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| 10:29 Uhr

Suchtgefahr
Jeder fünfte Schüler raucht Shisha

Eine junge Frau raucht in einer Shisha-Bar in Berlin Tabak der Sorte "Traube-Minze" in einer Shisha-Pfeife.
Eine junge Frau raucht in einer Shisha-Bar in Berlin Tabak der Sorte "Traube-Minze" in einer Shisha-Pfeife. FOTO: Soeren Stache / dpa
Berlin. Der Konsum von Wasserpfeifen ist bei Kindern und Jugendlichen laut einer neuen Studie weit verbreitet. Von den Schülern der Klassen fünf bis zehn hat jeder Fünfte schon einmal Tabak aus einer sogenannten Shisha geraucht. Von Rüdiger Hofmann (mit dpa)

Das geht aus einer Erhebung der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervor. Sechs Prozent konsumieren dies demnach regelmäßig, also mindestens einmal im Monat. In der Jahrgangsstufe zehn hat sogar knapp die Hälfte aller Schüler Erfahrung mit Shishas. 15 Prozent der Zehntklässler rauchen regelmäßig Shisha, häufiger tun dies Jungen als Mädchen.

Die Daten stammen aus dem DAK-Präventionsradar 2017, für den das Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in sechs Bundesländern - darunter auch in Sachsen - 7000 Schüler aus mehr als 400 Klassen befragt hat.

Unterschätzung einer Einstiegsdroge

Ab Jahrgangsstufe sieben verfünffacht sich der Shisha-Konsum demnach innerhalb von drei Schuljahren. Während in Klasse sieben erst zwei Prozent der Schüler mindestens einmal im Monat eine Shisha rauchen, sind es in Klasse neun schon zehn Prozent. Die Kasse sieht einen Grund für den verbreiteten Konsum darin, dass süß-fruchtige Aromastoffe, die dem Tabak beigemengt sind, Shishas harmlos wirken ließen. Weil der inhalierte Tabak bei einer Shisha nicht bitter schmeckt, kann eine Wasserpfeife als sogenannte Einstiegsdroge dienen. Zudem riecht der Tabakrauch einer Shisha im Gegensatz zum Rauch einer Zigarette angenehm süßlich. Gesundheitliche Risiken einer Shisha werden durch den Geschmack und den Geruch somit weitestgehend unterschätzt. „Wasserpfeifen sind eine gefährliche Versuchung für Jugendliche“, sagt der Chef der DAK-Gesundheit, Andreas Storm.

Vergleich Wasserpfeife - Zigarette

Möchte man vergleichen, wie viele Zigaretten dem Rauchen einer Wasserpfeife entsprechen, sind zwei Methoden heranzuziehen: Die eine Methode misst das Rauchvolumen, die andere die Cotininmenge im Urin. Nikotin wird im Körper verstoffwechselt, wodurch Cotinin entsteht. Dieses wird dann über den Urin ausgeschieden. Raucht man eine Wasserpfeife pro Tag, entspricht der Cotiningehalt im Urin dem Konsum von zehn Zigaretten am Tag. Raucht man Shisha nur gelegentlich etwa alle vier Tage, ist das mit dem Konsum von zwei Zigaretten täglich zu vergleichen.

Laut Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung sei es ein Irrtum, dass das vorhandene Wasser der Wasserpfeife den Tabak filtert und sozusagen säubert. „Auch wenn der Rauch einer Shisha nicht wie bei einer Zigarette direkt inhaliert wird, gelangt doch eine erhöhte Menge Nikotin ins Blut“, geht aus dem Bericht hervor. Nicht zu vergessen sei, dass gerade beim Shisha rauchen oft tiefer und intensiver inhaliert werde als beim Zug einer Zigarette.

Was eine mögliche Sucht anbelangt, so ist der Auslöser beim Rauchen das Nikotin. Das ist auch bei einer Wasserpfeife vorhanden. Ob bei Zigaretten die Gefahr deutlich höher ist, suchtkrank zu werden als beim Shisha rauchen oder umgekehrt, ist allerdings noch nicht ausreichend belegt.

Zur Studie

Die Krankenkasse führte die Schulstudie mit dem Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung in sechs Bundesländern durch (Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg). Knapp 7000 Schüler aus mehr als 400 Klassen der Jahrgangsstufen fünf bis zehn wurden repräsentativ befragt. Der Präventionsradar untersucht jährlich das körperliche und psychische Wohlbefinden sowie das Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 18 Jahren.