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| 02:32 Uhr

Goldener Bär für Ungarn

Regisseurin Ildikó Enyedi hat für ihren Liebesfilm "Körper und Seele" ("Teströl és lélekröl") den Goldenen Bären der 67. Berlinale gewonnen.
Regisseurin Ildikó Enyedi hat für ihren Liebesfilm "Körper und Seele" ("Teströl és lélekröl") den Goldenen Bären der 67. Berlinale gewonnen. FOTO: dpa
Berlin. Der ungarische Liebesfilm "Körper und Seele" ("Teströl és lélekröl") hat am Samstagabend den Goldenen Bären der 67. Berlinale gewonnen. Elke Vogel und Peter Claus

Regisseurin Ildikó Enyedi erzählt in ihrem Drama von zwei schüchternen Angestellten in einem Budapester Schlachthof, die ihre Gefühle füreinander entdecken. Ungarn holte den Goldenen Bären zuletzt 1975 mit "Die Adoption" von Márta Mészáros. Enyedis "Körper und Seele" wurde auch mit dem Fipresci-Preis des Internationalen Verbandes der Filmkritik und dem Preis der Ökumenischen Jury ausgezeichnet.

Bei der diesjährigen Berlinale konkurrierten 18 internationale Filme. Insgesamt waren rund 400 neue Regiearbeiten zu sehen.

Der Österreicher Georg Friedrich wurde von der Jury unter Vorsitz des niederländischen Regisseurs Paul Verhoeven ("Elle", "Basic Instinct") mit dem Silbernen Bären als bester Schauspieler ausgezeichnet. Friedrich spielt in dem Film "Helle Nächte" des Berliner Regisseurs Thomas Arslan einen überforderten Vater, der sich auf einer Norwegen-Reise seinem Sohn wieder annähern will.

Die beiden anderen deutschen Filme im Wettbewerb - Volker Schlöndorff ("Rückkehr nach Montauk") und Andres Veiel ("Beuys") - gingen leer aus.

Der Silberne Bär für die beste Schauspielerin wurde an die Südkoreanerin Kim Min-hee verliehen. Sie spielt in "On the Beach at Night Alone" ("Bamui haebyun-eoseo honja") von Hong Sang-soo eine junge Frau auf der Suche nach dem Lebenssinn und der Liebe. Der finnische Kultregisseur Aki Kaurismäki erhielt für sein Flüchtlingsdrama "Die andere Seite der Hoffnung" den Preis für die beste Regie. Den Großen Preis der Jury holte der französisch-senegalesische Regisseur Alain Gomis mit seiner im Kongo spielenden, weiblichen Emanzipationsgeschichte "Félicité".

Polens Altmeisterin Agnieszka Holland wurde für ihren Öko-Thriller "Pokot" mit dem Alfred-Bauer-Preis - für einen Spielfilm, der neue Perspektiven eröffnet - geehrt. Der Silber-Bär fürs beste Drehbuch ging an Sebastián Lelio und Gonzalo Maza für den chilenischen Film "A Fantastic Woman" ("Una Mujer Fantástica") über eine Transgender-Frau.

Die Jury sendete mit ihren Preisen für starke Filmemacherinnen auch ein Signal - in der männerdominierten Filmbranche haben es Frauen immer noch schwer. Den Goldenen Bären hatte zuletzt im Jahr 2009 eine Frau gewonnen. Erstmals wurde bei der von Anke Engelke moderierten Gala im Berlinale-Palast der gestiftete "Glashütte Original"-Dokumentarfilmpreis für die beste Doku verliehen. Der mit 50 000 Euro dotierte Preis ging an "Ghost Hunting" ("Istiyad Ashbah") des palästinensischen Regisseurs Raed Andoni. Statt eines Bären gab es für ihn eine aufwendig gefertigte Glasstatuette von Glashütte.

Die Auszeichnung für eine herausragende künstlerische Leistung ging an Dana Bunescu für den Schnitt des psychologischen Liebesdrama "Ana, mon amour".

Berlinale-Direktor Dieter Kosslick solidarisierte sich bei der Gala mit dem in der Türkei in Polizeigewahrsam genommenen "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel. Er hoffe, dass Yücel bald wieder freigelassen werde, und reckte kämpferisch die Faust in die Luft.