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| 15:36 Uhr

Gibt es 2028 keine Weihnachtsbäume?
Schöne Bescherung: Hitze lässt Weihnachtsbäume verdorren

Brandenburg, Kablow: Vertrocknete Serbische Fichten stehen auf der Weihnachtsbaumplantage von Landwirt Ulrich Krone. Etwa 100 neugepflanzte Bäume mussten bereits wieder herausgerissen werden, weil sie verdorrt sind. Die Folgen spürt der Verbraucher dann in etwa zehn Jahren.
Brandenburg, Kablow: Vertrocknete Serbische Fichten stehen auf der Weihnachtsbaumplantage von Landwirt Ulrich Krone. Etwa 100 neugepflanzte Bäume mussten bereits wieder herausgerissen werden, weil sie verdorrt sind. Die Folgen spürt der Verbraucher dann in etwa zehn Jahren. FOTO: dpa / Bernd Settnik
Königs Wusterhausen/Karlsruhe. Oh Tannenbaum, wie gelb sind deine Nadeln: Wegen der andauernden Trockenheit verdorren junge Weihnachtsbäume, auch in Brandenburg. Der Verbraucher bekommt das vermutlich erst in einigen Jahren zu spüren.

Nach Wochen fast ohne Regen bangen die Betreiber von Weihnachtsbaum-Plantagen um ihre Jungpflanzen. „Aus den ostdeutschen Bundesländern, aber auch aus Norddeutschland erreichen uns Meldungen, wonach die Neuanpflanzungen zu 100 Prozent vertrocknet sind“, sagt Martin Rometsch vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger (BVWE). Davon dürften Millionen dieser drei- bis vierjährigen Bäumchen in Hunderten Betrieben betroffen sein.

So steht es auch in Brandenburg um heranwachsenden Weihnachtsbäume aufgrund der Hitze und Trockenheit derzeit nicht allzu zu gut. „Vor allem im Frühjahr und im vergangenen Herbst gepflanzte Jungbäume haben noch zu wenig Kraft, sich auf das Wetter einzustellen“, sagt der Geschäftsführer des Waldbauernverbandes Brandenburg, Enno Rosenthal. Glück haben die Jungbäume, die unter älteren und größeren Stämmen stehen. „Wie unter einem Schirm werden sie dann vor Sonne und Austrocknung beschützt.“ 30 bis 50 Prozent Ausfälle seien aber bereits zu beklagen. Die kompletten Verluste seien bislang schwer zu beziffern, sagte er.

2000 Waldbauern bearbeiten im Land etwa 20 000 Hektar, wo vor allem einheimische Nadelbäume wachsen. Nordmanntannen, die viel Wasser brauchen, werden nicht als Jungbäume in Wälder gesetzt. Zu Weihnachten werden dann Bäume geschlagen, um die Bestände zu lichten, sagte Rosenthal.

Auf der Plantage von Matthias Hundt bei Schwedt (Uckermark) muss bereits nachgepflanzt werden. „Wir hoffen nun auf Wasser von oben“, so der Landwirt. Den Bäumen sei der Hitzestress schon anzusehen: Nadeln seien blass und braun. „Da passiert nichts. Das Wachstum ist komplett eingestellt, frische Triebe bilden sich nicht mehr.“

Auch Landwirt Ulrich Krone, der im Nebenerwerb eine Plantage in Kablow bei Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) betreibt, spürt die Folgen der Hitze bereits stark. Auf seiner Plantage stehen etwa 5000 Bäume, 100 neugepflanzte musste er wieder herausreißen. „Eingegangen“, sagt er. Zur Weihnachtszeit verkauft er Fichten, Serbische Fichten, Blaufichten, Douglasien und Kiefern. Neben den Bäumen haben auch seine vier Shropshire-Schafe, die normalerweise zwischen den Baumreihen das Gras kurz halten, mit Hitzefolgen zu kämpfen Krone musste sie „umsetzen“, denn „die Tiere finden einfach nichts mehr zum Fressen. Das Gras ist verdorrt“.

Laut Martin Rometsch vom Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger werden die Hitze und Trockenheit auf die diesjährige Ernte keine Auswirkung haben, da die Nordmanntanne mindestens zehn Jahre gehegt und gepflegt wird, bevor sie geschlagen und als Weihnachtsbaum in den Verkauf gelangt. In acht bis zehn Jahren aber könnte es Engpässe beim Angebot geben. „Dann werden wir die Auswirkungen der diesjährigen Trockenheit merken“, so Rometsch. Es sei nicht sicher, ob noch alle vertrockneten Jungbäume rechtzeitig und in vollem Umfang durch frische Pflanzen ersetzt werden können.

Die betroffenen Bauern müssten mit Verlusten von rund 10 000 Euro pro Hektar rechnen, rechnete der Verbandsgeschäftsführer vor. Neue Pflanzen bedeuteten doppelte Arbeit und doppelte Ausgaben. „Das sind schon immense Kosten“, sagte er.

Bewässert würden die Plantagen seinen Angaben zufolge nicht. „In so einem Sommer müssten Sie die ganze Nacht und den ganzen Tag bewässern - viel zu teuer“, sagte er. Lediglich die kleineren Anbauer, die ihre Bäume im Direktverkauf an den Mann bringen, wässern ihre Bäume – „indem sie mit einem Wasserfass von Baum zu Baum gehen“.

Der Werderaner Tannenhof hingegen wässert, was das Zeug hält, damit die jungen Bäumchen nicht eingehen. „Wir haben in diesem Sommer schon ein kleines Vermögen von rund 20 000 Euro verwässert“,sagt Geschäftsführerin Katrin Lorenz. Im regenreichen Sommer 2017 seien es nur 7000 Euro Wasserkosten gewesen.

Zum Glück könne das Unternehmen günstiges Brauchwasser aus dem Glindower See nutzen, sagte Lorenz. „Wir haben das Brauchwassser-Netz aus DDR-Zeiten ausgebaut - und das kommt uns jetzt zugute.“ Auf dem Tannenhof wachsen auf 60 Hektar knapp eine halbe Million Weihnachtsbäume heran.

„Wenn die Trockenheit noch weiter anhält, könnte das zu richtigen Problemen führen“, sagt Hartmut Jung, Geschäftsführer vom Tannenhof Jung in der Prignitz. Auch habe sich mangels Wasser die letzte Düngung noch nicht verteilt. Dann könnten die Bäume blasser werden. Der Tannenhof hat eine Fläche von 250 Hektar.

Die Hitzeperiode macht laut Rometsch allmählich auch älteren oder sogar erntereifen Tannenbäumen zu schaffen. „Es kann zu sogenanntem Sonnenbrand, also etwa Verfärbungen an der Nadel, kommen“, sagte Rometsch. Die Schäden hielten sich bislang aber in Grenzen. In Bundesländern mit eher sandigen Böden wie in Ost- und Norddeutschland leide die Landwirtschaft wegen des Wassermangels mehr als an Standorten mit schwereren Böden.

Inwiefern das Auswirkungen auf die Priese der Weihnachtsbäume haben wird, wird sich erst später zeigen. Wenn es in absehbarer Zeit regne, sei von weiter stabilen Preisen auszugehen. Rometsch: „Genau können wir das aber erst im September sagen.“ Mitte August trifft sich die Branche zur Internationalen Weihnachtsbaumbörse in Dänemark. Dort wird sich zeigen, wie sich der Markt entwickelt hat.

Im vergangenen Jahr kostete eine Nordmanntanne pro Meter zwischen etwa 18 und 23 Euro. In Deutschland werden jährlich rund 23 Millionen Weihnachtsbäume verkauft, etwa 85 Prozent stammen aus hiesigem Anbau.

(dpa)