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Orkan "Niklas" ist abgezogen

Von "Niklas" abgedecktes Dach eines Schulgebäudes in Halberstadt (Sachsen-Anhalt). Menschen kamen nicht zu Schaden.
Von "Niklas" abgedecktes Dach eines Schulgebäudes in Halberstadt (Sachsen-Anhalt). Menschen kamen nicht zu Schaden. FOTO: dpa
Berlin. "Niklas" ist abgezogen, aber auch nach dem Orkan bleibt es stürmisch in Deutschland. Reisende können aufatmen: Die Züge der Bahn fahren wieder. In der Lausitz gab es am Mittwoch Stromausfälle. dpa/pb

Mindestens elf Menschen sind während des Orkans "Niklas" in Deutschland, Österreich und der Schweiz ums Leben gekommen. Der Bahnverkehr, der während des Durchzugs von "Niklas" weitgehend stillgestanden hatte, normalisierte sich am Mittwoch rasch. Im Fernverkehr mussten Reisende aber noch mit Verspätungen und Zugausfällen rechnen. Pünktlich zum Reiseverkehr zu den Osterfeiertagen solle der Verkehr ab Donnerstag wieder stabil und planmäßig laufen, sagte eine Bahn-Sprecherin.

Die Höhe der Schäden war am Tag danach noch nicht abzusehen: Die Versicherer erwarten viele Schadensmeldungen erst für die Zeit nach den Osterferien, wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft sagte. Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) gehört "Niklas" zu den stärksten Stürmen der vergangenen 30 Jahre. Der Orkan ist zwar aus Deutschland abgezogen, es bleibt aber stürmisch: Die Meteorologen sagten zu Ostern nass-kaltes und unbeständiges Wetter voraus.

In Bayern und Rheinland-Pfalz wurden eine Frau und zwei Männer erschlagen, als Bäume auf ihre Autos stürzten. In Sachsen-Anhalt tötete eine umgewehte Mauer einen Mann. In Niedersachsen starb ein Mann unter einem herausgebrochenen Scheunentor. Auch in Österreich und der Schweiz gab es zwei Unwettertote. Außerdem gab es vier Tote bei wetterbedingten Unfällen.

"Niklas" legte am Dienstag den Bahnverkehr in weiten Teilen lahm. Gesperrt waren am Mittwoch noch die Strecken Hannover-Bremen und München-Rosenheim. Die Bahn in Nordrhein-Westfalen verteidigte den stundenlangen Stopp des regionalen Bahnverkehrs am Dienstag. "Beim Nahverkehr war ein sinnvoller Betrieb nicht möglich", sagte eine Sprecherin. Es habe wegen des Sturms viele Störungen im Schienennetz gegeben. Die Entscheidung habe auch einen Sicherheitsaspekt, denn Reisende seien in den Bahnhöfen viel besser zu betreuen als etwa in einem Zug auf freier Strecke.

Der Orkan hatte auch den Verkehr an Flughäfen durcheinandergebracht. In Frankfurt mussten von 1300 geplanten Flügen am Dienstag 185 annulliert werden, sagte ein Sprecher des Flughafenbetreibers.

Trotz der vielen Störungen und Unfälle brachte "Niklas" Deutschland aus Sicht der Versicherer keine Rekordschäden. "Wir gehen davon aus, dass der Sturm ,Niklas‘ deutlich weniger Schäden verursacht hat als der Sturm ,Kyrill‘ 2007", sagte ein Sprecher des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Es sei aber zu früh, die Summe abzuschätzen, weil die Versicherer viele Schadensmeldungen erst für die Zeit nach den Osterferien erwarteten.

Nach dem Durchzug des Sturms liefen die Aufräumarbeiten auf Hochtouren. Der Sturm hatte Bäume umgeknickt, die Straßen und Gleise zeitweise blockierten und von Einsatzkräften entfernt werden mussten. "Niklas" beschädigte Fassaden, Autos und Stromleitungen. Der Deutsche Feuerwehrverband erklärte, dass am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch schätzungsweise bis zu 100 000 Feuerwehrleute im Einsatz gewesen seien. Der Verband rief zur Vorsicht auf, abgeknickte Äste und lose Teile von Dächern könnten noch herabfallen. Auch vor Spaziergängen im Wald in den kommenden Tagen wird gewarnt.

Nach Angaben des Stromnetzbetreibers Mitnetz Strom waren im Landkreis Spree-Neiße durch das Orkantief zahlreiche Haushalte von Versorgungsausfällen betroffen. So ist es im Verlauf des Nachmittags und Abends zwischen Forst und Döbern zu mehreren Ausfällen von Mittelspannungsleitungen gekommen.

In Ostsachsen löste "Niklas" 307 Einsätze aus, wie die Integrierte Rettungsleitstelle Hoyerswerda (IRLS) am Mittwoch bestätigte. Der größte Einsatz war in Weißkeißel, wo es von einem Giebel eines Hauses das Wärmeverbundsystem abgerissen hatte. Ein 14-jähriger Junge wurde durch Teile der Dämmung getroffen und verletzt. Er liegt im Krankenhaus Weißwasser.