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| 02:42 Uhr

"La La Land", äh: "Moonlight"

Nach einer versehentlich falschen Bekanntgabe des besten Films durch Schauspieler Warren Beatty (r.) zeigt Jordan Horowitz (l.), Produzent des Films "La La Land", den Umschlag mit dem wirklichen Gewinner des Awards für den besten Film "Moonlight".
Nach einer versehentlich falschen Bekanntgabe des besten Films durch Schauspieler Warren Beatty (r.) zeigt Jordan Horowitz (l.), Produzent des Films "La La Land", den Umschlag mit dem wirklichen Gewinner des Awards für den besten Film "Moonlight". FOTO: dpa
Hollywood. So etwas hat es bei den Oscars noch nie gegeben: Das Team des Musicals "La La Land" steht in Hollywood bereits jubelnd auf der Bühne und feiert seinen Oscar für den besten Film. Doch dann bricht der Jubel jäh ab – denn nicht "La La Land", sondern das Schwarzen-Drama "Moonlight" hat den wichtigsten Preis des Abends gewonnen. Aliki Nassoufis

Schuld an dem Durcheinander ist eine Riesenpanne mit verwechselten Umschlägen, in denen die Karten mit den Gewinnern stecken. Die Hollywood-Legenden Warren Beatty und Faye Dunaway hatten den falschen Umschlag in den Händen und verkündeten daher zunächst auch den falschen Gewinner. Damit wird diese Oscar-Gala nicht - wie erwartet - mit Kritik an US-Präsident Donald Trump in Erinnerung bleiben, sondern mit dem Chaos der letzten Showminuten.

Er habe sich gewundert, dass auf dem Zettel "Emma Stone" und "La La Land" gestanden habe, sagte ein sichtlich geknickter Beatty (79) kurz nach der Panne. Deswegen zögerte er auf der Bühne wohl auch einige Momente, einen Gewinner zu verkünden. Die neben ihm stehende Dunaway (76) hingegen las dann einfach den Filmtitel ab: "La La Land". Offenbar hielten die Beiden aber noch den Umschlag der vorausgegangenen Kategorie in den Händen, bei der Emma Stone als beste Hauptdarstellerin gewonnen hatte.

Es ist durchaus eine kleine Sensation, dass "Moonlight" am Ende in der Königskategorie über "La La Land" triumphierte. Das Musical war zwar mit 14 Nominierungen als großer Favorit ins Rennen gegangen und wurde dann mit sechs Oscars ausgezeichnet - darunter auch Filmemacher Damien Chazelle für die beste Regie.

Während "La La Land" aber ein charmantes, nostalgisches Werk mit einem gewissen Hang zur Realitätsflucht ist, kommt "Moonlight" deutlich realistischer und sozialkritischer daher. Das Werk des schwarzen Regisseurs Barry Jenkins erzählt vom Heranwachsen eines jungen schwulen Schwarzen in prekären Verhältnissen in Miami. Basierend auf wahren Erlebnissen spiegelt das Drama die sozialen Missstände in benachteiligten Vierteln von US-Städten.

Die Oscars waren in diesem Jahr damit so schwarz wie selten zuvor: Auch die Preise für die besten Nebendarsteller gingen an Afroamerikaner (Viola Davis für "Fences" und Mahershala Ali für "Moonlight"), ebenso die Trophäe für das beste adaptierte Drehbuch ("Moonlight"). Das ist ein wichtiges Signal aus Hollywood. Gerade auch, weil die Oscars im vergangenen Jahr so heftig kritisiert worden waren, nachdem in den vier begehrten Schauspielerkategorien keine Schwarzen nominiert worden waren.

Möglicherweise können die Preise dieses Jahres nun auch als Zeichen in Richtung Washington gewertet werden. Immerhin war es die erste Oscar-Show in der Ära Trump. Der große Schlag gegen dessen Politik blieb aber aus. Anders als bei den Golden Globes, wo Schauspielerin Meryl Streep im Januar klare Worte gegen Trump gefunden hatte, gab es bei den Oscars nur Hiebe und Spitzen gegen den Präsidenten - die hatten es teilweise jedoch durchaus in sich. Moderator Jimmy Kimmel etwa witzelte, die Oscars hätten keine Toleranz für "fake news", nur für "fake tans", also künstliche Bräune. Außerdem bedankte er sich bei Trump: "Erinnert ihr euch noch an letztes Jahr, als alle meinten, die Oscars seien rassistisch?" Zwischen den Zeilen meinte er wohl: Gegen Trump waren selbst die vorigen Oscars harmlos.

Politisch wurde es auch bei der Verleihung des Auslands-Oscars. Der Iraner Asghar Farhadi, der aus Protest gegen Trumps Einreisestopp nicht nach Hollywood gekommen war, gewann mit seinem Drama "The Salesman" den Preis und stach damit den deutschen Beitrag "Toni Erdmann" von Maren Ade aus. Farhadi, der 2012 für "Nader und Simin" bereits einen Oscar gewonnen hatte, ließ eine Erklärung verlesen. Darin hieß es: "Wer die Welt in Kategorien von ,Wir' und ,unsere Feinde' einteilt, schafft Angst." Filmemacher könnten Stereotype über verschiedene Nationalitäten und Religionen aufbrechen. "Sie erzeugen Empathie zwischen uns und anderen. Eine Empathie, die wir heute mehr brauchen denn je."