| 02:42 Uhr

Rachefeldzug eines Pizzabäckers

Waffen, die der Täter bei seinen Attacken benutzt hat.
Waffen, die der Täter bei seinen Attacken benutzt hat. FOTO: dpa
Düsseldorf. Ein Pizzabäcker ohrfeigte 2011 seine Chefin, dafür wurde er verurteilt. Jetzt sind drei Menschen tot – Mitarbeiter von Anwaltskanzleien, von denen er sich nicht gut vertreten fühlte. dpa/ik

Der Serie von Gewalttaten eines früheren Kochs gegen zwei Anwaltskanzleien und eine Pizzeria in Nordrhein-Westfalen hat einen dritten Menschen das Leben gekostet. Nach dem mutmaßlichen Rachefeldzug vom Freitag erlag ein 51-jähriger Düsseldorfer Anwalt seinen Stichverletzungen, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Der 48-jährige Täter hatte früher in einer Pizzeria in Goch gearbeitet und vor drei Jahren seine Chefin geohrfeigt, dafür war er verurteilt worden. Die Ermittler sind sich sicher, dass der Familienvater sich am Freitag an seiner Ex-Chefin sowie an den Kanzleien in Düsseldorf und Erkrath rächen wollte.

Der Mann hatte am Freitag eine Anwältin in Düsseldorf und eine Anwaltsgehilfin im benachbarten Erkrath durch Messerstiche und Schüsse getötet und weitere Menschen verletzt. In beiden Kanzleien legte er außerdem Feuer. In Goch wurde er schließlich von den Töchtern seiner Ex-Chefin und einem Passanten überwältigt. Er gestand die Taten und sitzt in Untersuchungshaft. Ihm werden Mord und Mordversuch vorgeworfen. Zum Motiv schweigt er.

Klar ist nach Darstellung der Ermittler, dass der Mann 2011 in Goch die Besitzerin der Pizzeria, in der er arbeitete, geohrfeigt hatte. Sie zeigte ihn an, was eine Geldstrafe und Schmerzensgeld zur Folge hatte. Der Täter machte dafür seinen Anwalt in Düsseldorf verantwortlich und versuchte, die Kanzlei zu wechseln. In Erkrath erläutere man ihm, dass ein Berufungsverfahren keine Aussicht auf Erfolg habe. Seitdem überzog er die Kanzlei mit Telefonterror und tauchte mehrfach bei seinen früheren Anwälten in Düsseldorf auf, erschien ihnen aber nicht gefährlich, wie die Ermittler sagten.

Das änderte sich am Freitag. Nach bisherigen Ermittlungen brachte der Mann seine kleine Tochter noch in die Kita und verließ später das Haus - offenbar mit einer scharfen Pistole, einer Reizgaspistole, einem Küchenmesser und einem Klappmesser.

Kurz vor Mittag stürmte er dann die Anwaltspraxis in Düsseldorf und stritt lautstark mit einer 54 Jahre alten Anwältin. Als deren Kollege dazukam und den Mann zum Gehen aufforderte, zog der eine Pistole aus einer Plastiktüte und zielte auf seine Opfer. Da die Waffe nicht losging, schlug er auf den Mann ein, erstach die Frau und verletzte einen weiteren Anwalt ebenfalls durch Messerstiche, an denen dieser am Samstag starb. Dann legte der Täter Feuer und floh.

Mit dem Auto seiner Frau fuhr er nach Erkrath und drang dort wenig später in die zweite Kanzlei ein. Er erschoss eine 50 Jahre alte Anwaltsgehilfin und verletzte einen 33 Jahre alten Anwalt, der im Rollstuhl saß, mit einem Bauchschuss lebensgefährlich. Dieser Mann wurde durch eine Operation gerettet und war am Sonntag ansprechbar.