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Poesie im Windhauch

Galsan Tschinag, 1943 in der Westmongolei geboren, ist kein Unbekannter in der Lausitz. Ist doch der Leipziger Germanistikstudent bei Strittmatters in die literarische Lehre gegangen. Ida Kretzschmar

Er revanchierte sich, indem er dem Pferdenarr auf Schulzenhof das Lassowerfen beibrachte. Vor allem aber mit einer ungewöhnlichen Schreibkunst, die das heutige Stammesoberhaupt der turksprachigen Tuwa auch in seinen Gedichten offenbart. Seine Liebesgedichte sind jetzt auf Deutsch in einem schön editierten Band im Unionsverlag erschienen. Die meisten von ihnen tragen keinen Titel. Man soll sich selbst seinen Reim drauf machen, könnte die Botschaft sein. Eine Aufforderung zur Zwiesprache mit Mensch und Natur. Eine Poesie, die den Wind spüren lässt und in einem Windhauch Poesie entdeckt. Der Autor aber, ein Bewunderer der deutschen Poesie, der noch oft als Schamane mit seiner Sippe in der "blaubunten Steppe" seiner Heimat unterwegs ist, betet darum, dass seine Gedichte die Seele erhellen und den Geist erfrischen bis in das "segensreiche deutsche Tiefland" herüber.

Galsan Tschinag: Liebesgedichte. Unionsverlag, 107 Seiten, 18 Euro