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Protest gegen türkische Offensive
Massenschlägerei bei Kurdendemo am Flughafen Hannover

In Hannover musste die Polizei eine Massenschlägerei am Flughafen beenden. Kurdische Demonstranten sollen die Fluggäste einer türkischen Airline attackiert haben. Hintergrund ist die türkische Militäroffensive in Nordsyrien.

Nach ersten Ermittlungen der Polizei hatte eine pro-kurdische Gruppe spontan am Flughafen Hannover gegen eine türkische Airline protestiert. Dabei gerieten die Demonstranten mit Fluggästen in Streit: Auf Bildern vom Flughafen ist zu sehen, wie sich Menschen prügeln und treten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan wird von Demonstranten als "Faschist" beschimpft. Die Polizei musste nach eigenen Angaben etwa 20 Kontrahenten voneinander trennen und Pfefferspray einsetzen. Zwei Menschen seien leicht verletzt worden. Es werde gegen mehrere Personen wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung ermittelt.

Auslöser der Protestaktion soll die türkische Militäroffensive in Nordsyrien gewesen sein. Die Türkei rückt gegen kurdische Truppen im Nordwesten Syriens vor. Die "Operation Olivenzweig" zielt auf die mit den USA verbündeten kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG). Dabei setzen die türkischen Streitkräfte offensichtlich auch deutsche Kampfpanzer ein.

In der Innenstadt von Hannover kam es am Montagabend ebenfalls zu einer Demonstration, die aber zunächst friedlich verlief. Auch in anderen deutschen Städten gab es Vorfälle. Bereits in der Nacht zum Sonntag hatten Unbekannte eine türkische Moschee in Kassel beschmiert und mit Farbe beworfen. Ein Sprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen vermutete einen Bezug zu den aktuellen Geschehnisse in Nordsyrien.

In Minden in Nordrhein-Westfalen warfen Unbekannte mehrere Fenster am Sitz des türkisch-islamischen Moscheeverbands Ditib ein und besprühten die Wände mit Farbe. Einen Farbanschlag gab es ebenfalls auf die türkische Ditib-Moschee in Leipzig. Auch in diesen Fällen geht die Polizei von politisch motivierten Anschlägen aus.

Ditib ist die größte islamische Dachorganisation Deutschlands. Sie ist in Deutschland wegen ihrer Nähe zur türkischen Regierung unter Druck und wird von Kritikern als verlängerter Arm von Präsident Recep Tayyip Erdogan angesehen.

(wer)