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| 21:46 Uhr

Goldener Zaunpfahl
Negativpreis für rosa Experimentierkasten

Anke Domscheit-Berg (Die Linke) zeigt eine Kinder-Plüsch-Bohrmaschine mit der Aufschrift "Papa & Me".
Anke Domscheit-Berg (Die Linke) zeigt eine Kinder-Plüsch-Bohrmaschine mit der Aufschrift "Papa & Me". FOTO: dpa, nie jai
Berlin. Rosa Spielzeug für Mädchen, hellblaues für Jungs: Was manchen Eltern nicht einmal auffällt, regt andere auf. Kritiker des sogenannten Gendermarketings rufen Hersteller zum Umdenken auf - mit einem Negativpreis.

Versuche mit Kleiderschrank, Schuhregal und Waschmaschine: Ein Experimentierkasten für Mädchen mit vermeintlich typisch weiblichen Themen ist mit einem Negativpreis ausgezeichnet worden. Die Publizistin und Linke-Politikerin Anke Domscheit-Berg sowie die Autoren Almut Schnerring und Sascha Verlan ("Die Rosa-Hellblau-Falle") wollten dem Hersteller am Mittwoch in Berlin den Goldenen Zaunpfahl 2018 für "absurde Auswüchse des Gendermarketing" verleihen.

Der Kasten komme unter dem Deckmantel der Gleichstellung daher, stelle aber "mal wieder Schönheit, Konsum und Mode als weibliche (Haupt-)Interessen in den Vordergrund", begründete die Jury ihre Wahl. Mit dem Produkt werde unterstellt, dass sich Mädchen nur dann für Technik interessieren, wenn sie rosa verpackt werde. Das sei kontraproduktiv.

Eine Bibel in Männer- und Frauen-Edition

Insgesamt waren fünf Produkte und Werbekampagnen für den Preis nominiert. Darunter waren zum Beispiel Spiel-Werkzeuge aus Plüsch und eine Bibel in Männer- und Frauen-Edition. Bis Anfang März konnten Verbraucher Vorschläge von Produkten einreichen, die auf Rollenklischees setzen oder die grundlos einem von zwei Geschlechtern zugeordnet werden.

Die Initiatoren des Preises wollen Unternehmen nach eigenen Angaben zu "intelligenteren und innovativeren Strategien" zur Vermarktung ihrer Produkte anstiften und eine Debatte über die Wirkung von Werbung auf gesellschaftliche Normvorstellungen in Gang bringen.

Unternehmen rechtfertigen sich

Der Hersteller des Experimentierkastens erklärte auf dpa-Anfrage zur Nominierung: "Weder Diskriminierung noch eine sexistische Grundhaltung spiegeln die Absichten des Kosmos Verlags wider." "Sollte der nominierte Experimentierkasten für Barbie-Fans einen anderen Eindruck vermittelt haben, bedauern wir dies." Man habe die Fans in "ihrer bekannten Spielwelt" abholen wollen. Die Inhalte seien die gleichen wie in klassischen Experimentierkästen.

Weil manche Produkte heute auf zwei Geschlechterbilder zugeschnitten sind - etwa in rosafarbener oder hellbauer Aufmachung - befürchten Kritiker, dass Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gehemmt werden. Manche sehen einen Zusammenhang zwischen den so vermittelten Rollenbildern und gesellschaftlichen Problemen - von Essstörungen bis hin zu Lohnunterschieden zwischen Männern und Frauen.

Der Goldene Zaunpfahl war 2017 erstmals verliehen worden: an Leselernbücher für Mädchen (Ponys und Prinzessinnen) und Jungs (Piraten und Polizisten).

(wer)