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| 02:40 Uhr

Kinderwunsch führt oft ins Ausland

Die Mikroinjektion von Spermien in eine Eizelle ist ein Routinevorgang. Ob daraus eine Schwangerschaft werden kann, ist ungewiss.
Die Mikroinjektion von Spermien in eine Eizelle ist ein Routinevorgang. Ob daraus eine Schwangerschaft werden kann, ist ungewiss. FOTO: dpa
Berlin. Viele Paare sind deutlich über 30, wenn sie Nachwuchs planen. Wenn der Erfolg ausbleibt, ist die Verzweiflung groß. Eine Messe in Berlin soll helfen – mit Angeboten, die in Deutschland illegal sind. dpa/hil

Wohlgenährte rosa Wonneproppen zieren Webseite und Plakate der Messe. Ein Baby! Das ist der Herzenswunsch vieler Paare, bei denen es auf natürlichem Wege mit dem Nachwuchs nicht klappen will. Betroffene sollen sich an einem Wochenende schlaumachen können über die Möglichkeiten der Medizin - das versprechen die ersten Kinderwunschtage in Berlin. Es ist nach Veranstalterangaben die erste Publikumsmesse zu dem Thema. Doch schon im Vorfeld gibt es Kritik daran.

Denn auf der Messe Mitte Februar präsentieren sich zahlreiche ausländische Kliniken, die auch hierzulande illegale Verfahren im Portfolio haben. Eizellenspenden und Leihmutterschaft etwa. "Das ist eine Werbeveranstaltung, von der für Patienten keine sachlichen Informationen zu erwarten sind", sagt der Berliner Landesvorsitzende des Berufsverbands der Frauenärzte, Matthias Bloechle. Die Messe sei unnötig.

Dabei gibt es schon länger Anzeichen, dass sich Paare von Verboten kaum abhalten lassen, wenn sie unbedingt ein Kind wollen. Viel diskutiert wurde vor zwei Jahren etwa der Fall einer 65-jährigen Berlinerin, die dank Samen- und Eizellenspenden in der Ukraine Vierlinge zur Welt brachte und sich von Fernsehkameras begleiten ließ.

"Wir haben viele Leute aus dem Ausland, auch aus Deutschland", sagt Craig Reisser von den US-Fruchtbarkeitszentren Oregon Reproductive Medicine, die sich in Berlin präsentieren wollen. Wie viele Deutsche direkt oder vermittelt von einer deutschen Klinik zu Kinderwunschbehandlungen verreisen, wird aber nirgends erfasst. 1000 bis 3000 Paare sind es nach Schätzungen von Experten. Eine Eizellenspende im mittleren Preissegment koste in den USA etwa 45 000 Dollar, rechnet Reisser vor. Günstiger sind Kliniken in Spanien, Polen oder Tschechien.

Die Veranstalter der Kinderwunschmesse wissen um die rechtliche Problematik. Wie deren Berater, Rechtsanwalt Holger Eberlein, sagte, könnten Ärzte wegen Beihilfe belangt werden, wenn sie über verbotene Verfahren mehr als nur informieren würden. Veranstalter ist eine Firma aus Großbritannien. Sie will in einer Zeit, in der Betroffene in der Info-Flut im Internet leicht die Orientierung verlieren, mit persönlichem Kontakt punkten.

Daten aus dem sogenannten IVF-Register zeigen: Wenn Patientinnen eine künstliche Befruchtung vornehmen lassen, sind sie inzwischen im Schnitt 35,2 Jahre alt. Die besonders fruchtbare Zeit ist bei Frauen mit Mitte 30 allerdings schon um Jahre überschritten. Wenn es dann auch im Reagenzglas nicht klappt, kann es für eine Adoption im Inland zu spät sein.

Und was bleibt dann - außer aufgeben oder dem Weg ins Ausland?