ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:22 Uhr

Kölner Archivschätze nach Einsturz gerettet

Ein beschädigtes historisches Buch aus Pergament in der Restaurierungswerkstatt. Foto: dpa
Ein beschädigtes historisches Buch aus Pergament in der Restaurierungswerkstatt. Foto: dpa FOTO: dpa
Als vor zehn Monaten in Köln das Stadtarchiv zusammenstürzte, fürchteten Historiker das Schlimmste. Tausende wertvoller Akten und Bücher wurden unter Tonnen von Schutt begraben, viele waren zudem durch Regen und Grundwasser durchnässt. Fachleute an mehreren Orten begannen sofort damit, das Archivgut vor der Zerstörung zu bewahren. In Münster steht der Einsatz jetzt vor dem Abschluss. Keines der angelieferten Dokumente ist verloren. Von Guido Heisner

Seit März laufen die Maschinen, in denen die feuchten Dokumente getrocknet werden, rund um die Uhr. Mehr als 20 Tonnen haben die Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt des Westfälischen Archivamtes behandelt. Für das Team von Birgit Geller, der verantwortlichen Restauratorin, war der Einsatz aber beinahe Routine. "In Archiven kommt es immer wieder zu Wasserschäden", sagt Geller.Kurz nach dem Unglück waren die nassen Kölner Pergament-Bündel und Bücher in ein Kühlhaus nahe Münster gebracht worden, um sie bei minus 25 Grad zu lagern und Schimmelbildung und Verklebungen vorzubeugen.Nach und nach wurden die Akten in die Restaurierungswerkstatt geholt. Dort wurden sie in einer Gefrierschrank-ähnlichen Anlage getrocknet. "Die meisten Sachen waren innerhalb von zwei bis vier Tagen trocken, nur einige Dokumente brauchten bis zu zwei Wochen", sagt Geller. Nach der Trocknung wurden die Akten oberflächengereinigt. Seite für Seite mussten die Mitarbeiter der Werkstatt umblättern und kontrollieren.Noch aufwendiger ist die Aufgabe für die Mitarbeiter des Kölner Stadtarchivs. Nachdem die erste Hilfe für die Dokumente vorüber ist, müssen sie Ordnung ins Chaos bringen. Da die Bergungsarbeiten seinerzeit schnell über die Bühne gehen mussten, blieb keine Zeit, um das Archivgut zu sortieren. "In den Containern, die zu uns kamen, lagen die Dokumente so, wie sie geborgen wurden", sagt Geller und meint damit, dass wertvolle Handschriften aus dem Mittelalter neben, auf und unter Akten aus den 1950er-Jahren oder der napoleonischen Zeit landeten.Und dann ist da noch ein Riesenberg an Papierfetzen. Er entstand, als beim Einsturz viele Dokumente in Einzelteile zerrissen. Ähnlich wie bei den Stasi-Akten soll ein Computersystem helfen, die "Köln-Flocken" genannten Schnipsel zusammenzufügen.