ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:47 Uhr

Tragischer Tod bei einem Verkehrsunfall
Trauer um Berlins „Rocky“

Graciano Rocchigiani polarisierte - hier im Jahr 2007 bei der Vorstellung eines Buches über seine Karriere als Boxer.
Graciano Rocchigiani polarisierte - hier im Jahr 2007 bei der Vorstellung eines Buches über seine Karriere als Boxer. FOTO: dpa / Peer Grimm
Berlin. Deutscher Ex-Boxweltmeister Rocchigiani wurde in Italien überfahren.

Das Herz eines Boxers, das hatte Graciano Rocchigiani wie kaum ein anderer. Das Talent, um eine Weltkarriere wie Max Schmeling zu starten, bescheinigten dem Berliner mit der großen Schnauze so manche Experten. Doch Rocchigiani verlor auf oft unglückliche Weise zu viele Kämpfe, auch außerhalb der Ringseile. Sein Unfalltod auf einer Schnellstraße in Sizilien beendete am Montagabend das wechselvolle Leben des Ex-Weltmeisters. Und auf tragisch-bittere Weise passte das Ende wohl zu dem 54-Jährigen, der im Berliner Dialekt den Spitznamen „Grazze“ weg hatte und für alle anderen nur „Rocky“ hieß – wie der unbeugsame Filmheld.

Legendär waren in den 90er-Jahren „Rockys“ Titel-„Schlachten“ im Boxring gegen Titelverteidiger Henry Maske (r.) – hier im Mai 1995 in Dortmund . . .
Legendär waren in den 90er-Jahren „Rockys“ Titel-„Schlachten“ im Boxring gegen Titelverteidiger Henry Maske (r.) – hier im Mai 1995 in Dortmund . . . FOTO: dpa / Franz-Peter Tschauner

Warum und unter welchen Umständen er in dem Ort Belpasso bei Catania am Montagabend kurz vor Mitternacht auf der mehrspurigen Staatsstraße SS121 zu Fuß unterwegs war, ist von der italienischen Polizei noch nicht geklärt. Ein Smart, gesteuert von einem 29-Jährigen aus Catania, überfuhr Rocchigiani, der sofort tot war. Bei dem Fahrer sei alles ordnungsgemäß gewesen, hieß es am Mittwoch aus Polizeikreisen.

Noch vor seinem 50. Geburtstag hatte Rocchigiani Ende 2013 eine positive Bilanz gezogen. „Ich habe alles in allem ein schönes, erfolgreiches Leben. Ich bin im Prinzip ein Sonntagskind, habe 50 Jahre auf der Überholspur gelebt. Die 22 Monate im Knast habe ich vielleicht auch verdient“, sagte er damals.

. . . und gegen Dariusz Michalczewski (l.) – hier im April 2000 in Hannover.
. . . und gegen Dariusz Michalczewski (l.) – hier im April 2000 in Hannover. FOTO: dpa / Rainer Jensen

1988/89 war Rocchigiani Weltmeister im Supermittelgewicht, von 1998 bis 2000 im Halbschwergewicht. In dieser Gewichtsklasse lieferte er sich unvergessene Duelle mit Henry Maske und Dariusz Michalczewski, in denen er sich angesichts der Niederlagen immer wieder verschaukelt fühlte und dies deutlich aussprach. „Allet Beschiss, allet Schweine“, polterte er nach einem Kampf gegen Michalczewski, den er schon vorher beschimpft hatte.

Sein überbordendes Temperament war aber oft nicht spaßig. Rocchigiani fuhr betrunken Auto, verlor seinen Führerschein, verprügelte Taxifahrer, kam mit Drogen in Berührung. „Ick hab‘ nix Schlimmet jemacht. Det passiert nun mal Otto Normalverbraucher“, sagte er trotz seiner Haftstrafen in schönstem Berlinerisch. Dabei war Rocchigiani in Wirklichkeit gebürtiger Duisburger und Sohn einer Berlinerin sowie eines sardischen Eisenbiegers – eines der am liebsten verwendeten Sy­nonyme für Rocchigiani.