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Grauenvolle Details

Besucher, Journalisten und Polizisten stehen am Dienstag in Freiburg vor Prozessbeginn vor dem Landgericht. Demonstranten streiten sich wegen des Falles über Flüchtlingspolitik.
Besucher, Journalisten und Polizisten stehen am Dienstag in Freiburg vor Prozessbeginn vor dem Landgericht. Demonstranten streiten sich wegen des Falles über Flüchtlingspolitik. FOTO: dpa
Freiburg. Während draußen Demonstranten wegen seines Falles über Flüchtlingspolitik streiten, betritt der Mordverdächtige Hussein K. den Gerichtssaal. Greve-Dierfeld und Kathrin Drinkuth

Seine Augen sind halb geschlossen, sein Schritt schleppend, die Füße und Hände sind gefesselt. Fast wie ein alter Mann wirkt der junge Geflüchtete, leicht gebeugt in seinem etwas zu weiten weinroten Pullover und einer ausgebleichten, tief sitzenden Jeans. Reporterkameras klicken, der Andrang des Publikums ist riesig.

Hussein K., angeklagt des Sexualmordes an der jungen Freiburger Studentin Maria L., setzt sich und blickt stets zu Boden. Er wirkt schläfrig und teilnahmslos. Auf die Frage des Gerichts, wie es ihm gehe, antwortet er: "Ich habe nichts zu erzählen, nichts zu sagen."

Dann die Überraschung: Der Angeklagte wolle nun doch umfassend aussagen - auch zum Tathergang selbst, erklärt sein Verteidiger. "Er hat sich kurzfristig entschlossen."

Doch hat die Staatsanwaltschaft zunächst eine Anklage mit grauenvollen Details zu verlesen: Wie der junge Flüchtling die arglose 19-Jährige, die nach einer Party mitten in der Nacht nach Hause radelt, abrupt anhält. Wie er sie vom Rad reißt. Wie er sie sofort zu würgen beginnt. Wie er sie in Brust und Wange beißt. Wie er die schon halb besinnungslose Frau vom Radweg am Fluss Dreisam auf einen unbeleuchteten Grasstreifen zerrt. Wie er sie entkleidet. Wie er sie immer weiter würgt und schließlich mehrfach vergewaltigt.

Ein Wunder, dass sie da nicht schon tot war, deutet der Staatsanwalt an. Dann habe K. die hilflose Frau so in das flache Ufergewässer des Flusses Dreisam gelegt, dass das Wasser Mund und Nase des Opfers bedeckte. Maria L. ertrank. Gleich im Anschluss an die Verlesung der Anklage stellt der Staatsanwalt in Aussicht, nach einem Schuldspruch die Sicherungsverwahrung beantragen zu wollen. Hussein K. blickt weiter zu Boden. Müde sei er, so zuvor sein Anwalt. Vor der Verhandlung habe er ein starkes Beruhigungsmittel zu sich genommen. Der Freiburger Mordfall hatte die ohnehin schon emotionale Debatte über Flüchtlingspolitik in Deutschland im vorigen Jahr angeheizt.

Hussein K. schildert seinen Fluchtweg. Mal ausführlich, mal sparsam schildert er den Weg aus seinem angeblichen Geburtsland Afghanistan in den Iran, die Flucht von der Türkei nach Griechenland und schließlich über Serbien und Slowenien nach Deutschland. Von einem erbärmlichen Leben in Bauruinen ist die Rede. Von Essen, das er sich in Griechenland aus dem Müll besorgen musste, von Diebstahl und Alkohol, von Schleppern. Von Ausweglosigkeit und Elend.

Ein klares, stringentes Bild formt sich trotz intensiver Nachfragen der Richterin nicht. Es gibt zahlreiche Widersprüchlichkeiten. Erinnerungslücken. Fragen zur eigenen Familie blockt Hussein K. oft ab. Die Antworten auf die Fragen zu seinem Alter wirken wenig glaubwürdig. In Griechenland soll er sich absichtlich älter gemacht haben. In Deutschland absichtlich jünger. Er räumt ein, bei der Einreise nach Deutschland statt 16 schon 18 gewesen zu sein. Eine stimmige Alters chronologie ergibt sich dennoch nicht, wie die Richterin anmerkt. "Sie können rechnen?", fragt Hussein K. in ihre Richtung. Dann versinkt er wieder in rätselhafte Lethargie.

Recht ausführlich berichtet er von Drogen- und Alkoholkonsum während seiner in Deutschland vor dem Mord verbrachten Zeit. Auf Fragen nach seinem Leben in der Pflegefamilie, die ihn als angeblich minderjährigen Flüchtling aufgenommen hatte, antwortet er vage und ausweichend. Vor der Schule, nach der Schule habe er mit einem Freund geraucht und getrunken. "Ich habe sehr viele Probleme, ich habe sehr viele Probleme." Von Maria L. ist, abgesehen von der Anklageschrift, am Dienstag zunächst nicht die Rede. Die eigentlich noch geplante Vernehmung des Leiters der Ermittlungen wird verschoben.

Die Eltern von Maria nehmen wie erwartet an der Verhandlung nicht teil. Sie hatten die gesamte Zeit vor dem Prozess eisern geschwiegen. Als Nebenkläger vertreten hatten sie über ihren Anwalt im Vorfeld des Prozesses ausrichten lassen: "Wir haben Vertrauen in die Justizorgane bei der Behandlung dieses Falles."

Zum Thema:
Die Tat in Freiburg ereignete sich in der Nacht zum 16. Oktober 2016 gegen 3 Uhr. Festgenommen wurde Hussein K. am 2. Dezember 2016 in Freiburg, seither ist er in Untersuchungshaft. Unsicherheiten gibt es, weil amtliche Dokumente fehlen, bei der Schreibweise des Angeklagten. Polizei, Staatsanwaltschaft und andere Behörden sprechen von Hussein K., das Gericht dagegen von Huseen K. Bei der Einreise nach Deutschland statt soll sich Hussein K. jünger gemacht haben und statt 16 schon 18 Jahre alt gewesen sein.