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| 16:05 Uhr

Reise nach Feuerland
Von Cottbus bis ans Ende der Welt

 Der Lausitzer Klaus Lange hat zusammen mit seiner Frau Anfang des Jahres 2019 eine Reise an die Spitze Südamerikas, nach Argentinien unternommen. Vor seine Kameras bekam Lange Pinguine, Seelöwen, seltene Vögel, Gletscher, Berge und Ortschaften auf Feuerland.
Der Lausitzer Klaus Lange hat zusammen mit seiner Frau Anfang des Jahres 2019 eine Reise an die Spitze Südamerikas, nach Argentinien unternommen. Vor seine Kameras bekam Lange Pinguine, Seelöwen, seltene Vögel, Gletscher, Berge und Ortschaften auf Feuerland. FOTO: Klaus Lange
Ushuaia. Ganz im Süden Amerikas, dem Sprungbrett in die Antarktis, gibt es auch einen Sommer. Der Lausitzer Klaus Lange und seine Frau haben Anfang 2019 Feuerland bereist – und Fotos von Pinguinen, Seelöwen und der Landschaft Argentiniens mitgebracht. Von Klaus Lange

Ushuaia auf Feuerland gilt als die südlichste Stadt der Welt. Wer sich per Flug hierher wagt, nutzt entweder eine Weiterreise mit einem kleinen Kreuzfahrtschiff in die Antarktis oder hat detaillierte Besucherpläne. Der Kern der argentinischen Stadt wurde am Hang quadratisch angelegt, so wie das in vielen Städten der neuen Welt zur Zeit der Besiedlung geschah.

Als Touristen konnten wir uns deshalb nicht verlaufen. Häuser und Fenster wurden einst mühevoll verziert. In der Gegenwart wachsen an den Hängen dagegen auch mehrstöckige Neubauten in die Höhe. Zurzeit hat die Stadt knapp 57.000 Einwohner.

In der Touristeninformation drängen sich zahlreiche Auskunftssuchende. Aber in den zahlreichen Gaststätten in Hafennähe findet man immer einen Platz. Wir unternahmen während des viertägigen Aufenthalts zwei Bootstouren, besuchten das als Museum eingerichtete ehemalige Schwerverbrechergefängnis Presidio, fuhren mit El Tren del Fin del Mundo (der Bahn am Ende der Welt) und sahen uns den Nationalpark Tierra del Fuego an.

Reise von Cottbus bis ans Ende der Welt FOTO: Klaus Lange

Reise nach Feuerland: Im Gefängnis für Schwerverbrecher

1896 wurde das Zuchthaus für Schwerverbrecher eingeweiht. Es war bis 1947 in Betrieb. Nach dem Vorbild der Behandlung englischer Strafgefangener in Australien ging es um Erziehung durch Arbeit, um wirtschaftliche Interessen und um Kolonialisierung. Für die bis zu 600 Gefangenen standen 380 Zellen zur Verfügung.

 Blick auf Ushuaia, die südlichste Stadt Argentiniens (57.000 Einwohner).
Blick auf Ushuaia, die südlichste Stadt Argentiniens (57.000 Einwohner). FOTO: Klaus Lange

Die Sträflinge wurden zum Roden von Bäumen eingesetzt und nutzten für den Transport des Holzes eine von ihnen angelegte und zu unterhaltende Schmalspurbahn. Außerdem wurden Gefangene für Ackerbau und Viehzucht eingesetzt. Im Laufe der Zeit kamen Werkstätten hinzu. Selbst ein Kraftwerk für die Stadt wurde durch das Zuchthaus betrieben.

Die Stadt hat demzufolge ihre Entwicklung wesentlich dem Gefängniswesen zu verdanken. Fluchtversuche von Häftlingen endeten meist kläglich oder tragisch. Hunger und Kälte trieben Entlaufene ins Zuchthaus zurück. Im Zuchthausmuseum ließ ich mich von meiner Frau fotografieren, damit ich behaupten kann, ich hätte mal in einem argentinischen Gefängnis gesessen, auch wenn es nur zwei Minuten waren.

 Das Foto zeigt Klaus Lange in einer musealen Zelle im Presidio, dem einstigen Gefängnis von Ushuaia.
Das Foto zeigt Klaus Lange in einer musealen Zelle im Presidio, dem einstigen Gefängnis von Ushuaia. FOTO: Klaus Lange

Reise nach Feuerland: Erinnerung an Ferdinand Magellan

Auf dem ehemaligen Areal wurde in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts ein Marinestützpunkt eingerichtet, der heutzutage ebenso wie das Zuchthaus als Museum dient. Weitere Ausstellungsräume sind der Seefahrt um Feuerland gewidmet. Dabei stehen der portugiesische Seefahrer und Entdecker Ferdinand Magellan (lebte bis 1521) und sein Flaggschiff Trinidad im Mittelpunkt. Um 1520 wurde auch der Begriff Feuerland für die Inselregion geprägt.

Ein Ausstellungsraum ist auch dem Deutschen Gunther Plüschow (1886 bis 1931) gewidmet, der als erster Pilot mit seiner Heinkel HD 24 die Darwin-Kordillere, Kap Hoorn und Torres del Paine überflog.

Die Eisenbahnstrecke der Tren del Fin del Mundo führt auf etwa sieben Kilometern durch den Nationalpark „Tierra del Fuego“ bis zu drei Hütten, die als Nachbildung ein Lager der ursprünglichen Bewohner, der Yamanas, darstellen. Für ausländische Touristen gibt es Ausnahmegenehmigungen, um im Nationalpark an ausgewählten Stellen zelten zu können. Das kann für Langstreckenwanderer und Alpinisten interessant sein.

 Die historische Tren del Fin del Mundo (Bahn vom Ende der Welt) fährt auf der Strecke Ushuaia in den Nationalpark Tierra del Fuego.
Die historische Tren del Fin del Mundo (Bahn vom Ende der Welt) fährt auf der Strecke Ushuaia in den Nationalpark Tierra del Fuego. FOTO: Klaus Lange

Reise nach Feuerland: Mit dem Boot auf dem Beagle-Kanal

Für jeden Besucher von Ushuaia ist eine Bootsfahrt auf dem Beagle-Kanal ein Muss. Die südlich der Magellanstraße gelegene Wasserverbindung wurde nach dem Schiff von Charles Darwin benannt. Man kann Yachten, Katamarane und kleinere Boote nutzen.

 Das Foto zeigt die Küste Feuerlands bei Ushuaia, gesehen von einem Boot aus im Beagle-Kanal.
Das Foto zeigt die Küste Feuerlands bei Ushuaia, gesehen von einem Boot aus im Beagle-Kanal. FOTO: Klaus Lange

Eine Tour dauert zwischen drei und neun Stunden. Auf diese Weise kamen wir zum Leuchtturm Les Eclaires, der einst die Hafenzufahrt von Ushuaia anzeigte, zur Seelöweninsel, zur Vogelinsel und zur Pinguininsel.

Die zahlreichen Pinguine waren ein Erlebnis für sich. An der Pinguininsel klickten die Fotoapparate von meiner Frau und mir nahezu ununterbrochen. Auch die Seelöwen waren exzellente Fotomodelle. Sie sonnten sich und sorgten sich liebevoll um ihren Nachwuchs. Uns schien, dass sie die eigenen Kinder vor neugierigen Nachbarn abschirmten.

 Dieses Foto zeigt einen Eselspinguin auf der Pinguin-Insel im Beagle-Kanal bei Ushuia.
Dieses Foto zeigt einen Eselspinguin auf der Pinguin-Insel im Beagle-Kanal bei Ushuia. FOTO: Klaus Lange

Reise nach Feuerland: Bootsfahrt mit zwei Walen

Vom Katamaran bekamen wir noch die Rücken von zwei Walen zu Gesicht, denen es offensichtlich Freude bereitete, mit dem Schiff um die Wette zu schwimmen. Wer es noch spannender mag, kann auch spezielle Tauchgänge oder Rundflüge buchen.

Bezahlen kann man auf Feuerland in bar mit argentinischen Pesos. Aber auch US-Dollar werden genommen. Geldwechsel in Banken ist umständlich, erfordert Zeit und Mühe. In den Abendstunden saßen wir in aller Ruhe auf der Terrasse des Hotels und blickten zu den bizarren Bergen oder über das Wasser. Da kann man leicht ins Träumen geraten.

 Leuchtturm Les Eclaires, der früher die Hafeneinfahrt nach Ushuaia über den Beagle-Kanal anzeigte.
Leuchtturm Les Eclaires, der früher die Hafeneinfahrt nach Ushuaia über den Beagle-Kanal anzeigte. FOTO: Klaus Lange