ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:32 Uhr

"Ich hatte ein mulmiges Gefühl"

Bei dem Zugunglück in Bad Aibling starben zwölf Menschen. Die Bahn plant keine technischen Änderungen.
Bei dem Zugunglück in Bad Aibling starben zwölf Menschen. Die Bahn plant keine technischen Änderungen. FOTO: dpa
Bad Aibling. Die Bilder wollen einfach nicht aus dem Kopf: Zwei total ineinander verkeilte Züge, in den Waggons Tote und Dutzende Verletzte, überall Blut, um Hilfe schreiende Menschen. Wolfram Höfler wird sein Leben lang auch nicht vergessen, dass selbst Stunden nach der Bergung noch Han- dys von Toten in Leichensäcken läuteten. Paul Winterer

Der 63-Jährige leitete den Einsatz der Feuerwehr beim verheerenden Zugunglück vom 9. Februar 2016 in Bad Aibling.

Beim Zusammenstoß zweier Züge starben vor einem Jahr zwölf Menschen, darunter auch ein Spremberger, und 89 Insassen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Vor zwei Monaten verurteilte das Landgericht Traunstein den zuständigen Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn wegen fahrlässiger Tötung zu dreieinhalb Jahren Haft. Der Mann hatte - vom verbotenen Handyspielen abgelenkt - Signale falsch gestellt. Mit einer schlichten Andacht an der Gedenkstätte nahe der Unfallstelle wird zum Jahrestag an diesem Donnerstag an die Katastrophe erinnert.

Erst kürzlich stand Höfler wieder an jener Stelle, wo die beiden Züge zusammenkrachten. "Ich hatte ein mulmiges Gefühl", sagt der Ex-Feuerwehrkommandant. Mit allen noch so schlimmen Einsätzen hat Höfler gedanklich abgeschlossen, sobald der Schutzhelm am Haken hing. Doch im Fall des Zugunglücks "bekomme ich einen wirklichen Abschluss nicht hin".

Angehörige von Todesopfern und Verletzte erhielten von der Deutschen Bahn ein Schreiben, in dem der Konzern sein Bedauern über das Unglück ausdrückt. Friedrich Schweikert, der 19 Hinterbliebene und Verletzte vertritt, beißt mit seinen Anfragen zu einem Schuldeingeständnis bei der Bahn auf Granit. "Das stört die Opfer ungemein."

Dabei wollten die Angehörigen sich keineswegs an dem Leid finanziell bereichern, versichert Schweikert. "Ihnen geht es in erster Linie darum, dass jemand von der Bahn sich hinstellt und Verantwortung übernimmt."

Überhaupt missfällt dem Rechtsanwalt, dass im Strafprozess allein das schuldhafte Verhalten des Fahrdienstleiters eine Rolle gespielt habe. Dabei habe es die Bahn über 30 Jahre versäumt, die Strecke wie vorgeschrieben mit moderner Signaltechnik auszustatten. Es gibt jedoch die Einschränkung, dass sie dies nur im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten tun musste. Auf der eingleisigen Linie von Rosenheim nach Holzkirchen sei der Bahn moderne Signaltechnik offenbar nichts wert gewesen, so der Vorwurf des Opfer-Anwalts. Dabei hätte mit besserer Technik nach Überzeugung von Schweikert der Zusammenstoß wahrscheinlich verhindert werden können.

Mehr zum Schicksal

des Spremberger Opfers unter

www.lr-online.de/badaibling

Zum Thema:
Bahn plant keine technischen Änderungen: Die Deutsche Bahn sieht ein Jahr nach dem Zugunglück von Bad Aibling keine Notwendigkeit für technische Veränderungen am Streckennetz. "Laut Urteilsbegründung waren sowohl Technik als auch Regelwerk nicht ursächlich für das Zugunglück", begründete ein Bahnsprecher das Festhalten an derTechnik.