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| 16:40 Uhr

Buchpremiere
„Und plötzlich stand Jesus Christus in meinem Garten ...“

Modedesigner Harald Glööckler ist unter die Autoren gegangen.
Modedesigner Harald Glööckler ist unter die Autoren gegangen. FOTO: dpa / Arne Immanuel Bänsch
Berlin. Der Modeschöpfer Harald Glööckler ist ein gläubiger Mensch – aber nicht mehr in der Kirche. Von Benjamin Lassiwe

Das Gesicht ist stark geschminkt, die Fingernägel sind rot lackiert, an den Händen trägt er schwere, goldene Ringe. Sein Sakko ist golden bestickt, die Haare schwarz und blond gefärbt, der akkurate Bart extravagant zurechtgestutzt. Getragen von einer schweren Perlenkette, baumelt vor der Brust ein großes, goldenes Kreuz. Als der Modeschöpfer Harald Glööckler den Konferenzraum im Berliner Haus der Bundespressekonferenz betritt, geraten die Fotografen nahezu in Extase. „Zeigen Sie noch mal die Ringe!“, „Stellen Sie sich mal mit gefalteten Händen vor das Plakat!“

Denn Harald Glööckler ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten Deutschlands. Und er ist gläubig. Das offenbart er in einem neuen Buch, das jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde: „Kirche öffne Dich!“ heißt es. Es bietet tiefe Einblicke in den Menschen hinter der weißen Schminke und unter dem roten Nagellack – und es macht deutlich, wie es jemandem, der in keine Schublade  passt, schwerfällt,  gesellschaftlich  akzeptiert zu werden.

Denn genauso schrill wie der Mensch ist auch der Glaube von Harald Glööckler. In seinem Buch schildert er zum Beispiel, wie ihm Jesus Christus in seinem Garten begegnet sein soll: Er habe neben seiner Marienstatue gesessen und meditiert. „Eigentlich wollte ich wieder einmal einiges loslassen und war in einem langen Zwiegespräch mit dem Erzengel Michael, den ich bat, mit seinem Schwert die energetischen Verbindungen zur Vergangenheit zu durchtrennen“, schreibt Glööckler. Er wollte einen Neuanfang, betete darum. „Plötzlich stand Jesus Christus in meinem Garten und lächelte mich unvermittelt an“, schreibt Glööckler. „Es war klarste und reinste Liebe, und die ganzen Vorbehalte schmolzen dahin.“

Doch Glööckker ist aus der Kirche ausgetreten und denkt nach eigenen Angaben auch nicht daran, diesen Schritt rückgängig zu machen. Zu schlecht waren die alten Erfahrungen. So berichtet er in seinem Buch von prägenden Erlebnissen aus seiner württembergischen Kindheit: Die Familie wohnte in unmittelbarer Nähe des Pfarrhauses. Glööcklers Vater schlug seine Mutter grün und blau, den Pfarrer interessierte es nicht. Vielmehr meckerte der Mann, wenn die Kinder Klingelstreiche an seiner Haustür machten. Das prägt das Bild von Kirche, das Harald Glööckler bis heute hat.

Als er 16 war, wollte ihm eine Psychologin klar machen, dass Homosexualität eine heilbare Krankheit sei. „Das wäre spätestens der Punkt gewesen, an dem ich einen Seelsorger gebraucht hätte, mit dem ich offen über dieses Thema hätte sprechen können“, schreibt Glööckler. „Eine Kirche, in der ich mich aufgenommen, umarmt, verstanden und so akzeptiert gefühlt hätte wie ich bin.“ Doch „statt Liebe und Fürsorge zu üben, schwingt die Kirche nach wie vor nur das Zepter der Moral“, sagt Glööckler. Die Kirche beurteile und verurteile Menschen, statt Verständnis zu üben. Pfarrer kämen daher wie Steuerberater, ihnen fehle die Empathie.

Dabei hält auch der Modeschöpfer die Institution Kirche eigentlich für nötig. Gerade in einer Zeit, in der die Menschen nach einem Halt suchten, sei sie wichtig. Aber eben keine Kirche mit „unmenschlich langweiligen Gottesdiensten“, sagt Glööckler. „Ladet Euch doch mal einen Gospelchor ein, lasst uns mal ein bisschen Party machen.“ Er selbst sei zu dem Schluss gekommen, dass er nicht „in einem Verein“ sein müsse, in dem er sich nicht wohlfühle. Nach Rücksprache mit seinem Mann sei er aus der Kirche ausgetreten. Aber es sei mit der Kirche eben wie in vielen Beziehungen: „Seitdem klappt das mit uns wieder.“