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| 02:32 Uhr

Keine Entwarnung in Oroville

Die Luftaufnahme zeigt den zerstörten Überlauf des Oroville-Staudamms in der Nähe von Oroville.
Die Luftaufnahme zeigt den zerstörten Überlauf des Oroville-Staudamms in der Nähe von Oroville. FOTO: Randy Pench/dpa
Sacramento. Eine Flutkatastrophe in Nordkalifornien ist vorerst abgewendet, doch für Zehntausende Menschen am Oroville-Stausee gibt es noch keine Entwarnung. Nach einer Massenevakuierung am Wochenende mussten die Anwohner am Montag weiter das Gebiet meiden. Barbara Munker und Juliane Rodust

Befürchtet wurde, dass die für die kommenden Tage angekündigten Stürme und Regenfälle die Abflusskanäle am Oroville-Staudamm, der größten Talsperre der USA, erneut belasten und doch einreißen lassen könnten.

Der drohende Kollaps eines beschädigten Abflusskanals hatte die Behörden am Wochenende im Alarmbereitschaft versetzt. Fast 190 000 Menschen in den umliegenden Bezirken waren aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. Für andere galt die Anweisung, im Notfall auf eine schnelle Evakuierung vorbereitet zu sein.

Am Montag ließ der Butte-Bezirk, in dem sich der Oroville-Staudamm befindet, auch sein Gefängnis räumen. Alle 578 Häftlinge wurden nach Sheriff-Angaben in eine Haftanstalt ins rund 200 Kilometer entfernte Alameda County gebracht.

Auslöser für die drohende Überschwemmungskatastrophe war der Abfluss von Wassermassen aus dem prall gefüllten Stausee über einen bisher noch nie benutzten Hochwasserüberlauf. Am Sonntag entdeckten Ingenieure Risse im Erdreich. Ein Abrutschen des Hangs hätte eine Flutwelle auslösen können. Vorsichtshalber ordneten die Behörden die Räumung mehrerer Ortschaften an. Der Wasserspiegel des Sees war am Montag so weit gefallen, dass der Notüberlauf nicht mehr benutzt werden musste. Stattdessen wurde mehr Wasser durch einen anderen Seitenkanal abgelassen, der allerdings auch beschädigt ist. Beide Anlagen sollten schnell befestigt werden, hieß es am Montag. Dazu wurden mit Steinen gefüllte Säcke per Hubschrauber abgesetzt.

Nancy Albrecht, eine Deutschlehrerin in Yuba City, erhielt am Sonntag die Nachricht von den Räumungen. Yuba liegt am Feather River, dem Fluss, dessen Wasser der Damm zum künstlichen Oroville-See staut. "Mein Mann hat einige Koffer gepackt, aber die Straßen waren alle verstopft, er blieb daher im Haus", sagte Albrecht. Sie selbst hielt sich bei Freunden außerhalb der möglichen Gefahrenzone auf.

Nach Angaben der Zeitung "Sacramento Bee" wollten die Behörden die Evakuierung so lange aufrechthalten, wie die Bedrohung andauert. "Die Bedrohung geht von dem Hilfs-Abflusskanal aus. Der Winter ist noch lange nicht vorbei", sagte der Sprecher des Sutter-Bezirks, Chuck Smith. Trotz der Evakuierungsanweisungen kehrten laut der Zeitung am Montag Anwohner in Sutters Hauptstadt Yuba zurück. Dagegen gleiche das auf der anderen Seite des Feather River gelegene Marysville einer Geisterstadt.

Nach einer jahrelangen Dürre, als die Menschen Wasser rationieren mussten, kommt es in dem Westküstenstaat derzeit vielerorts zu Überschwemmungen, Flüsse treten über die Ufer. Nach Angaben der "Washington Post" hat Nordkalifornien bereits jetzt 228 Prozent mehr Regen abbekommen als normalerweise in dieser Jahreszeit. Weiterer Regen wird ab Donnerstag erwartet. Damit würde der Wasserpegel in dem Oroville-See wieder ansteigen.