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| 02:38 Uhr

"Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte"

Schneemassen und Kälte erschweren die Rettungsarbeiten in der gebeutelten Region Italiens.
Schneemassen und Kälte erschweren die Rettungsarbeiten in der gebeutelten Region Italiens. FOTO: Vigili del Fuoco/dpa
Rom/Farindola. Nach einer schweren Erdbebenserie verschüttet eine Lawine ein Hotel in Italien. Dutzende Menschen werden in dem Haus begraben. "Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte", steht in einer verzweifelten SMS. dpa/ik

Eine Lawine hat in Italiens Erdbebenregion ein vierstöckiges Hotel bis zum Dach verschüttet und bis zu 30 Menschen getötet. Die Aussicht, Überlebende zu finden, galt am Donnerstag als gering. "Es sind viele Tote", erklärten die Rettungskräfte. Medienberichten zufolge wurden drei Leichen geborgen. Die Nachrichtenagentur Ansa meldete die Bergung am Donnerstag unter Berufung auf die Polizei. Eine vierte Leiche sei lokalisiert, aber noch nicht herausgeholt worden. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht.

Im Inneren des Gebäudes vermuteten die Einsatzkräfte 30 Menschen. Über mögliche Opfer aus Deutschland gab es zunächst keine Erkenntnisse.

Unter den Verschütteten im Abruzzen-Ort Farindola sollen auch mindestens zwei Kinder sein. Nach Angaben der Feuerwehr gab es zunächst kein Zeichen von Überlebenden. Die Lawine war am Mittwoch abgegangen, nachdem eine schwere Erdbebenserie die meterhoch eingeschneite Region erschüttert hatte. Mindestens zwei Menschen überlebten das Unglück.

Bilder einer Videokamera zeigten, wie die Lawine in das Vier-Sterne-Hotel Rigopiano mit 45 Zimmern eingedrungen ist. Die Rettung wurde durch Schneemassen erschwert. Die ersten Helfer kamen nur auf Skiern zu dem Hotel. Nach Medienberichten soll das Hotel durch die Wucht der Lawine um zehn Meter verschoben worden sein. Aus dem Gebäude soll es am Abend einen Hilferuf per SMS gegeben haben, wie Medien berichteten. "Hilfe, Hilfe, wir sterben vor Kälte", zitierten Ansa und die Zeitung "La Repubblica" die Textnachricht.

"Wir rufen, aber niemand antwortet", berichteten Helfer. Die dramatische Szenerie, die sich den Helfern zeige, sei ein "tragisches Gemisch aus Erdbeben und Lawine".

Vier Beben, die alle eine Stärke über fünf hatten, hatten am Mittwoch das Gebiet erschüttert, das bereits im August und Oktober von Beben heimgesucht worden war. Erdbeben und seit Jahrzehnten nicht da gewesene Schneefälle hätten eine beispiellose "Kneifzange" gebildet, sagte Ministerpräsident Paolo Gentiloni am Donnerstag in Rieti. In den nächsten Tagen soll es in der Erdbebenregion weiter schneien.

Unter den Touristen, die sich wohl noch im zugeschütteten Hotel befanden, sollten auch drei Rumänen sein, eine Mutter mit ihren zwei Kindern, teilte das Außenministerium in Bukarest am Donnerstag mit. Ob sie überlebt haben, sei unbekannt.

Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine Erkenntnisse über deutsche Opfer: "Die Botschaft ist in engem Kontakt mit den italienischen Behörden und bemüht sich um rasche Aufklärung."

Zum Thema:
Der Traum von weißer Winterpracht kann schnell zum Albtraum werden: Jedes Jahr sterben Menschen in niedergehenden Schneemassen. Einige Fälle aus Europa:Februar 1999: Riesige Lawinen stürzen über die Tiroler Urlaubsorte Galtür und Valzur in Österreich und verschütten Ferienwohnungen und Pensionen. Unter den 38 Opfern sind 21 Deutsche. Tausende Menschen werden aus dem Gebiet ausgeflogen. Februar 1999: Zwölf Menschen sterben, als in den französischen Alpen bei Chamonix eine 150 Meter breite Lawine niedergeht und 20 Berghütten mitreißt. 27 Menschen werden zum Teil schwer verletzt. Oktober 1995: Schneemassen begraben im Nordwesten Islands ein ganzes Fischerdorf. Orkanartige Herbststürme und heftiger Schneefall waren vorausgegangen.