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| 11:19 Uhr

Winter-Wetter
Leipzigs Hauptbahnhof dicht und minus 42-Windchill-Grad auf dem Brocken

Autos auf der Bundesstraße 242 zwischen Torfhaus und Braunlage im Oberharz.
Autos auf der Bundesstraße 242 zwischen Torfhaus und Braunlage im Oberharz. FOTO: Swen Pförtner / dpa
Leipzig/ Wernigerode/Goslar/Cottbus. Der Leipziger Hauptbahnhof ist am Samstag dicht und die Besucher der Buchmesse haben dadurch Anreiseprobleme. Auf dem Brocken liegt der „Windchill-Effekt“ bei sagenhaften minus 42 Grad. Zudem gibt es im Harz 20 bis 30 Zentimeter Neuschnee, Schneeverwehungen und viele Unfälle. In der Lausitz verweist die Polizei auf erfreulich wenig Glätte-Unfälle und die Landwirte blicken optimistisch auf den Frühlingsanfang am 21. März. Von fh/dpa

Starker Schneefall hat den Zugverkehr am Leipziger Hauptbahnhof am Samstag komplett lahmgelegt. Die Sperrung des Bahnhofs betreffe sowohl den Fern-, als auch der Nahverkehr, teilte die Deutsche Bahn am Morgen mit. Der Fernverkehr werde umgeleitet, die S-Bahnen führen so nah wie möglich an Leipzig heran.

Aufgrund der Kälte seien vor dem Bahnhof die Weichen ohne Weichenheizung eingefroren. Seit 3 Uhr am Samstagmorgen seien Räumkommandos im Einsatz, die Schneeverwehungen entfernten. Außerdem würden die Weichen repariert. „Solange es nicht aufhört zu schneien, ist die Arbeit ein Fass ohne Boden “ sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn. Die DB versuche Ersatzbusse zur Verfügung zu stellen, könne aber nicht garantieren, dass die in Leipzig ankommen, da die Lage auf den Straßen bisher unklar sei.

Die Leipziger Buchmesse ist trotz Schneefalls und Verkehrschaos mit Besucherandrang in die zweite Halbzeit gestartet. Zur Halbzeit hatte die Messe an den ersten beiden Tagen rund 81 000 Besucher gezählt. Bis zum Sonntag werden rund 300 000 Besucher erwartet.

Auf dem 1141 Meter hohen Brocken im Harz ist derzeit eisig und ungemütlich. Die gefühlte Temperatur liegen wegen des „Windchill-Effekts“ bei minus 42 Grad Celsius, sagte ein Mitarbeiter der dortigen Wetterwarte am Samstag. „Tatsächlich zeigt das Thermometer minus 14 Grad“, so der Wetterbeobachter. Der „Windchill-Effekt“ ist der Unterschied zwischen der gemessenen Lufttemperatur und der gefühlten Temperatur in Abhängigkeit vom Wind.

Und der puste gerade mit Spitzengeschwindigkeiten von 108 Stundenkilometer ordentlich über das Bergplateau. „Grundsätzlich beruhigt sich das Wetter über den Tag, aber der Wind bleibt auf diesem Niveau.“ Der Brockenverkehr der Harzer Schmalspurbahnen sei derzeit nicht eingeschränkt, hieß es von der Fahrplanauskunft.

Im Harz habe es nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den vergangenen Stunden zwischen 20 und 30 Zentimeter Neuschnee gegeben. Auf dem Brocken sei die Decke wieder auf 1,30 Meter angewachsen. Laut Harzer Tourismusverband lohne ein Ausflug ins Mittelgebirge. Es seien 13 von 51 Pisten geöffnet und fünf Rodelbahnen präpariert. Für einen gemütlichen Winterspaziergang seien 210 von 319 Kilometer Wanderwege vorbereitet.

Vorsicht sei aber geboten: Der DWD warnt vor starken Schneeverwehungen im Harz. Viel Neuschnee und Glätte haben vor allem im Harz zu Unfällen mit Blechschäden und Verletzten geführt. Nach Angaben der Polizei in Halberstadt habe es von Freitagmittag bis Samstagmorgen 43 Unfälle auf den Straßen des Mittelgebirges gegeben, mindestens 25 seien auf die Witterungsverhältnisse zurückzuführen. Sechs Menschen wurden verletzt, sagte ein Sprecher am Samstag.

Für Behinderungen und teilweise Straßensperrungen hätten am Abend und in der Nacht immer wieder liegengebliebene Lkw gesorgt. „Viele wissen, dass sie bei dem Wetter die Straßen nicht hochkommen, aber sie probieren es trotzdem“, so der Sprecher. Das sei ärgerlich.

Für den Oberharz und den Landkreis Mansfeld-Südharz gab der Deutsche Wetterdienst am Samstag eine Unwetterwarnung wegen starker Schneeverwehungen heraus. Auch Glätte bleibe ein Thema, hieß es.

Im Bereich der Polizeidirektion Süd in Brandenburg verweist die Polizei auf Nachfrage auf eine erfreulich niedrige Zahl von witterungsbedingten Unfällen zwischen Freitag und Samstag.

Die Menschen in Deutschland müssen sich in den nächsten Tagen auf winterliche Temperaturen einstellen. Wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Samstag in Offenbach mitteilte, ist der Spätwinter zäh und weicht nur langsam. Am Sonntag schickt ein Tief über der Adria Wolkenpakete mit Schnee von Süden her ins Land. Im Norden und in Rheinnähe steigt die Temperatur auf 0 bis 3 Grad, sonst herrscht meist leichter, im Bergland auch mäßiger Dauerfrost bis minus 7 Grad. Nachts sinken die Temperaturen in den teils strengen Frostbereich ab.

Ab Montag strömt wärmere Luft aus Norden und Nordwesten ins Land und es ist nicht mehr ganz so kalt. Tagsüber können die Temperaturen zunächst im Norden, dann auch im Westen über den Gefrierpunkt steigen. Dabei kann es regnen und schneien. Am Dienstag liegen die Höchstwerte zwischen minus ein Grad an den Alpen sowie im höheren Bergland und 8 Grad im Emsland. Bis zum Ende der Woche soll es stetig milder werden. Am Wochenende könnten nach Angaben des DWD Höchstwerte um zehn Grad möglich sein.

Bauern und Gärtner in Brandenburg erhoffen sich mit Blick auf das beginnende Frühjahr keine allzu großen Temperaturschwankungen. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur anlässlich des Frühlingsanfangs am 21. März. „Das Frühjahr sollte feucht, mäßig warm und sonnig verlaufen“, sagte Landesbauernverbandssprecher Tino Erstling. Ein plötzlicher Kälteeinbruch nach anfänglich milden Temperaturen wie im vergangenen April würde viele Sparten der Landwirtschaft erneut vor große Probleme stellen.

Der Februarfrost habe den Ackerkulturen bisher wenig anhaben können, sagte der Verbandssprecher. Optimistisch mache die Bauern auch der Verlauf des zurückliegenden Winters mit mäßigen Temperaturen. Bereits im Februar habe die Saison für die Landwirte mit der Düngung von Winterkulturen wie Raps oder Getreide begonnen. „Die Erfahrungen aus 2017 haben aber auch einige Landwirte dazu bewogen, kälteresistentere Kulturen in den Boden zu bringen“, erklärte Erstling.

Bei den Gartenbaubetrieben im Land ist die Frühjahrssaison mit dem Verkauf von Violen, Hornveilchen, Primeln und Bellis bereits seit Wochen eingeleitet.