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| 02:39 Uhr

Kachelmanns Ex muss zahlen

Hat gut lachen: Jörg Kachelmann (M.) zwischen seinen Anwälten Johann Schwenn und Ann Marie Welker.
Hat gut lachen: Jörg Kachelmann (M.) zwischen seinen Anwälten Johann Schwenn und Ann Marie Welker. FOTO: dpa
Frankfurt/Main. Es ging mehr als um Geld: Im Schadenersatzprozess musste Jörg Kachelmann beweisen, dass seine Ex-Geliebte ihn bewusst falsch angezeigt hat. Das Oberlandesgericht Frankfurt gibt ihm recht. dpa/ik

Fünf Jahre nach dem Freispruch im Vergewaltigungsprozess hat Wettermoderator Jörg Kachelmann im Zivilverfahren gegen seine Ex-Geliebte einen großen Erfolg errungen. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt entschied am Mittwoch, dass Claudia D. Anfang 2010 ihren einstigen Liebhaber "vorsätzlich und wahrheitswidrig" der Vergewaltigung bezichtigt habe. Die Journalistin wurde daher rechtskräftig dazu verurteilt, Kachelmann medizinische Gutachten in Höhe von rund 7100 Euro zu erstatten.

Diese waren für seine Verteidigung angefallen, nachdem Kachelmann im März 2010 nach der Strafanzeige von Claudia D. festgenommen und in Untersuchungshaft gekommen war. Das OLG zeigte sich überzeugt, dass sich Claudia D. die Verletzungen durch die angebliche Vergewaltigung selbst zugefügt habe. Der Senat stützte sich auf das Gutachten des Frankfurter Rechtsmediziners Marcel Verhoff.

Kachelmanns Ex-Geliebte habe mit ihrer falschen Strafanzeige "rechtswidrig und schuldhaft" gehandelt, stellte das OLG in der 33 Seiten langen Urteilsbegründung weiter fest. Sie sei mit "direktem Vorsatz" und "krimineller Energie" vorgegangen. Als Motiv komme Rache in Frage, da Kachelmann auch andere Frauen hatte und die Beziehung habe beenden wollen.

Nach der Entscheidung zeigte sich Kachelmann "dankbar" für das Urteil. Es stehe nun zweifelsfrei fest, dass er wegen der falschen Beschuldigungen "Opfer eines Verbrechens" geworden sei. Nach dem Freispruch in Mannheim im Mai 2011 seien Restzweifel geblieben. Nun habe er das Vertrauen in die deutsche Justiz zurückerhalten.

Claudia D. sprach von einem "Justizskandal". Ihr vorzuwerfen, sie habe die Vergewaltigung nur erfunden, sei "ein katastrophales Fehlurteil" eines "rein männlich besetzten Senats", sagte sie in einer Erklärung, die sie verlas. Mit dem Urteil solle im "männerbündischen Täterstaat Deutschland" ein Exempel statuiert werden, da Frauen im Kampf gegen sexuelle Gewalt mutiger geworden seien. Die Richter nannte sie "armselige, feige Frauenverächter".

Zum Thema:
Oktober 2012: Kachelmann fordert in einem Zivilprozess vor dem Frankfurter Landgericht von seiner Ex-Geliebten mehr als 13 000 Euro Schadenersatz für Gutachten, mit denen er sich im Strafprozess verteidigt hat. Der Termin scheitert. Dezember 2013: Das Landgericht Frankfurt weist Kachelmanns Klage auf Schadenersatz in erster Instanz ab. Februar 2015: Ein Prozess gegen die "Bild"-Zeitung (Print und Online) beginnt vor dem Landgericht Köln. Kachelmann hat auch die Magazine "Bunte" und "Focus" verklagt. 30. September 2015: Das Landgericht Köln verurteilt "Bild" zur Zahlung einer Rekordsumme von 635 000 Euro Entschädigung. Springer kündigt Berufung an. 12. Juli 2016: Das Oberlandesgericht Köln verurteilt in zweiter Instanz die "Bild"-Zeitung zu 395 000 Euro Entschädigung an Jörg Kachelmann für die Prozessberichte gegen ihn.