| 15:50 Uhr

Schwachsinn kursiert im Netz
Husten gegen Herzinfarkt

Bei Anzeichen eines Herzinfarktes sollten Betroffene unverzüglich die 112 wählen.
Bei Anzeichen eines Herzinfarktes sollten Betroffene unverzüglich die 112 wählen. FOTO: psdesign1/Fotolia
Cottbus. Per Facebook und WhatsApp verbreiten sich gegenwärtig vermeintlich hilfreiche Hinweise bei Anzeichen eines Herzinfarktes wie ein Lauffeuer. Kräftiges Husten soll helfen, um zu überleben. Doch hilft das wirklich? Von Frank Hilbert

„Das ist Quatsch. Man verliert nicht innerhalb von zehn Sekunden das Bewußtsein. Und schon gar nicht bei jedem Herzinfarkt“, sagt Dr. Volker Herwig, Oberarzt am Cottbuser Sana Herzzentrum, auf RUNDSCHAU-Nachfrage. In besagtem „Rundbrief“l wird aber genau das vorher gesagt. Und damit man bei Bewußtsein bleibe, soll man kräftig Husten und tief einatmen. Begründet wird das so: „Ein Atemzug und ein Husten müssen etwa alle zwei Sekunden ohne Unterbrechung wiederholt werden, bis die Hilfe eintrifft oder bis das Herz wieder normal schlägt. Tiefe Atemzüge holen Sauerstoff in die Lunge und Hustenbewegungen drücken das Herz und halten das Blut im Kreislauf. Der Druck auf das Herz hilft auch, den normalen Rhythmus wiederherzustellen.“

Dem widerspricht Volker Herwig entschieden. „Husten hilft gar nichts. Man verschenkt wertvolle Zeit! Und außerdem – wer husten kann, kann auch telefonieren. Und daher sollten Betroffene ganz schnell die 112 wählen.“ Bis zum Eintreffen des Notarztes sollte man versuchen, sich zu beruhigen, sich hinsetzen, für frische Luft sorgen und keinerlei Aktivitäten unternehmen, so der Rat das Oberarztes.

Das Einzige, was in dem „Rundbrief“ in den sozialen Netzwerken stimme, seien die Symptome für einen Herzinfarkt: Starke Schmerzen in der Brust, die sich bis in den Arm und in den Kiefer ziehen.

Zudem seien die meisten Infarkte nicht dramatisch, verliefen also nicht akut. Da Risiko-Patienten heutzutage viel besser behandelt werden können, sei auch kein dramatischer Anstieg von Infarkten zu verzeichnen. Die Gefahr eines Herzinfarktes bestehe vor allem bei Menschen mit Bluthochdruck, Adipositas, Zuckerkrankheit oder Fettstoffwechsel-Erkrankungen. Aber auch Bewegungsmangel und falsch verarbeiteter Stress machen Menschen anfälliger für einen Infarkt.

Vor diesem Hintergrund völlig unglaubwürdig klingt da dieses Zitat aus dem „Rundbrief“: „Ein Kardiologe sagt: Wenn jeder, der diese Nachricht bekommt, es an zehn Personen sendet, können Sie darauf wetten, dass wir mindestens ein Leben retten.“ Dem hält Dr. Herwig entgegen: „Das A und O bei Verdacht auf einen Infarkt ist der sofortige Notarzt-Anruf!“