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Jeden Tag eine gute Tat

Sie zelten bei Wind und Wetter in der freien Natur, wollen jeden Tag eine gute Tat vollbringen und zählen auf die Gemeinschaft. Die Rede ist von den Pfadfindern. Mehr als 28 Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene in 216 Ländern gehören heute der weltweit größten internationalen Jugendbewegung an. Und die gibt es nun schon seit 100 Jahren. Von Alexander Lang

Leonard ist ein „Pfadi“ mit Leib und Seele. „Pfadfinder sein macht einfach Spaß“ , sagt der Elfjährige aus dem badischen Bruchsal. „Vor allem die Spiele und die Lieder am Lagerfeuer.“ Seit einigen Jahren ist der Junge stolzes Mitglied der Jugendbewegung, die der ehemalige englische General Sir Robert Baden-Powell (1857-1941) vor 100 Jahren gründete. Als Geburtsstunde gilt der 1. August 1907, als das erste Pfadfinder-Camp auf der britischen Kanalinsel Brownsea Island mit einem Lagerfeuer eröffnet wurde.
Bis heute halten Pfadfinder in aller Welt das Andenken an „B.P.“ , wie sie ihren Gründervater liebevoll nennen, in Ehren. Baden-Powell hatte die ungemein erfolgreiche Idee, Aktivitäten in der freien Natur, internationale Begegnungen sowie gemeinnütziges und friedensethisches Engagement im „Scouting“ zu vereinen. In Deutschland entstanden 1909 die ersten Pfadfindergruppen.
Das Vermächtnis Baden-Powells, die Welt ein bisschen besser zurückzulassen, als man sie vorgefunden hat, habe für viele junge Menschen nichts von ihrem Reiz verloren, sagt Kira Nierobisch vom evangelischen Verband Christlicher Pfadfinder und Pfadfinderinnen (VCP). „Gemeinsam etwas tun“ hätten viele als Grund genannt, sich bei den Pfadfindern zu engagieren. Zwar seien Internetcafés auf großen Zeltlagern oder die eigene Internet-Seite für viele Pfadfindergruppen heute selbstverständlich. Wichtig bleibe aber die pfadfinderische Methode, sagt Nierobisch, die Bildungsreferentin beim VCP-Landesverband Rheinland-Pfalz/Saar ist. „Ruder dein Kanu selbst“ habe Baden-Powell seinen Anhängern zugerufen. Sie sollten Eigenverantwortung übernehmen und sich in die Gesellschaft einbringen.
„Jeden Tag eine gute Tat“ , lautet das mitunter belächelte Motto der Pfadfinder. „Viele Leute denken noch immer, wir sind etwas seltsame und naive Umweltfreaks, die mit dem Rucksack durch den Wald laufen“ , sagt Diane Tempel-Bornett. Noch immer habe die Gemeinschaft der Jugendlichen mit Hemd und Halstuch ein Imageproblem, weiß die Sprecherin der Bundeszentrale des VCP in Kassel zu berichten.
„Wir haben leicht steigende Mitgliederzahlen, problematisch ist es nur, Jugendliche als Gruppenleiter zu gewinnen“ , sagt Tempel-Bornett. Bundesweit gibt es 217 Pfadfinderverbände. Den größten Zulauf haben die konfessionellen Verbände VCP, die katholische Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) sowie der nichtkonfessionelle Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP). Als einzige deutsche Verbände sind sie vom Weltpfadfinderverband anerkannt.
Zwar können Pfadfinder nicht die Welt als ganzes verändern, wohl aber in ihrem Umfeld die Lebensumstände verbessern helfen. Dabei komme es manchmal wirklich darauf an, „der Oma über die Straße zu helfen“ , zitiert Tempel-Bornett das berühmte Pfadfinder-Klischee. Für Kinder und Jugendliche sei es wichtig zu erkennen, dass man mit ehrenamtlichem Einsatz etwas erreichen und „positive Spuren in der Welt hinterlassen“ könne.