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| 15:45 Uhr

Doppelmord-Prozess
Söhne fanden getöteten Vater

Cottbus. Erste Zeugen im Cottbuser Prozess um Mord an Finsterwalder Rentner und Dealer in Berlin Von Wendler

Wäre der Finsterwalder Rentner nicht ein Mensch mit zahlreichen sozialen Kontakten gewesen, es hätte nochTage dauern können, bis seine Leiche entdeckt worden wäre. So aber merkten Anfang Februar Verwandte und Freunde des 65-Jährigen schnell, dass der Ruheständler nicht mehr zu sehen und zu erreichen war. Zwei Söhne ließen durch einen Schlüsseldienst die Wohnung ihres Vaters öffnen und fanden seine Leiche.

Das berichteten die beiden am Mittwoch als erste Zeugen im Prozess gegen Romans S. vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichtes Cottbus. Der 36-Jährige ist laut Anklage nicht nur für den gewaltsamen Tod des Finsterwalder Rentners verantwortlich. Eine Woche nach der Tat in der Lausitz soll er in Berlin einen syrischen Drogendealer erstochen haben, um ihn auszurauben. Eine Woche später wurde er in Berlin bei einem Ladendiebstahl festgenommen.

Der Lette hatte zu Prozessbeginn gestanden, auf den Finsterwalder eingeschlagen, seinen Tod jedoch nicht gewollt zu haben. Den Raubmord in Berlin bestreitet er. Die beiden Söhne des getöteten Rentners sind im Prozess Nebenkläger.

Die Aussage von einem der beiden macht eine besonders tragische Seite dieses Verbrechens deutlich. Der gelernte Koch schildert vor Gericht, dass sein Vater sich wenige Monate vor seinem Tod über das Erreichen des Rentenalters gefreut habe und noch mal regelrecht aufgeblüht sei. Auch habe er ihm damals von einer neuen Frau in seinem Leben erzählt.

Bei dieser Frau handelte es sich um die Mutter der Lebensgefährtin des Angeklagten. Um mit ihr in Lettland per Video-Telefon in Kontakt zu sein habe sich der Vater ein Smartphon und ein Tablet angeschafft, so der Sohn als Zeuge vor Gericht. Für ihre Tochter sei sein Vater auch eine wichtige Bezugsperson gewesen, nachdem diese sich im Spätherbst 2016 von dem angeklagten Romans S. getrennt hatte.

Die junge Frau hatte vor eineinhalb Jahren in einer Gaststätte in Lauchhammer gearbeitet, in der auch der Finsterwalder Rentner gelegentlich aushalf. Die beiden freundeten sich an. Als der Rentner dann die Mutter der jungen Frau bei einem Besuch kennenlernte, wurden die beiden ein Paar.

Durch diese Verbindung lernte auch der angeklagte Romans S. sein mutmaßliches späteres Opfer kennen.Von dem habe der Vater jedoch nie etwas erzählt, so einer seiner Söhne vor Gericht: „Ich glaube, der hat den nicht gemocht.“

Zur Situation in der Wohnung beim Fund des toten Vaters können die beiden Söhne nur wenig sagen. Schon als die Wohnungstür einen Spalt offenstand, sei eine Blutlache zusehen gewesen. Er habe dann sofort die Polizei angerufen, erzählt einer der beiden. Nur auf ausdrückliche Bitte der Beamtin am Notruftelefon sei er dann bis ins Wohnzimmer gegangen, um zu schauen, ob sein Vater noch lebe.

Der habe jedoch bäuchlings, tot auf der Erde gelegen, den Kopf zur Seite gedreht. „Der wurde einfach abgeschlachtet“, beschreibt er das Empfinden dieses Augenblicks. Laut Anklage wurden dem Rentner 25 Schläge mit einem harten Gegenstand auf Kopf und Gesicht beigebracht.

Die ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten und deren Mutter, werden kurz vor Weihnachten aus Lettland anreisen, um als Zeuginnen auszusagen. Vorher sollen jedoch schon die rechtsmedizinischen Gutachten über die Obduktionen der beiden Opfer vorgetragen werden.