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Debatte mit Petry geplant
Empörung über "Neger"-Tweet - MDR sagt Radiosendung ab

Frauke Petry bei einer Pressekonferenz in Berlin im September 2017.
Frauke Petry bei einer Pressekonferenz in Berlin im September 2017. FOTO: afp
Düsseldorf. Mit der Frage "Darf man heute noch Neger sagen?" wollte der MDR in einer Radiosendung am Dienstagabend über politische Korrektheit diskutieren. Der Sender löste damit einen Shitstorm aus - und sagte die Diskussion ab.

Der MDR wollte mit Frauke Petry und anderen Gästen darüber diskutieren, ob "man heute noch Neger sagen darf". Der Radiosender löste damit eine Welle der Empörung aus - er sagte die Diskussion aber erst ab, als ihm Gesprächspartner absprangen.

Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) hatte für seine Sendung vier Gäste eingeladen: die frühere AfD-Chefin Frauke Petry, Moderator Peter Hahne, die sächsische Linke-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz und den Leipziger Politikwissenschaftler Robert Feustel. Unter dem Motto "Politisch korrekt? Das wird man wohl noch sagen dürfen!" sollten sie am Dienstagabend über Sprache und Beleidigungen diskutieren.

Auf Twitter kündigte der MDR die Sendung mit einer Frage an: "Darf man heute noch Neger sagen?". Doch damit löste er einen Shitstorm aus. Köditz und Feustel sagten daraufhin ihre Teilnahme ab. Wenige Stunden vor dem Beginn der Sendung strich der MDR die Sendung dann aus seinem Programm.

Der öffentlich-rechtliche Sender hatte die geplante Diskussion zunächst noch gegen die Kritik von Hörern verteidigt. Dann sagte Sandro Viroli, der Direktor des Landesfunkhauses Sachsen, dem Tagesspiegel, die Sendung sei nach den Absagen von Köditz und Feustel "nicht mehr ausgewogen". Erst später erklärte der MDR auf Twitter: "Wir entschuldigen uns für die rhetorisch gemeinte Einstiegsfrage unseres Tweets. Wir haben mit der Überspitzung die Gefühle vieler verletzt."

Kerstin Köditz spricht von "Kolonialismus"

Kerstin Köditz begründete ihre Absage wie folgt: "Weiße unterhalten sich, wie man schwarze Menschen betiteln darf. Das ist für mich Kolonialismus", sagte sie dem Tagesspiegel. Gemeinsam mit Robert Feustel schrieb Köditz in einer Mitteilung: "Angefragt waren wir zum Thema 'politische Korrektheit'. Das Thema wurde bei einer kurzfristigen Sendungsankündigung mittlerweile in eine Richtung weitergedreht, die vollends indiskutabel ist."

Frauke Petry teilte dagegen mit, sie finde es "schade, dass der MDR es nicht durchgezogen hat". "Wenn ein Diskussionsangebot bei entsprechenden Kreisen organisierte Empörung produziert, ist die Diskussion überfällig", fügte sie hinzu.

(togr)