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Schweres Erdbeben sucht Nepal heim

Im historischen Zentrum von Kathmandu sind viele Weltkulturerbestätten zerstört.
Im historischen Zentrum von Kathmandu sind viele Weltkulturerbestätten zerstört. FOTO: dpa
Seit mehr als 80 Jahren hat die Erde in Nepal nicht mehr so stark gebebt. Damals kamen Tausende Menschen ums Leben - und auch diesmal steigt die Zahl der Toten immer weiter. Auch am Mount Everest spielen sich nach Lawinenabgängen Dramen ab. Hilfe aus aller Welt läuft an. S. Bhandari u. A. David / dpa/hil

Kathmandu. Beim stärksten Erdbeben in Nepal und den Nachbarländern seit mehr als 80 Jahren sind mindestens 2500 Menschen ums Leben gekommen. Große Teile der Infrastruktur, zahlreiche alte Häuser und die typischen Lehmbauten des Himalayas wurden ebenso zerstört wie Weltkulturerbe- und Pilgerstätten. Auch am Tag nach dem gewaltigen Stoß der Stärke 7,8 erschütterten am Sonntag starke Nachbeben die Region. Rund um den Mount Everest lösten sich bei jedem Zittern der Berge Lawinen und Erdrutsche. Mindestens 19 Menschen starben allein im Basislager am höchsten Berg der Erde.

Die Behörden sprachen am Sonntag von mindestens 2000 Toten und Tausenden Verletzten allein in Nepal. Auch Indien, China und Bangladesch waren betroffen. Das Innenministerium Nepals fürchtete, dass die Zahl der Toten weiter steigen werde.

Eine große internationale Hilfswelle lief inzwischen an - erreicht aber zunächst vor allem die Hauptstadt Kathmandu. Der Flughafen war laut Polizei nur vorübergehend für Linienflüge offen. Deswegen sitzen zahlreiche Touristen in Nepal fest - derzeit ist die Hauptsaison für Bergsteiger und Wanderer.

Nepal hat den Notstand in den betroffenen Gebieten ausgerufen, in denen 6,6 Millionen Menschen leben. Die Krankenhäuser und Leichenhäuser seien überfüllt, Blutkonserven und Medikamente gingen zur Neige, erklärten die Vereinten Nationen. Schulen und Universitäten bleiben geschlossen. Die Stromversorgung könnte lange ausfallen, da das Erdbeben die Wasserkraftwerke beschädigt hat, von denen Nepal fast all seinen Strom bezieht.

Zum Zeitpunkt des Lawinenunglücks hielten sich etwa 1000 Menschen am Mount Everest auf. Die Leichen im Basislager seien von einem Expeditions-Team der indischen Armee gefunden worden, erklärte diese.

Augenzeugen berichteten, vielfach hätten die Menschen nur noch Kekse und Trockenfrüchte übrig. Hilfsorganisationen fürchten, dass bald auch das Wasser und die Medikamente ausgehen. Auch die Ärzte sind bereits überlastet. "Unter den Toten sind viele Kinder", sagte ein Arzt aus dem Teaching-Krankenhaus. "Wir sind völlig überwältigt von der Zahl an Menschen."