| 02:43 Uhr

Keine Spur von Boeing 777-200

Fieberhafte Suche: Ein Hubschrauber landet auf einem chinesischen Rettungsschiff im Hafen von Sanya in der Provinz Hainan.
Fieberhafte Suche: Ein Hubschrauber landet auf einem chinesischen Rettungsschiff im Hafen von Sanya in der Provinz Hainan. FOTO: dpa
Kuala Lumpur. Was könnte an Bord der vermissten Boeing 777-200 passiert sein? Wie kann ein Flugzeug mit 239 Menschen an Bord im Zeitalter von Satellitenüberwachung einfach verschwinden? Christiane Oelrich

Das spurlose Verschwinden von Flug MH370 in Südostasien gibt Rätsel auf. Einen Tag nach Abbruch des Funkkontakts tappten die Ermittler am Sonntag völlig im Dunkeln. Die Maschine war zwei Stunden nach dem Start eigentlich in der sichersten Phase eines Flugs: auf der Reisehöhe von rund 10 000 Metern, Stunden nach dem Start und Stunden vor der Landung, wenn die Piloten auf Autopilot schalten.

Könnte es einen katastrophalen Ausfall der Bordinstrumente gegeben haben?
Technische Ausfälle können fatale Folgen haben. SilkAir-Flug 185 stürzte 1997 auf dem Weg von Jakarta nach Singapur auf der indonesischen Insel Sumatra ab, ohne dass die Piloten Warnzeichen gaben. 104 Menschen starben. Ein Gericht machte später ein fehlerhaftes Ventil dafür verantwortlich, dass das Seitenruder kontrollierte. Flugexperten sagen aber, bei Flug MH370 mit einer Boeing 777-200 hätten Bordcomputer automatisch Alarmsignale gegeben, die die Bodenkontrolle aufgefangen hätte.

Ist ein Pilotenfehler möglich?

Gerät ein Flugzeug in Not, müssen Piloten binnen Minuten schwierige Entscheidungen treffen. Pilotenfehler sind in einer Stresssituation möglich. Beim Air France-Flug 447, der nach dem Start in Brasilien 2009 in den Atlantik stürzte, wurden technische Probleme und Pilotenfehler festgestellt. Ein Bordsensor lieferte falsche Daten, die Piloten reagierten falsch. Doch damals übermittelten Bordcomputer vor dem Absturz Warnsignale an die Bodenkontrolle. Bei Flug MH370 wurden keine Signale aufgefangen.

Können ein Blitz oder Vogelschlag verantwortlich sein?

Nach Angaben der Meteorologen herrschte zur Zeit des Verschwindens gutes Wetter. Vogelschlag hat Flugzeugtriebwerke zwar schon außer Gefecht gesetzt - etwa 2009 bei US Airways-Flug 1549 nach dem Start in New York. Der Pilot landete die Maschine im Fluss Hudson, alle 155 Menschen überlebten. Doch in einer Reisehöhe von 10 000 Metern sei Vogelschlag eher auszuschließen, sagen Experten.

Könnte der Pilot eine Katastrophe herbeigeführt haben?

Der Pilot kontrolliert die Maschine und könnte die Maschine absichtlich in Gefahr bringen. So geschah es nach Angaben der Ermittler bei Egypt Air-Flug 990, der 1999 nach dem Start in New York in den Atlantik stürzte. 217 Menschen kamen um. US-Ermittler sind überzeugt, dass der Erste Offizier den Autopiloten abstellte und die Maschine nach unten lenkte. Aber auch hier: Die Bodenkontrolle sah vor dem Absturz den automatisch generierten Alarm ungewöhnlicher Flugmanöver.

Bleibt die Möglichkeit eines Bombenanschlags?

Wenn es in der Luft zu einem unerwarteten und katastrophalen Zwischenfall wie einer Detonation kommt, kann die Maschine so plötzlich auseinandergerissen werden, dass keine Kommunikation mehr stattfindet. PanAm-Flug 103 stürzte vor Weihnachten 1988 über dem schottischen Ort Lockerbie ab. Ermittler wiesen dem libyschen Geheimdienst später einen Anschlag mit einer Bombe nach.

Argwohn erweckten nun im aktuellen Fall Berichte, dass zwei Tickets für den Flug offenbar mit gestohlenen Pässen gekauft worden waren. Ein Italiener und ein Österreicher, die auf der Passagierliste standen, waren nicht an Bord. Beide berichteten in ihren Heimatländern, dass ihnen in den vergangenen beiden Jahren die Pässe gestohlen worden waren.