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| 17:02 Uhr

Weltdrogenbericht der UN
Noch nie so viel Drogenkonsum wie heute

26. Juni 2018, Kambodscha, Phnom Penh: Drogenexperten präsentieren am Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel sichergestellte Drogen. Die Polizei in Kambodscha hat nach eigenen Angaben eine Rekordmenge an synthetischen Drogen sichergestellt. In Koffern in einem aus Laos kommenden Touristenbus fanden die Beamten 120 Kilogramm Methamphetamine.
26. Juni 2018, Kambodscha, Phnom Penh: Drogenexperten präsentieren am Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und illegalen Drogenhandel sichergestellte Drogen. Die Polizei in Kambodscha hat nach eigenen Angaben eine Rekordmenge an synthetischen Drogen sichergestellt. In Koffern in einem aus Laos kommenden Touristenbus fanden die Beamten 120 Kilogramm Methamphetamine. FOTO: dpa / Heng Sinith
Wien/Region. Noch nie haben so viele Menschen auf der Welt Drogen genommen wie heute. Das geht aus dem Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen (UN) hervor, der am Dienstag in Wien veröffentlicht wurde. Auch in Brandenburg und Sachsen sind die Zahlen 2017 gestiegen. Hier ist aber vor allem Alkohol das Problem. dpa

haben im Jahr 2016 rund 275 Millionen Männer und Frauen mindestens einmal illegale Rauschmittel konsumiert. Das sind 25 Millionen oder rund zehn Prozent mehr als im Jahr davor. Entsprechend zur Nachfrage ist auch das Angebot größer geworden. „Es ist das Jahr der Rekorde“, sagte die UN-Drogenexpertin Angela Me bei der Vorstellung des Berichts mit den neuesten verfügbaren Zahlen.

So erreichte etwa die weltweite Kokainherstellung mit geschätzten 1410 Tonnen einen Höchstwert. Besonders in Asien und Afrika wachsen die Kokainmärkte. Auch in der Opiumherstellung verzeichnet der Weltdrogenbericht 2018 mit 10.500 Tonnen einen neuen Rekord. Das Zentrum des Opium-Anbaus weltweit bleibt Afghanistan. Opioide richten bei den Konsumenten zudem den größten Schaden an. 76 Prozent aller Drogentoten hängen mit dem Konsum der eigentlich verschreibungspflichtigen Medikamente zusammen.

Cannabis ist weltweit am meisten konsumierte Droge

„Die Ergebnisse des diesjährigen Weltdrogenberichts zeigen, dass die Drogenmärkte größer werden - mit Rekorden bei der Kokain- und der Opium-Produktion“, sagt Yury Fedotov, Chef der UN-Abteilung für Drogen- und Verbrechensbekämpfung. „Wir haben es mit verschiedenen Herausforderungen an verschiedenen Fronten zu tun.“ Seine Abteilung wolle mit den Ländern zusammenarbeiten, um Lösungen zu suchen.

Die weltweit am häufigsten konsumierte Droge bleibt Cannabis: 192 Millionen und damit 16 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr greifen laut UN zu dem Rauschmittel. Der Cannabisanbau stieg weltweit sogar um 27 Prozent auf 4386 Tonnen. Besonders groß war der Anstieg in Nordamerika. Nach Angaben der Experten könne dies vor allem mit der Legalisierung der Droge in vielen US-Bundesstaaten zusammenhängen.

Über 40-Jährige greifen öfter zu Rauschmitteln

Die Experten machten zudem deutlich, dass der Drogenkonsum insbesondere in der Altersgruppe ab 40 steigt. Dafür könnte nicht zuletzt die Babyboomer-Generation verantwortlich sein. In deren Jugend sei der Drogenkonsum höher als bei nachfolgenden Generationen gewesen - vermutlich konsumieren sie auch weiterhin verschiedene Rauschmittel. In Deutschland ist insbesondere ein starker Anstieg des Cannabiskonsums unter 45- bis 64-Jährigen zu verzeichnen.

„In Deutschland ist es wichtig, dass Drogen- und Suchtpolitik den Stellenwert erhält, den dieses Thema verdient und nicht nur über „Lifestyle-Projekte“ wie die Legalisierung von Cannabis gesprochen wird“, sagte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), der Deutschen Presse-Agentur. „Wir sollten alles dran setzen, Menschen mit Suchtproblemen mit passenden Hilfsangeboten früher zu erreichen als bisher.“

In Brandenburg und Sachsen ist Alkohol Droge Nummer eins

Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hat ergeben, dass Alkohol das größte Problem in dem Flächenland ist. Nach Auskunft der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen in Potsdam starben im Vorjahr 30 Brandenburger an den Folgen ihres Drogenkonsums, dreimal so viele wie noch 2015. Bundesweit gebe es durch Alkoholismus jedes Jahr bundesweit rund 74 000 Todesfälle.

66 Prozent der Hauptdiagnosen in den ambulanten Einrichtungen der Suchthilfe beträfen laut Andrea Hardeling, Geschäftsführerin der Landesstelle, Alkohol. „Im Vergleich zu den westlichen Bundesländern ist der Anteil derjenigen, die illegale Drogen konsumieren, geringer“, so Hardeling. Unter ihnen steche die Droge Cannabis deutlich hervor. 14 Prozent der jährlich rund 8000 beratenen Klienten hätten damit ein Problem.

Die häufigste Suchtdiagnose im Freistaat Sachsen ist ebenfalls Alkoholkonsum. Das betraf fast drei Viertel aller Diagnosen in den Krankenhäusern und die Hälfte aller Termine in den Suchtberatungen. Bei illegalen Drogen rangiert weiter Crystal ganz vorn. Die Zahl derer 2017 in Sachsen die Suchtberatung aufgesucht haben, liegt laut Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren mit 26 000 auf dem Niveau der beiden Vorjahre, allerdings nahm der Anteil derjenigen etwas zu, die wegen illegaler Drogen professionelle Hilfe suchten.

Jährlich 450000 Tote

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich 450000 Menschen durch den Konsum von Drogen, 39 Prozent von ihnen sind über 50 Jahre alt. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass mehr als 60 Prozent der Drogentoten nicht an Überdosen, sondern an den indirekten Folgen, also Hepatitis C und HIV sterben. Rund 10,6 Millionen Menschen spritzen sich Rauschmittel und nehmen dabei durch das wiederverwenden von Spritzen große Gesundheitsrisiken auf sich. Mehr als die Hälfte aus der Gruppe lebt mit Hepatitis C, ein Achtel ist HIV infiziert.

Zwischen den Geschlechtern stellt die UN große Unterschiede im Umgang mit Drogen fest. Frauen bevorzugen Opioide und Beruhigungsmittel, Männer nehmen häufiger Cannabis und Kokain. Frauen machen aber nur ein Drittel der Drogenkonsumenten aus.