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Mann mit Vision, Herz und Taten

António Guterres im November vergangenen Jahres bei einer Preisverleihung in Düsseldorf. Foto: Monika Skolimowska
António Guterres im November vergangenen Jahres bei einer Preisverleihung in Düsseldorf. Foto: Monika Skolimowska
A uf Portugiesisch, Englisch, Französisch und Spanisch bedankte sich António Guterres für seine Nominierung zum nächsten UN-Generalsekretär – und demonstrierte damit auch gleich eindrucksvoll eine seiner herausragenden Qualifikationen. Der Portugiese gilt als sprach- und weltgewandt, als effizienter Anpacker, der in wechselnden Sprachen Klartext sprechen kann. dpa/roe

Mit "Demut und Dankbarkeit" habe er seine Nominierung zur Kenntnis genommen, sagt Guterres in Lissabon. Zuvor hatten sich die 15 Mitglieder des UN-Sicherheitsrats überraschend schnell und überraschend friedlich auf Guterres als Favoriten geeinigt. Bei einer Sitzung in New York nominierten sie den früheren portugiesischen Ministerpräsidenten und UN-Flüchtlingskommissar offiziell zum Nachfolger des derzeitigen UN-Generalsekretärs Ban Ki Moon, dessen zweite Amtszeit Ende des Jahres ausläuft. Die Vollversammlung muss die Personalie noch abnicken, das gilt aber als sicher. "Am Ende gab es einen Kandidaten, dessen Erfahrung, Vision und Vielseitigkeit auf einer Reihe von Feldern überzeugend waren, und das Ganze war erstaunlich friedfertig und unumstritten", sagt US-Botschafterin Power.

Guterres hatte sich in den Probeabstimmungen von Anfang an als Favorit herauskristallisiert. Und das, obwohl der frühere Chef des UN-Flüchtlingshilfswerks und ehemalige portugiesische Ministerpräsident nicht aus Osteuropa stammt - wie es nach den ungeschriebenen Verteilungsprinzipien der UN eigentlich vorgesehen gewesen wäre - und keine Frau ist, wie viele gefordert hatten.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bezeichnete ihn als "guten Freund, einen Mann mit Vision, Herz und Taten". Wenn schon kein Signal in Sachen Gleichberechtigung, dann kann Guterres' Kür vielleicht zumindest auf einem anderem Gebiet als Symbol verstanden werden: der Flüchtlingskrise. Von 2005 bis 2015 war Guterres UN-Flüchtlingskommissar und bekam für seine Arbeit viel Lob.

Anders als der äußerst diplomatische und arg zurückhaltende Südkoreaner Ban ist zu hoffen, dass Guterres in den drängendsten Konflikten der Welt die Ärmel entschiedener hochkrempelt und seine Gegenüber auch rhetorisch härter anpackt.