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"Niklas" tobt über Deutschland

Offenbach. "Kaum ist der eine Baum aufgeräumt, stürzt der nächste um", sagt ein Polizeisprecher. Orkan "Niklas" trifft vor allem die Bahnkunden hart. In einigen Regionen geht fast nichts mehr. dpa/pb bl

Orkan "Niklas" hat sich zu einem der stärksten Stürme der vergangenen Jahre entwickelt und den Verkehr in weiten Teilen Deutschlands lahmgelegt. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen stoppte die Deutsche Bahn am Vormittag den Nahverkehr komplett, im Fernverkehr fuhren nur einzelne Züge. In Bayern wurde der Fernverkehr am Nachmittag eingestellt, die Haupthalle des Münchner Hauptbahnhofs wurde wegen Orkanschäden geräumt. Insgesamt waren Zehntausende Reisende und Pendler betroffen. In Groß Santersleben (Sachsen-Anhalt) starb ein Mann, als ihn eine umstürzende Betonmauer begrub, wie die Polizei mitteilte. In Rheinland-Pfalz hat ein umgestürzter Baum zwei Menschen erschlagen. Wie die Polizei mitteilte, fiel der Baum bei Montabaur im Westerwald auf ein Dienstfahrzeug der Straßenmeisterei. Rettungskräfte konnten die beiden Männer nur noch tot aus dem Wrack bergen.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte Unwetterwarnungen für große Teile Deutschlands herausgegeben - die Meteorologen warnten vor entwurzelten Bäumen, herumwirbelnden Gegenständen und schweren Schäden an Gebäuden. Besonders betroffen waren zunächst Teile von Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, später auch Brandenburg und Berlin. In Nordrhein-Westfalen stoppte die Bahn wegen zahlreicher Schäden nach dem Orkan "Niklas" gegen 11 Uhr ihren kompletten Nahverkehr. Regionalzüge und S-Bahnen fuhren die nächsten Bahnhöfe an und blieben dort stehen. Privatbahnen in dem Bundesland fuhren dagegen nach eigenen Angaben auf einzelnen Strecken weiter. In Bayern stellte die Deutsche Bahn den Fernverkehr wegen des Sturmtiefs komplett ein. In der Nähe von Osnabrück stürzten am Dienstag mehrere Bäume auf einen Zug und stoppten den Intercity. Der Zug war mit etwa 350 Menschen besetzt. Verletzt wurde nach Angaben der Bundespolizei niemand. Auch in anderen Bundesländern gab es Behinderungen im Bahnverkehr.

Polizei und Feuerwehr waren im Dauereinsatz, um Bäume von Autobahnen und Bundesstraßen zu räumen.

Zum Thema:
"Niklas” hat am gestrigen Dienstag auch in der Lausitz für Probleme gesorgt. In Teilen von Cottbus fiel am Abend für etwa eine viertel Stunde der Strom aus. Die Elektroenergieversorgung Cottbus GmbH bestätigte den heftigen Sturm als Ursache für den Ausfall, konnte die Störung aber schnell beheben. Allerdings führte dieser Stromausfall bei den Stadtwerken Cottbus zu einem Problem mit der Fernwärmeversorgung, wie Stadtwerkesprecherin Heike Schumann in der Nacht bestätigte. Allerdings handele es sich um nur zeitweilige Einschränkungen. Man bemühe sich um eine normale Wärmeversorgung. Stromausfall gab es auch in Elbe-Elster. Anders als in Cottbus dauerte die sturmbedingte Störung in Hohenleipisch und Dreska aber mehrere Stunden. Unter anderem auf der Autobahn A 15 und auf der B 169 zwischen Cottbus und Senftenberg behinderten laut Polizei immer wieder umgekippte Bäume oder herabgestürzte große Äste den Verkehr. Zu größeren Unfällen kam es bis in die Nacht allerdings nicht. bl