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| 18:50 Uhr

Schädlingsplage
Raupenalarm in Deutschland

 Harmlos, aber eklig: Schwammspinner sitzen auf einer Hauswand. Erst wenn sich die Raupen verpuppen, ist der Spuk vorbei.
Harmlos, aber eklig: Schwammspinner sitzen auf einer Hauswand. Erst wenn sich die Raupen verpuppen, ist der Spuk vorbei. FOTO: dpa / Daniel Karmann
Gera/Braunschweig. Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner fressen sich derzeit durchs Grün. dpa

Sie sind nur einige Zentimeter lang, treten aber in großen Schwärmen auf – und werden für manche Menschen in Deutschland zur großen Belastung. Raupen von Schwammspinnern und Eichenprozessionsspinnern fressen derzeit Wälder und Gärten kahl.

In Teilen Thüringens, in Franken und um Leipzig tummeln sich derzeit Millionen der schwarzbraunen Schwarmspinner-Raupen. Sie knabbern nicht nur massenweise Eichen und andere Pflanzen ab, sondern kriechen auch in Gärten und an Häuserwänden entlang – und manchmal an Beinen der Menschen hoch. Andere Bundesländer haben zwar keine derart drastischen Fälle, melden aber auch steigende Zahlen, etwa die Umweltministerien von Hessen und Rheinland-Pfalz.

Zur Plage hat sich vielerorts auch der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) entwickelt. Anders als beim Schwammspinner (Lymantria dispar) können diese Raupen Menschen gefährlich werden – wegen ihrer feinen Gifthärchen. Nach Angaben des Julius-Kühn-Instituts (JKI) in Braunschweig tritt der Schmetterling seit Mitte der 1990er-Jahre verstärkt in Deutschland auf, allerdings sei der Befall regional unterschiedlich.

Doch woher kommt die teils explosionsartige Vermehrung der Raupen? „Sicherlich ist das ein Indiz für den Klimawandel“, sagt der Insektenforscher Ronald Bellstedt aus dem thüringischen Gotha. „Die Insekten brauchen Wärme, Licht und Sonne, dann klappt das mit der Vermehrung besser. Wie beim Wetter werden die Extreme durch den Klimawandel immer größer.“

„Da es durch den Klimawandel zukünftig verstärkt sommerwarme, sommertrockene Perioden geben wird, wird der Schwammspinner-Befall zunehmen“, bestätigt eine Sprecherin des Thüringer Landwirtschaftsministeriums. Der Schwammspinner ist ein wärmeliebender Nachtfalter, der als Raupe bevorzugt Eichenblätter isst. Seit dem heißen und trockenen Jahr 2015 steige seine Populationsdichte, schreibt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).

Seine Raupen seien für den Menschen zwar lästig, aber in der Regel nicht gesundheitsgefährdend, betont Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt im ostthüringischen Gera. Dort färben Schwammspinner-Raupen gerade einen ganzen Ortsteil dunkel ein. „Wenn man dort lebt, kann man sich nicht in den Gärten aufhalten“, sagt Nickschick. „Es ist eine echte psychische Belastung für die Menschen – und ein wirtschaftlicher Schaden, da die Raupen die Laubgehölze in den Gärten abfressen.“

Momentan verzichtet man in Thüringen und Sachsen auf eine Bekämpfung mit Insektiziden, weil dadurch auch Nützlinge vernichtet würden. Im kommenden Frühjahr könnten biologische Schädlingsbekämpfungsmittel wie etwa der Mikroorganismus Bacillus thuringiensis gegen junge Raupen eingesetzt werden, sagt Nickschick. Jetzt seien die Raupen dafür schon zu weit entwickelt.

 Harmlos, aber eklig: Schwammspinner sitzen auf einer Hauswand. Erst wenn sich die Raupen verpuppen, ist der Spuk vorbei.
Harmlos, aber eklig: Schwammspinner sitzen auf einer Hauswand. Erst wenn sich die Raupen verpuppen, ist der Spuk vorbei. FOTO: dpa / Daniel Karmann