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RUNDSCHAU-Interview mit Joey Kelly, der bereits in der Wüste und zum Südpol gelaufen ist

Joey Kelly nimmt auf der ganzen Welt an extremen Wettkämpfen teil. Foto: Thomas Stachelhaus
Joey Kelly nimmt auf der ganzen Welt an extremen Wettkämpfen teil. Foto: Thomas Stachelhaus FOTO: Thomas Stachelhaus
Joey Kelly liebt extreme Herausforderungen. Ob Ironman, Ultraman, ein Wettlauf zum Südpol oder fast 900 Kilometer von Wilhelmshaven bis zur Zugspitze – keine Aufgabe scheint ihn abzuschrecken. Pfingsten lief er für einen guten Zweck 24 Stunden in einem riesigen Rad und sammelte 50 000 Euro. Am heutigen Donnerstag um 19 Uhr gastiert der 39-Jährige für einen Vortrag im Refektorium am Schloss Doberlug (Elbe-Elster) und spricht im RUNDSCHAU-Interview über Grenzerfahrungen, Stefan Raab und die Kelly Family.

Herr Kelly, am Donnerstag halten Sie in Doberlug-Kirchhain einen Vortrag. Waren Sie schon einmal in der Region?
Wir haben mit der Kelly Family früher in der Cottbuser Fußgängerzone und auf dem Weihnachtsmarkt gespielt. Wir waren damals ja viel unterwegs und haben auch oft Dresden und Berlin besucht. Die Menschen haben uns immer sehr positiv aufgenommen.

Sie referieren zum Thema "No Limits - Wie schaffe ich mein Ziel". Im Jahr 1996 sind Sie Ihren ersten Triathlon gelaufen. Wie kam es dazu?
Das war eigentlich Zufall. Ich habe mit meiner Schwester Patricia gewettet, dass ich solch einen Lauf schaffe. Dass es sich dann so entwickelt, hätte ich auch nicht gedacht.

Ironman, Ultraman, Läufe durch die Wüste - was reizt Sie an diesen unfassbaren Herausforderungen?
Es macht mir tatsächlich einfach Spaß. Sicherlich muss man sich quälen, aber die Reisen und Erlebnisse sind wunderbar. Sport ist meine große Leidenschaft.

Im September 2010 sind Sie in 17 Tagen und 23 Stunden von Wilhelmshaven zur Zugspitze insgesamt 874 Kilometer gelaufen. Was war das Härteste für Sie während dieser Zeit?
Der innere Schweinehund war ständig präsent. Lange Strecken kannte ich ja, aber diesmal spielte der Hunger eine große Rolle. Der Verzicht war enorm und hat mich an meine Grenzen gebracht.

Im Buch "Hysterie des Körpers" berichten Sie von den Qualen, die sich durch den Hunger während dieser Tour eingestellt haben. Was hat Sie vom Aufgeben abgehalten?
In den ersten vier bis fünf Tagen, als sich der Körper umgestellt hat, dachte ich tatsächlich, dass ich es nicht schaffen werde. Der Hunger hat mich fast in die Knie gezwungen. Außerdem habe ich ja nur mit einer Plane im Wald übernachtet, ohne jeden Komfort. Ich habe dann immer von Tag zu Tag gedacht. In Augsburg, rund 100 Kilometer vor dem Ziel, wusste ich dann, dass es doch klappt und dass ich durchhalten kann.

Haben Sie bei einem Wettkampf schon einmal aufgegeben?
Bisher noch nie. Ich habe jeden Wettkampf beendet, auch wenn ich manchmal nicht mit den Zeiten zufrieden war, da ich mir das Rennen falsch eingeteilt habe.

Was war Ihre bisher härteste Prüfung?
Das war tatsächlich der Lauf durch Deutschland. Das war etwas ganz anderes als die vielen Ultraläufe und ging am meisten an die Substanz.

Sie sind regelmäßig im Fernsehen bei den Shows von Stefan Raab zu sehen (Wok-WM, Schlag den Star etc.). Welche Bedeutung haben diese eher spaßigen Wettkämpfe für Sie?
An der Wok-WM reizt mich der Wettkampf gegen Profis. Sicherlich gewinne ich nicht immer, gebe aber mein Bestes. Es ist einfach schön, in der Arena Auf Schalke von 50 000 Zuschauern bejubelt zu werden. Ich kann nicht verstehen, wie sich ehemalige Sportprofis wie Ailton nicht richtig auf solche Wettkämpfe vorbereiten.

Die Kelly Family ist legendär. Sie waren nicht nur deren Mitglied, sondern auch Manager. Wie hat sich das Verhältnis zu den anderen Familienmitgliedern entwickelt, gerade als sie immer erfolgreicher wurden?
Wir hatten 1994 unseren großen Durchbruch mit dem Album "Over the Hump" und sind von der Straße in die Stadien gekommen. Das ging acht Jahre so weiter. Nachdem mein Vater leider gestorben ist, der die Familie zusammengehalten hat, konnten wir uns nicht mehr darauf einigen, wie es weitergeht. So hat dann jeder sein eigenes Ding gemacht. Für mich war es in Ordnung, da ich zuvor durch meine sportlichen Aktivitäten sowieso viel zu tun hatte.

Wie ist es mittlerweile um das Miteinander bestellt?
Meistens verstehen wir uns gut. Die Familie ist natürlich sehr groß, und deshalb gibt es leider auch immer mal wieder Diskussionen. Dann geht es aber vor allem um Geschäftliches.

Im vergangenen Jahr haben Sie unter anderem mit Markus Lanz am "Wettlauf zum Südpol" teilgenommen. Was haben Sie als Nächstes vor?
Im Juli werde ich die USA ohne Geld in der Tasche durchqueren. Es geht von San Francisco bis nach New York. Ich könnte mir auch vorstellen, im kommenden Jahr an einem Wettkampf am Nordpol teilzunehmen.

Gibt es etwas, dass Sie sich, bei allem Ehrgeiz, nicht zutrauen?
Da fällt mir spontan nichts ein. Wenn ich gesund bleibe, möchte ich an allen Ultra-Wettkämpfen teilnehmen, die es gibt. Es wäre schön, wenn ich auf diesem Niveau noch fünf bis zehn Jahre aktiv sein kann.

Mit Joey Kelly sprach Manuel Holscher/mho1