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Analyse
München ist wieder deutsche Stau-Hauptstadt

Der morgendliche Berufsverkehr fließt über den Kaiserdamm. Im vergangenen Jahr haben die Berliner Autofahrer durchschnittlich 44 Stunden im Stau verbracht.
Der morgendliche Berufsverkehr fließt über den Kaiserdamm. Im vergangenen Jahr haben die Berliner Autofahrer durchschnittlich 44 Stunden im Stau verbracht. FOTO: Michael Kappeler / dpa
München /Berlin. München ist erneut trauriger Spitzenreiter in Sachen Staus. 2016 hat die bayerische Landeshauptstadt Stuttgart überholt und den unschmeichelhaften Titel zum ersten Mal eingefahren. In Berlin standen die Autofahrer 2017 im Durchschnitt mehr 44 Stunden im Stau.

51 Stunden Stau pro Jahr – in keiner deutschen Stadt haben Autofahrer im Jahr 2017 so lange im Verkehr festgesteckt wie in der bayerischen Landeshauptstadt. Damit ist München zum zweiten Mal in Folge deutsche Stau-Hauptstadt, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Studie des Verkehrsdatenanbieters Inrix hervorgeht. Hamburg, Berlin und Stuttgart folgen mit jeweils 44 Stunden.

In den beiden größten deutschen Städten verzeichnete der Datenanbieter den dramatischsten Anstieg: In Hamburg hatte die Zahl der im Stau verbrachten Stunden im Vorjahr noch bei 39, in Berlin bei 38 Stunden gelegen. Auch im ohnehin schon staugeplagten München standen Autofahrer länger als 2016 still, durchschnittlich vier Stunden. Die Studienmacher erklären diesen Anstieg unter anderem mit der relativ hohen Anzahl von Baustellen an wichtigen Verkehrsknotenpunkten.

Die Kosten, die Staus für alle Autofahrer direkt und indirekt verursachten, beliefen sich den Angaben zufolge auf 80 Milliarden Euro. Umgerechnet 1770 Euro für jeden Fahrer. In Würzburg leide die Wirtschaft am meisten: Dort verlieren Autofahrer tagsüber – also außerhalb der Pendlerzeiten am Morgen und frühen Abend – so viel Zeit in Staus wie nirgendwo sonst in Deutschland. Dies habe Auswirkungen auf Geschäfte, Handwerker und den Lieferverkehr, kommentierte ein Sprecher die Studienergebnisse.

Insgesamt analysierte Inrix 1360 Städte in 38 Ländern. Nach eigenen Angaben wurden Daten aus 300 Millionen unterschiedlichen Quellen ausgewertet. Los Angeles führt die Liste im weltweiten Vergleich mit 102 Stunden an.

Berliner Autofahrer haben im vergangenen Jahr durchschnittlich 44 Stunden im Stau verbracht. In Berlin wurde der dramatischste Anstieg von Staustunden verzeichnet: 2016 waren es noch 38 Stunden pro Autofahrer gewesen. Der Untersuchung zufolge liegt das auch an großen Bauprojekten zur Verbesserung der Infrastruktur, etwa der Ausbesserung der Fahrbahnbeläge auf den Autobahnen 100 und 113.

Die vielen Staus verursachen demnach auch in der Bundeshauptstadt hohe Kosten: 2017 seien es rund 6,9 Milliarden Euro gewesen. Die Studienmacher erklären das mit dem hohen Verkehrsaufkommen und der Größe der Stadt. Die verkehrsreichste Straße Berlins war die B 96 zwischen den U-Bahnhöfen Kaiserin-Augusta-Straße und Platz der Luftbrücke in Tempelhof-Schöneberg. Besonders am Morgen sei hier viel los.

Die Kosten, die Staus direkt und indirekt für Autofahrer verursachten, beliefen sich der Analyse zufolge deutschlandweit auf 80 Milliarden Euro, pro Fahrer also auf rund 1770 Euro. Darunter leide auch die Wirtschaft - am meisten in Würzburg, wo Autofahrer außerhalb der Pendlerzeiten so viel Zeit in Staus verlieren wie nirgendwo sonst in Deutschland. Wie ein Sprecher sagte, hat das Auswirkungen auf Geschäfte, Handwerker und den Lieferverkehr.

(dpa/fh)