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Ruthenium
Rätselraten um russische Radioaktivität in der Lausitz

Wo kommt das radioaktive Ruthenium-106 her?
Wo kommt das radioaktive Ruthenium-106 her? FOTO: Jochen Lübke / dpa
Moskau. Russland hat am Dienstag erstmals Angaben über leicht erhöhte Radioaktivitätswerte in der Luft bestätigt. Die Werte waren Anfang Oktober auch in Görlitz und Cottbus gemessen worden. Die Quelle der Strahlung gibt weiter Rätsel auf.

Im Oktober seien geringe Mengen an Ruthenium-106 (Ru-106) an einigen Orten in Russland nachgewiesen worden, teilte das russische Umweltministerium am Dienstag in Moskau mit. Unter anderem wurde der radioaktive Stoff nach Angaben des Wetterdienstes im Südural gemessen, wo sich auch die Kerntechnische Anlage Majak befindet. Die Werte seien jedoch eindeutig unter dem zulässigen Limit, hieß es. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung.

Bisher hatten russische Behörden eine erhöhte Strahlung stets bestritten.Dabei hatte das deutsche Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Berlin bereits vor Wochen auf erhöhte Werte hingewiesen. „An verschiedenen Spurenmessstellen in Europa sind seit dem 29. September leicht erhöhte Radioaktivitätswerte in der Luft nachgewiesen worden“, hieß es in der Auskunft des BfS. Die durch den Deutschen Wetterdienst in Görlitz gemessene Konzentration von Ruthenium-106 betrug demnach etwa fünf Millibecquerel pro Kubikmeter Luft. Durch Inhalation über eine Woche ergebe sich eine Dosis von weniger als 100 Nanosievert. „Diese Dosis ist niedriger als die Dosis durch die natürliche Umgebungsstrahlung in einer Stunde“, so das BfS. Gefahr habe nicht bestanden. In Cottbus wurde bei einer weitren Untersuchung ebenfalls Ruthenium-106 in der Luft nachgewiesen. Die Konzentration sei aber noch geringer gewesen als in Görlitz.

Die Quelle des radioaktiven Stoffes sei bislang unbekannt, hieß es am Dienstag auf russischer Seite. Die Majak-Betreiber bestreiten, dass das Ruthenium-106 aus dem Atomzentrum kommt.

Da ausschließlich Ruthenium-106 nachgewiesen wurde, könne ein Unfall in einem Kernkraftwerk als Ursache ausgeschlossen werden, schätzt das Bundesamt für Strahlenschutz ein. Ruthenium-106 werden unter anderem als Strahlenquelle für die Krebstherapie zur Behandlung von Tumoren am Auge eingesetzt. Außerdem werde Ruthenium-106 selten bei der Stromversorgung von Satelliten genutzt. Auch bei der Wiederaufarbeitung von nuklearen Brennelementen kann Ruthenium auftreten.

(dpa/bob)