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| 10:48 Uhr

Vor allem Männer betroffen
DLRG-Bericht: Mehr Tote durch Ertrinken seit Jahresbeginn

Mehrere Tage haben Taucher nach einem 26-Jährigen gesucht, der im Lichtenauer See untergegangen ist. Laut Polizei war der Afghane Nichtschwimmer. Die Zahl der Badeunfälle in Deutschland ist in den ersten sieben Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen.
Mehrere Tage haben Taucher nach einem 26-Jährigen gesucht, der im Lichtenauer See untergegangen ist. Laut Polizei war der Afghane Nichtschwimmer. Die Zahl der Badeunfälle in Deutschland ist in den ersten sieben Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen. FOTO: Feuerwehr Lübbenau
Scharbeutz. 279 Menschen sind in den ersten sieben Monaten des Jahres 2018 in deutschen Gewässern ertrunken. Das sind 37 mehr als im Vorjahr. Das geht aus einer aktuellen Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hervor. Auch in Brandenburg und Sachsen häufen sich die Badeunfälle.

„Hatten wir im letzten Jahr durch den eigentlich nicht vorhandenen Sommer vergleichsweise geringe Ertrinkungszahlen, beweisen die anhaltenden Temperaturen und das schöne Wetter einmal mehr, dass es leider auch in die andere Richtung gehen kann“, beklagt DLRG-Sprecher Achim Wiese. Allein im bereits sehr warmen April verstarben mit 37 Menschen zwölf mehr als im Vergleich zum Vorjahr, im Mai waren es zehn Fälle mehr (2018: 51, 2017: 41). Die Zahlen beziehen sich auf einen Zeitraum vom 1. Januar bis 20. Juli 2018.

Ungesicherte Badestellen sind Risiko-Orte

Die meisten Ertrinkungsfälle ereignen sich wie so oft an den ungesicherten Badestellen vor allem im Binnenland. Dort kamen 250 ums Leben – das sind fast 90 Prozent der Gesamtzahl. 104 Badende starben in Flüssen, 116 in Seen und Teichen, elf in einem Kanal. „Das Ertrinkungsrisiko an diesen Badestellen ist sehr hoch, da sie eben nicht bewacht werden, ein Ertrinkender hat hier wenig Aussicht auf Rettung. Daher fordern wir dringend mehr Bewachung auch im Binnenland durch unsere Rettungsschwimmer. Nur so können die Zahlen gesenkt werden“, beteuert Wiese.

Hier seien besonders Länder, Kommunen und Badbetreiber in der Pflicht, für mehr Sicherheit zu sorgen – ein schlichtes Badeverbotsschild reicht nicht aus. In Schwimmbädern ertranken 19 Badegäste.

Im Geschlechtervergleich liegt der Anteil der Frauen bei rund 19 Prozent, Männer sind nach wie vor die Risikogruppe. „Leichtsinn, Risikobereitschaft und Selbstüberschätzung sind hier die Hauptursachen“, erläutert der DLRG-Pressesprecher.

Mehr tödliche Badeunfälle in Brandenburg

In Brandenburg und Sachsen haben sich in den ersten Sieben Monaten 2018 etliche tödliche Badeunfälle ereignet. Lag die Zahl in Brandenburg mit Stand 20. Juli noch bei 19,ist sie mittlerweile gestiegen. So haben sich seitdem im Bundesland weitere tragische Badeunfälle ereignet.

Am Sonntag zogen Ersthelfer an einer Badestelle einen 86-Jährigen aus dem Werbellinsee (Landkreis Barnim). Rettungskräfte versuchten laut Polizei vergeblich, ihn zu reanimieren. Die Kriminalpolizei geht nach ersten Ermittlungen von einem tödlichen Badeunfall aus. Am Dienstag haben Taucher im Lichtenauer See bei Lübbenau die Leiche eines 26-jährigen Afghanen geborgen. Der Mann war laut Zeugen wenige Tage zuvor mit einem Schlauchboot gekentert und untergegangen. Und er war laut Polizeiangaben Nichtschwimmer.

Nach dem Vorfall im gesperrten Tagebausee und weiteren Unglücken – Ende Juni war ein 32 Jahre alter Angler in der Kiesgrube Kleinpösna ertrunken, am Dienstag wurde ein Ertrunkener aus der ehemaligen Kiesgrube in Dresden-Leuben geborgen – hat Bergbausanierer LMBV vorm Betreten von solchen Sanierungsflächen gewarnt. „Anlässlich der bedauerlichen Todesfälle der vergangenen Tage unter anderem in Kiesgruben und Bergbaufolgeseen des Lausitzer und Mitteldeutschen Braunkohlereviers gilt es umso mehr, die ausgewiesenen Sperrbereiche in den LMBV-Sanierungsflächen unbedingt zu beachten“, heißt in einer Pressemitteilung.

Weniger Ertrunkene in Sachsen

In Sachsen sind laut DLRG die Zahlen aber insgesamt rückläufig. So seien in den ersten sieben Monaten weniger Menschen ertrunken als ein Jahr zuvor. Zum Stichtag 20. Juli wurden zwölf Badetote in Sachsen gezählt, im Vorjahreszeitraum waren es doppelt so viele. Nach Angaben der Polizeidirektionen Leipzig und Görlitz kamen seitdem drei Badetote in Sachsen hinzu.

In Naunhof bei Leipzig starb vergangenen Donnerstag eine 80 Jahre alte Frau, die mit ihrem Mann in einem See geschwommen war. Am Mittwoch ertrank in Rothenburg (Landkreis Görlitz) ein 16-Jähriger in der Neiße. In Pegau (Landkreis Leipzig) kam ein 77-Jähriger in einem ehemaligen Tagebau ums Leben. Er hatte möglicherweise gesundheitliche Probleme und ertrank. Ein weiterer 16-Jähriger liegt seit einem Unfall im Markkleeberger See bei Leipzig im Koma. Er hatte sich in den See gewagt, obwohl er nicht schwimmen konnte.

Deutlich abgenommen haben die tödlichen Unfälle an den Küsten, was die gute Leistung des Zentralen Wasserrettungsdiensts Küste (ZWRD-K) widerspiegelt: Acht Opfer (eins an der Nord-, sieben an der Ostsee) sind hier zu beklagen. Im Vorjahr waren es noch 25. Auch hier ertrinken die Menschen vor allem an unbewachten Stränden, Alkohol und Selbstüberschätzung sind die Hauptgründe.

DLRG setzt künftig auch auf Drohnen

Neben der Bekanntgabe der Sommerzwischenbilanz wurde in Scharbeutz der Einsatz verschiedener Rettungsmittel der Lebensretter demonstriert, darunter ein Rettungsboot (Inflatable Rescue Boat IRB), ein Rettungsbrett sowie ein Stand-Up-Paddle (SUP).

Zudem wurde eine Drohne vorgeführt. Die unbemannten Helfer werden in Zukunft vermehrt zum Einsatz kommen und unsere Rettungskräfte am Boden ergänzen. „Mit der Drohne können wir überall dort, wo wir eine gute Sicht im Wasser haben, große Gebiete schnell und effizient absuchen. Durch die präzise Navigation des fliegenden Auges ermöglicht uns dies, unsere Retter gezielt zu einem Einsatz zu navigieren“, erklärt Alexander Kille, Projektleiter Einsatzdrohnen in der DLRG.

(red/lsc)