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Hansi Kraus . . . geht zurück zu den Ursprüngen

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In Gummipantoffeln öffnet Hansi Kraus die Tür seiner Altbauwohnung in München. Er mag Freizeit, sagt der Schauspieler.

Ob er davon zu viel oder genau die richtige Menge hat, darauf haben sich viele Geschichten um den früheren Kinderstar in den vergangenen Jahren konzentriert.

Hansi Kraus, der heute 65 Jahre alt wird, konzentriert sich lieber aufs Textlernen. Er kehrt nämlich bald zum Ursprung seiner Laufbahn zurück. Und zwar zu den "Lausbubengeschichten".

Die Filme nach den Geschichten des bayerischen Heimatschriftstellers Ludwig Thoma machten Hansi Kraus, mit bürgerlichem Namen Hans Krause, bekannt. Er spielte den jungen Thoma, den Lausbub. 1964 fing das an, und es hört nicht auf. Die fünf Teile laufen noch heute im Fernsehen.

Und im Herbst kommt in Braunschweig die Theaterversion der "Lausbubengeschichten" auf die Bühne. Und wer spielt den alten Thoma? Natürlich Hansi Kraus. "Ich bin ja nie davon losgekommen", sagt er. Er setzt sich an den Holztisch im Esszimmer der Krauses, eine Mischung aus Korbsesseln und weiß lackierten Holzstühlen steht drum herum, Retro-Blechschilder hängen in der Küche nebenan. An den Wänden hängen Schwarz-Weiß-Fotos von Designer-Stühlen, die er selbst geschossen hat, und Familienbilder. Hans Krause als Junge im Getreidefeld, seine Frau als junges Mädchen, seine beiden Töchter, seine zwei Enkel.

Nach dem großen Erfolg der Filme in den 1960ern und seiner Rolle als frecher Schüler Pepe Nietnagel in der Reihe "Die Lümmel von der ersten Bank" bis Anfang der 1970er brach Kraus' Karriere ein. Er lernte Erzieher, entschied sich dann doch für die Schauspielerei. Rund 15 Jahre spielte er in der ZDF-Serie "Forsthaus Falkenau" den Bauer Sailer, er bekam Rollen in "Löwengrube", "Marienhof" oder "Soko 5113". Lange war er auch in der BR-Reihe "Café Meineid" zu sehen. Keine Lausbub-Rollen. Doch der Charakter blieb an Kraus haften. "Ich weiß nicht, ob ich's gut find oder schlecht", sagt er heute. Eine Zeit lang wollte er dokumentieren, dass er erwachsen ist und ließ das "i" am Hans weg. "Das hat nicht geklappt." Vereinzelt sieht man ihn in "Hubert und Staller" oder den "Rosenheim-Cops". Vor allem steht er auf der Bühne, bei Lesungen oder im Theater. Neuerdings tourt er mit dem Stück "Love Letters" durch den deutschsprachigen Raum, und auf der Münchner Iberl-Bühne, spezialisiert auf bayerisches Volkstheater, gibt er in drei Inszenierungen mal einen Privatdetektiv, mal einen Grenzbeamten, mal einen Zocker. "Das sind keine so glatten Stücke, in denen am Schluss Friede, Freude, Eierkuchen ist", erklärt er. "Die haben Biss." Im Privaten mag er aber doch lieber Happy Ends.

Sophie Rohrmeier