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| 14:41 Uhr

Unglück
Kreuzfahrtschiff rammt Rheinbrücke

Das  beschädigte Passagierschiff liegt am 26. Dezember in Duisburg  an der A42 Rheinbrücke.
Das beschädigte Passagierschiff liegt am 26. Dezember in Duisburg an der A42 Rheinbrücke. FOTO: Arnulf Stoffel / dpa
Duisburg. Mehr als zwei Dutzend Menschen an Bord werden verletzt, der Kapitän erleidet einen Schock. dpa

Ein Kreuzfahrtschiff hat den Pfeiler einer Autobahnbrücke über den Rhein bei Duisburg gerammt. Mehr als zwei Dutzend Menschen an Bord wurden verletzt, die Brücke stundenlang gesperrt. Auch der Kapitän der „Swiss Crystal“ trug bei der Havarie am Dienstagabend nach Polizeiangaben Verletzungen davon. An Bord waren 129 Menschen, wie eine Sprecherin der Schweizer Reederei Scylla der dpa mitteilte. Sie stammten vor allem aus den Niederlanden.

Fast alle Passagiere seien wieder zu Hause, hieß es. Die Sperrung der Brücke Baerl der Autobahn 42 wurde am Mittwochvormittag wieder aufgehoben, wie der Landesbaubetrieb Straßen.NRW mitteilte. Zuvor hatten Statiker den Zustand des viel befahrenen Bauwerks überprüft.

Ersten Ermittlungen der Polizei zufolge war die „Swiss Crystal“ stromabwärts in einer langgezogenen Rechtskurve des Rheins gegen den Brückenpfeiler am linken Ufer geprallt. Normalerweise steht der Pfeiler bei Niedrigwasser an Land, am Dienstagabend allerdings wegen des erhöhten Pegels von 5,68 Metern im Wasser.

Das Schiff befand sich auf den letzten Kilometern eines am 22. Dezember begonnenen Törns mit Start und Ziel in Arnheim über Mainz und Koblenz. Am Mittwoch sollte es anlegen. Bei der Kollision seien viele Passagiere infolge des heftigen Rucks gestürzt. Das Schiff, das am Bug schwer beschädigt wurde, sei mit normaler Geschwindigkeit von 25 bis 28 Kilometern pro Stunde gefahren, hieß es weiter.

Den genauen Hergang der Havarie ermitteln nun Experten der Schiffsuntersuchungskommission des Wasserstraßen- und Schifffahrts­amts (WSA). Ein Notfallteam der Reederei, die insgesamt 28 Schiffe betreibt, sowie Versicherungsexperten seien ebenfalls zum Unglücksort gereist. Der Havarist wurde für die Untersuchungen etwa einen Kilometer stromabwärts nach Duisburg Mühlenweide geschleppt.

Nach der Kollision wurde die A42 zwischen den Anschlussstellen Duisburg-Baerl und -Beeck in beiden Fahrtrichtungen gesperrt. Statiker stellten nach Auskunft von Straßen.NRW aber keine schweren Schäden an der Rheinbrücke fest. Die Bundesautobahn 42 ist einer der Hauptverkehrswege in und aus Richtung der Beneluxstaaten und wird im Jahresdurchschnitt von rund 90 000 Fahrzeugen pro Tag befahren.

Unklar war bis zum Mittwoch die genaue Zahl der Verletzten. Die Feuerwehr sprach von insgesamt 27 verletzten Menschen. Die Reederei des havarierten Schiffs nannte dagegen 30 Verletzte, davon vier Besatzungsmitglieder.

Die Schweizer Reederei Scylla geht von langen Verhandlungen mit der Versicherung wegen der Schadenshöhe aus. „Was und wie viel von der Versicherung übernommen wird, hängt von den Umständen des Unfalls ab“, sagte eine Reedereisprecherin am Mittwoch dem Online-Portal „Der Westen“. Die Klärung der Details könne sich über Monate, wenn nicht gar Jahre hinziehen.