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| 02:32 Uhr

"In die Natur hineinfühlen”

Der 54-jährige Niedersachse Andreas Töpfer gewinnt zum dritten Mal die Hirschruf-Meisterschaft.
Der 54-jährige Niedersachse Andreas Töpfer gewinnt zum dritten Mal die Hirschruf-Meisterschaft. FOTO: dpa
Dortmund. Bei der deutschen Hirschruf-Meisterschaft behauptet sich ein erfahrener Platzhirsch. Aber auch der Nachwuchs röhrt erfolgreich. Luisa Houben

"Das Anspruchsvolle ist, der Natur zuzuhören und sich in sie hineinzufühlen" - misslinge der Versuch, einen Hirschruf nachzuahmen, merke das Tier es sofort. Moderator Heiko Hornung sagt, worauf es ankommt, wenn man ein sehr guter Hirschrufer sein will. Oder gar Deutscher Meister.

Es ist schon das dritte Mal, dass sich Andreas Töpfer als bester Hirschrufer beweisen kann. Der 54-jährige Niedersachse bekommt in Dortmund die meisten Punkte für seine Imitation. 16 Teilnehmer hatten sich in drei Disziplinen gemessen. Mit Instrumenten aus Tritonschneckengehäusen, Rinderhorn oder Holzröhren röhrten sie wie ein alter Hirsch, wie ein suchender Hirsch oder ein Platzhirsch beim Kahlwildrudel.

Nicht alle Teilnehmer können die Jury mit ihren Rufen überzeugen, sie klingen zu zaghaft oder halten die Stimmlage nicht. Das Handwerk lernen könne aber jeder, sagt der erstplatzierte Töpfer und hat einen Tipp für Anfänger. "Es ist wichtig, dass der Ton aus dem Bauch kommt". Als Einsteigerinstrument empfiehlt er eine leere Küchenrolle.

Töpfer ist ein erfahrener Hobby-Jäger und Hirschrufer. Seit 1999 nimmt der Betriebsschlosser an den Meisterschaften teil, die während der Messe "Jagd & Hund" ausgetragen werden. Fünf Mal stand er mit auf dem Siegertreppchen.

Der zweite und dritte Platz geht dieses Jahr an zwei Neulinge. Die jungen Förster aus Bayern, Christoph Uffelmann und Fabian Menzel, nahmen das erste Mal teil. Die einzige Frau im Wettbewerb, Hildegard Zervos aus dem rheinischen Oberzier, schafft es zumindest in die Endrunde. Dabei ist sie nicht einmal Jägerin oder Försterin.

Das Nachnahmen des Hirschrufs gehört seit Jahrhunderten zum Handwerk der Jäger. Während der Brunftzeit im Herbst locken sie den Platzhirsch aus seiner Deckung, indem sie zum Beispiel einen vermeintlich jüngeren Konkurrenten imitieren. Die Hirschrufer ahmen nach, wie das Tier seinen Machtanspruch demonstriert und mit seiner Stimme versucht, zu imponieren.

Die drei Besten des Hirschrufs werden Deutschland im Mai bei der europäischen Meisterschaft in Frankreich vertreten. "Das wird nicht leicht", sagt Hornung. Die Konkurrenz aus Estland, Litauen oder Weißrussland sei stark.