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Strafprozess gegen US-Entertainer
Anwalt von Bill Cosby greift Klägerin an

Bill Cosby (Archiv).
Bill Cosby (Archiv).
Norristown. Nach dem geplatzten ersten Prozess steht Bill Cosby erneut wegen sexueller Nötigung vor Gericht. Im Eröffnungsplädoyer geht sein Verteidiger die Klägerin scharf an. Es geht um Millionenvereinbarung zwischen ihr und dem Fernsehstar.

Die Klägerin sei eine "Trickbetrügerin", deren Ziel "Geld, Geld und viel mehr Geld" gewesen sei, sagte Bill Cosbys Anwalt Tom Mesereau am Dienstag in dem Gericht in Norristown bei Philadelphia. Die Staatsanwaltschaft wirft Cosby vor, die heutige Klägerin 2004 betäubt und sich an ihr vergangen zu haben. Der 80-Jährige hat den sexuellen Kontakt zu ihr als einvernehmlich beschrieben. Bei einem Schuldspruch drohen ihm mehrere Jahre Gefängnis.

Die Klägerin Andrea Constand habe sich nicht von Cosby angezogen gefühlt, sei aber "wahnsinnig verliebt" in den Ruhm und das Geld des Komikers gewesen, sagte Mesereau in seinem Eröffnungsplädoyer. Die Anschuldigungen habe sie erhoben, um viel Geld einzustreichen. Sie habe "den Jackpot gewonnen", als Cosby ihr 3,4 Millionen Dollar (umgerechnet 2,7 Millionen Euro) gezahlt habe, um ein Zivilverfahren zu beenden, fügte er hinzu.

Staatsanwalt Kevin Steele hatte am Montag angeführt, Cosby habe im Zuge einer Zivilklage wegen des Vorfalls knapp 3,4 Millionen Dollar gezahlt. Mesereau hatte vorab durchblicken lassen, dass er die Zivilklage als Beleg dafür anführen wird, dass die Klägerin eine falsche Anschuldigung erhoben habe, um von dem Fernsehstar viel Geld zu bekommen. Er werde den Geschworenen klarmachen, dass die Klägerin einfach nur habgierig gewesen sei, sagte Mesereau.

Der 80-jährige Cosby erschien am Dienstag in Begleitung von fünf Polizisten im Gericht, nachdem am Vortag eine barbusige Demonstrantin auf ihn zu gerannt war. Nach dem Vorfall waren weitere Absperrungen aufgebaut worden. Die Demonstrantin, eine Aktivistin der Frauenrechtsorganisation Femen, hatte als Kind in mehreren Episoden der "Bill Cosby Show" mitgespielt.

Der erste Prozess in dem Fall war gescheitert, weil sich die Geschworenen nicht auf ein einstimmiges Urteil hatten einigen können. Damals hatte die Millionenvereinbarung nach der Zivilklage allerdings keine Rolle gespielt, weil sie seinerzeit vertraulich abgeschlossen worden war.

Experten rechneten damit, dass es in der Neuauflage des Prozesses viel um die Frage gehen werde, warum ein Unschuldiger nach einer falschen Anklage eine Millionenzahlung geleistet haben soll. Der stellvertretende Staatsanwalt Stewart Ryan hatte schon bei einer Anhörung vor Prozessbeginn darauf angespielt, dass 1997 eine Frau behauptet hatte, sie sei Cosbys Tochter und werde mit dieser Geschichte an die Öffentlichkeit gehen, falls der Star ihr nicht 40 Millionen Dollar zahle. Damals sei Cosby einfach zur Polizei gegangen.

(wer)