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| 02:32 Uhr

Saunaclub wird zur Todesfalle

In dem Saunaclub "Steam Works" ist am Sonntagabend ein Feuer ausgebrochen: 25 Gäste konnten sich spärlich bekleidet ins Freie retten, für drei Männer kam allerdings jede Hilfe zu spät.
In dem Saunaclub "Steam Works" ist am Sonntagabend ein Feuer ausgebrochen: 25 Gäste konnten sich spärlich bekleidet ins Freie retten, für drei Männer kam allerdings jede Hilfe zu spät. FOTO: dpa
Berlin. Ein Ort der Leidenschaft sollte es sein, ein Treffpunkt für "coole Typen und heiße Jungs". Im für seine große Schwulenszene bekannten Berliner Bezirk Schöneberg verspricht der Club "Steam Works" auf seiner Internetseite Spaß und Entspannung. Gisela Gross

Hinter rot abgeklebten Fensterscheiben gibt es unter anderem Saunen, Dutzende Video-Kabinen und ein Darkroom-Labyrinth. Doch am Sonntagabend kommt es im Untergeschoss des Clubs zu einem Brand.

Die dramatische Bilanz: Drei Besucher sterben, einen 48-Jährigen retten Feuerwehrleute schwer verletzt aus dem Gebäude. Für die Feuerwehr scheint am Tag danach schon klar: Die Sauna war, anders als es zunächst den Anschein haben könnte, nicht das Problem. Den Sauna-Bereich im "Steam Works" beschreibt Sprecher Sven Gerling als relativ klein - etwa 40 Quadratmeter mache er aus, von insgesamt 2000. Es sei also eher ein Sex- denn ein Saunaclub, mit großen Vergnügungsbereichen. Gebrannt habe es aus noch ungeklärter Ursache in einer abgehangenen Zwischendecke. Ob sich dort Kabel oder Geräte befanden, konnte er zunächst nicht sagen.

Ziemlich sicher ist sich Gerling aber, dass es in Berlin in den vergangenen Jahren keinen vergleichbaren Brand mit mehreren Toten gab. Verhängnisvoll für die Club-Gäste, als es wohl nach 22 Uhr zu brennen beginnt, scheint die Lage im Keller gewesen sein: Dichter Rauch breitet sich in den ohnehin dunklen, verwinkelten Räumen aus. Die Luft habe wie üblich in Kellern eher schlecht abziehen können, sagte Gerling. Und dann auch noch das Darkroom-Labyrinth: "Da war es stockdunkel, mit ganz eng gestellten Wänden", so der Sprecher.

Die drei Leichen finden die Einsatzkräfte im Keller. Wo genau die noch nicht identifizierten Männer vermutlich an Rauchvergiftung starben, dazu gibt es bisher keine Angaben. Schon in der Nacht hatte die Feuerwehr berichtet, dass etwa 60 enge Einzelkabinen mit jeweils einem Bett darin einzeln aufgebrochen und kontrolliert werden mussten.

Nachdem der Qualm am Vormittag endlich abgezogen ist, gehen Polizisten in dem Gebäude in der Kurfürstenstraße ein und aus. Die Gedächtniskirche und der Breitscheidplatz sind nicht weit. Einige Wochen nach dem dortigen Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt heißt es nun auf Absperrband erneut: "Tatort nicht betreten". Brandermittler wollen jetzt klären, wie das Unglück passieren konnte. Wie lange das dauern kann, ist unklar.

Eine Frage dürfte nun auch sein, ob beim Brandschutz alles richtig gemacht wurde. Das ist laut Feuerwehr Aufgabe der Bauaufsicht beim Bezirk. Der Geschäftsführer des Clubs war am Montag auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.

Das Ganze hätte auf jeden Fall noch schlimmer enden können: Der Großteil der 30 Club-Besucher während des Brandes kann sich selbst in Sicherheit bringen. Sie stehen, teils nur in Handtücher gehüllt, vor dem Gebäude, als die Feuerwehr eintrifft. Auch die Bewohner einer Seniorenresidenz über dem Club kommen mit dem Schrecken davon.

Die Löscharbeiten von rund 80 Mann dauern dann noch bis in die Nacht hinein, auf dem Boden bleiben dicke weiße Schaumschichten zurück.

Zum Thema:
Wenn die Sauna zur gefährlichen Falle wird: Immer wieder kommt es zu Bränden in der Sauna.Dezember 2016: Ein Feuer bricht in der Sauna eines Fitnessstudios in Albstadt (Baden-Württemberg) aus. Dabei kommt ein Gast ums Leben, drei weitere werden schwer verletzt.August 2013: Bei einem Schwelbrand in einer Hotel-Sauna in Willingen (Hessen) gibt es sieben Verletzte sowie einige Rauchvergiftungen.Mai 2012: 300 Gäste der Bad- und Saunalandschaft im Thermalbad in Fichtelberg (Bayern) können sich vor einem Flächenbrand noch rechtzeitig ins Freie retten. Der Schaden geht in die Millionen.