vorgehen gegen Migranten ein. Der Vorsitzende der rechten Lega Nord, Matteo Salvini, hatte der Mitte-Links-Regierung eine Mitverantwortung für den gewaltsamen Tod der 18-Jährigen vorgeworfen, weil sie Migranten den Aufenthalt im Land erlaube. Der Asylantrag des in Untersuchungshaft sitzenden Nigerianers war vergangenes Jahr abgelehnt worden, er hielt sich aber weiter in Italien auf.

In den vergangenen vier Jahren sind mehr als 600.000 Migranten vor allem aus Afrika über das Mittelmeer nach Italien gekommen. Das Mitte-Rechts-Bündnis, zu dem auch die Lega Nord gehört, hat für den Fall seines Wahlsiegs Massenausweisungen angekündigt.