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Holzkunst
Der Osterhase lässt sich hängen

Gahlenz . Lange vor Til Schweigers „Keinohrhasen“ waren Knickohrhasen  bei erzgebirgischen Spielzeugherstellern ein Renner. dpa

Der Osterhase von Welt müht sich zum Fest nicht zwangsläufig mit Eiern ab. Er lümmelt bisweilen mit einer Luftmatratze am Strand, fährt in den Bergen Ski oder chillt in einem Schaukelstuhl. Zumindest verkörpern Osterhasen in der Figurenwelt erzgebirgischer Spielzeughersteller heute nicht mehr nur den emsigen Eierboten. Die Langohren kommen eher als moderne Zeitgenossen daher und lassen auch mal alle Viere gerade sein.

Dabei setzen viele der knapp 190 Hersteller der kleinen oder ziemlich großen Figuren auf Individualität. Auch Meister Lampe soll unverwechselbar sein. Bei der Firma Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz haben Hasen beispielsweise einen Knick im Ohr. Schon lange bevor bei Til Schweiger im Kino „Keinohrhasen“ das Licht der Welt erblickten, waren Knickohrhasen hier ein Renner. Ein Löffel ist stramm nach oben gerichtet, der zweite in der Hälfte abgeknickt.

Der Gahlenzer Geschäftsführer Jochen Schumann will echte Hasen mit geknickten Ohren auf Kaninchenschauen selbst gesichtet haben: „Ich kenne das von Ausstellungen. Da sind viele Hasen dabei, die die Löffel hängen lassen.“ Die Firma habe sich in den 1990er-Jahren entschlossen, das Knickohr ins Sortiment zu übernehmen. „Ob links oder rechts, ein Knick im Ohr muss sein“, sagt der 62-Jährige.

Ob Schumann damit eine neue Spezies schuf, sei dahingestellt. Im Dresdner Zoo wird der Hase mit Knick als Fantasieprodukt klassifiziert. Tatsächlich gibt es Kaninchen mit Hängeohren. Bei den sogenannten Widderkaninchen macht das Ohr freilich schon unten und nicht erst in der Mitte schlapp. Nach Angaben des Zoologischen Direktors Wolfgang Ludwig kann das aber krankheitsbedingt durch Gewebeveränderungen, Ermüdungen oder Mangelerscheinungen auftreten.

Auf der Internet-Plattform „kochbar.de“ gibt es sogar ein Sammelsurium an Rezepten für „Hasen mit Hängeohren“. Dabei geht es meist um Falsche Hasen – ein Hackbratengericht. Schumann schwört, dass die Produkte aus dem Erzgebirge echt sind. Seit 1992 arbeitet der Verband Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller unter der Dachmarke „Echt Erzgebirge – Holzkunst mit Herz“. Osterprodukte machen allerdings nur zehn bis 15 Prozent der Gesamtproduktion aus.

Die hohe Exportquote der „Männelmacher“ – wie die für Nussknacker und Räuchermänner bekannte Branche im Volksmund gern genannt wird – sorgt dafür, dass Knickohrhasen eine weltweite Ausbreitung erleben. Auch die Erzgebirgische Holzkunst Gahlenz exportiert ein Zehntel ihrer Produkte ins Ausland, vor allem in die USA, nach Japan und in EU-Länder wie Österreich. Rein größenmäßig kennt Schumann keine Grenzen: „Wir können auch vier Meter große Hasen bauen.“

Damit die Knickohrhasen pünktlich das Osterfest schmücken können, läuft die Produktion schon frühzeitig an. „Ostern fangen wir mit Weihnachten an und Weihnachten mit Ostern“, beschreibt Schumann den produktiven Kreislauf. Selbst in den Erzeugnissen der Branche gibt es unterdessen festübergreifende Kreuzungen. Im Angebot sind zum Beispiel eine „Küken-Pyramide“ und Räucherhasen, die wie Räuchermännchen nun zum Osterfest Dampf ablassen.