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| 08:46 Uhr

UPDATE 45-Jähriger lässt Frau und zwei Kinder zurück
Lausitzer in München erschossen – Spekulationen zum Tatmotiv

 Bestatter bringen am Donnerstagnachmittag die Leichen von der Baustelle, auf der die Schüsse gefallen sind.
Bestatter bringen am Donnerstagnachmittag die Leichen von der Baustelle, auf der die Schüsse gefallen sind. FOTO: dpa / Sven Hoppe
München. Mit einem Großeinsatz hat die Münchener Polizei am Donnerstag auf eine Schießerei reagiert, die sich auf einer Baustelle ereignet hatte. Nun kommt raus: Einer der Toten ist ein Lausitzer. Was ist passiert

 Auf einer Baustelle, auf der früher ein Gefängnis stand, fallen Schüsse. Die Münchener Polizei zieht aus dem ganzen Stadtgebiet ihre Einsatzkräfte zusammen. Zwischen Containern macht sie eine schaurige Entdeckung.

Ein 29-Jähriger hat auf einer Münchner Baustelle einen 45 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Görlitz und sich selbst erschossen. Einsatzkräfte fanden am Donnerstagmorgen auf dem Gelände einer ehemaligen Justizvollzugsanstalt zwischen Baucontainern die beiden Leichen. Ermittler stellten vor Ort eine Pistole sicher. Zum genauen Tatablauf und möglichen Motiven machte eine Polizeisprecherin zunächst keine Angaben. Der Schütze war nach Polizeiangaben ein Deutsch-Kroate aus Augsburg.

 Polizisten stehen an einer Einsatzstelle im Münchner Stadtteil Au. Schüsse haben zwei Männer auf einer Baustelle in München getötet.
Polizisten stehen an einer Einsatzstelle im Münchner Stadtteil Au. Schüsse haben zwei Männer auf einer Baustelle in München getötet. FOTO: dpa / Sven Hoppe

150 Polizisten im Einsatz

Gegen 8.50 Uhr waren bei der Polizei die ersten Notrufe eingegangen. Mit Dutzenden Streifenwagen rückten mehr als 150 Beamte zur Baustelle im Stadtteil Au unweit der Isar an. Auch schwerbewaffnete Spezialeinsatzkräfte sicherten den Einsatzort ab.

Zufahrtsstraßen und eine Brücke über den Fluss wurden für Fußgänger und Autofahrer gesperrt. Die Münchner Verkehrsgesellschaft stellte zeitweise den Tram- und Busbetrieb in der Gegend ein. Die Ermittler konnten schnell für die Bevölkerung Entwarnung geben. Das nahe gelegene Landratsamt schloss vorübergehend, öffnete aber kurze Zeit später wieder. In der Nähe des Tatorts befinden sich unter anderem auch Schulen und Kindergärten. Die Straßen und auch die in der Nähe fahrenden Straßenbahnen wurden für gut eine Stunde gesperrt.

Lausitzer war als Polier auf der Baustelle

Die Münchener „TZ“ berichtet am Freitag von ersten Details zum Vorfall auf der Baustelle. Demnach soll es sich bei dem Schützen um einen Architekten mit deutscher und kroatischer Staatsangehörigkeit handeln. Zwischen ihm und dem 45-jährigen Polier aus Görlitz kam es den Angaben zufolge zu einem emotionalen und lauten Streit. Dann fielen die Schüsse. Der 29-Jährige feuerte zunächst auf den Polier und erschoss sich dann selbst. Worum es in dem Streit ging, ist noch unklar

Lausitzer hinterlässt Frau und zwei Kinder

Die Münchener „TZ“ zitiert in ihrer Berichterstattung auch den Projektleiter der Baustelle. Das Opfer hinterlasse demnach eine Familie mit zwei Kindern. „Wir werden schauen, ob wir die Familie irgendwie unterstützen können“, wird der Projektleiter zitiert.

Persönliche Probleme?: Über Tatmotive wird spekuliert

Nach „TZ“-Informationen von Freitagabend soll der Deutschkroate kurz vor der Tat von seiner Kündigung erfahren haben, was die Polizei aber weder bestätigen noch dementieren konnte. Wie „TZ“ weiter berichtete, gibt es nach Aussagen eines Sprechers, aber keine Erkenntnisse darüber, dass der Bauleiter akute, konkrete Probleme mit dem zweifachen Familienvater aus einem Ort bei Görlitz gehabt hat.

Was die Frage aufwirft, ob das Opfer möglicherweise zur falschen Zeit am falschen Ort war. Ein Angestellter der Firma, die am Neubau des Luxusquartiers beteiligt sind, erzählte laut „TZ“, dass in der Branche alle mit Druck umgehen können müssten. Auch privat soll der 29-Jährige Probleme gehabt zu haben und von der Mutter seiner beiden Kinder getrennt gelebt haben, hieß es in dem Bericht weiter. Auch in der Wohnung, die von der Polizei durchsucht wurde, seien keine Hinweise auf die Tat gefunden worden. Auch die Befragung von rund 30 Zeugen und Angehörige der Männer sollen nach „TZ“ Angaben keine Hinweise auf ein eindeutiges Motiv gebracht haben..

Keine Gefahr für Anwohner

Ein Polizeisprecher betonte, dass für die Bevölkerung keine Gefahr bestanden habe. Am Morgen waren in dem Stadtviertel viele Menschen auf dem Weg in die Arbeit und saßen in Cafés.

Auf der Baustelle entstehen derzeit teure Eigentumswohnungen. Bis vor einigen Jahren war in dem Gebäude ein Frauen- und Jugendgefängnis untergebracht. Jahrelang hatte es um die Nachnutzung einen Streit in der Landeshauptstadt gegeben. (mit dpa)

(bob)