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| 07:42 Uhr

Brandenburg ist Schlusslicht
„Glücksatlas“ bescheinigt den Deutschen hohe Lebenszufriedenheit

Der Glücksatlas beschreibt wie glücklich Deutschland ist und wie ausgeprägt die allgemeine Lebenszufriedenheit in den verschiedenen Regionen hierzulande ist.
Der Glücksatlas beschreibt wie glücklich Deutschland ist und wie ausgeprägt die allgemeine Lebenszufriedenheit in den verschiedenen Regionen hierzulande ist. FOTO: dpa / Axel Heimken
Hamburg/Potsdam. Brandenburger sind im bundesweiten Vergleich am unzufriedensten. Das geht aus dem Glücksatlas hervor, der jetzt in Hamburg vorgestellt wurde. Darin erreichte das Land bei der Lebenszufriedenheit 6,84 von zehn Punkten.

Damit rutscht Brandenburg im Vergleich zur Vorjahresausgabe vom vorletzten auf den letzten Platz ab. Der Bundesschnitt liegt bei 7,05 Punkten.

Besonders unglücklich sind die Menschen im Land über ihr Haushaltseinkommen (6,3). Mit 19 431 Euro liegt das Einkommen in Brandenburg deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (21 919 Euro), unter den anderen ostdeutschen Bundesländern ist es aber das höchste.

FOTO: dpa-infografik / dpa-infografik GmbH

Und auch mit ihrer Gesundheit (6,0) sind die Menschen in Brandenburg unzufrieden. Mit 44,9 Pflegebedürftigen auf 1000 Einwohner herrscht im Land die zweithöchste Pflegequote. Nur Mecklenburg-Vorpommern (49,1) liegt darüber. Der Anteil der gesundheitlich beeinträchtigten Menschen liegt bei 23,3 Prozent. Zum Vergleich: Im benachbarten Berlin sind es 19,3 Prozent. Der Bundesschnitt beträgt 20,1 Prozent.

In einem Bereich schneidet das Land dagegen gut ab: Mit 75,9 Prozent seien in keiner anderen Region so viele Menschen verheiratet oder lebten mit einem Partner zusammen, so der Glücksatlas.

Die Differenz der gefühlten Lebensqualität zwischen West- und Ostdeutschland habe sich in den vergangenen Jahren aber kontinuierlich verringert, sagte jetzt der Demografie-Wissenschaftler Bernd Raffelhüschen (Freiburg) bei der Vorstellung des „Glücksatlas 2018“ der Deutschen Post in Hamburg. Im europäischen Vergleich seien die Deutschen mit 7,05 Punkten auf der Skala zwischen null und zehn sehr zufrieden mit ihrem Leben. Unter 33 Staaten belegen sie Rang neun.

Lag die Differenz zwischen der glücklichsten und der unglücklichsten Region 2011 noch bei 0,93 Punkten, so beträgt sie derzeit nur noch 0,60 Punkte. Im Osten sind die Thüringer (7,03) am glücklichsten, Mecklenburg-Vorpommern (6,96) stieg im Vergleich zum Vorjahr um zwei Plätze auf Rang 15. Berlin liegt mit 6,94 Punkten auf Rang 16. Westfalen sind mit 7,13 Punkten vergleichsweise unzufrieden. Die Werte für die west- und süddeutschen Regionen liegen dicht beieinander.

Maßgeblicher Faktor für die Lebenszufriedenheit sei die eigene wirtschaftliche Lage, sagte Raffelhüschen. „Geld macht glücklich.“ Seit zehn Jahren verzeichne Deutschland durchgehend ein Wirtschaftswachstum. Parallel dazu sei die Lebenszufriedenheit von 6,65 Punkte im Jahre 2004 auf aktuell 7,05 Punkte gestiegen. Andere Kriterien seien die Gesundheitsversorgung und die gelebte Gemeinschaft in Partnerschaft, kulturellem Leben und Religion. Besondern glückliche Nationen sind Dänemark (9,0), die Niederlande (8,3) und Schweden (8,1). Besonders unzufrieden sind die Menschen dagegen in Griechenland (4,1), Bulgarien (4,6) und Serbien (4,7).

Der Vergleich zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein zeige allerdings, dass wirtschaftliche Daten allein das Gefühl der Lebensqualität nicht hinreichend erklären können, sagte Raffelhüschen. Im Vergleich zu Hamburg sei Schleswig-Holstein arm, habe eine schlechtere Gesundheitsversorgung und biete in den ländlichen Regionen wenig Auswahl bei der Partnersuche. Es gebe aber hier eine besondere Mentalität, mit dem eigenen Leben zufrieden zu sein. Dies zeigten auch die benachbarten glücklichen Dänen.

Gefragt wurde in diesem Jahr außerdem nach der Zufriedenheit am Arbeitsplatz. Ergebnis ist, dass die Unzufriedenheit deutlich wächst, wenn der Weg zur Arbeit länger als 40 Minuten dauert. Lag die durchschnittliche Pendlerstrecke im Jahr 2000 noch bei 8,7 Kilometer, so betrug sie 2016 bereits 11,0 Kilometer. Die Länge der Fahrt zur Arbeit steigt mit dem Einkommen, dem Bildungsgrad und der Zahl der Kinder. 68 Prozent nutzen für die Fahrt zur Arbeit das Auto, 14 Prozent den öffentlichen Nahverkehr und neun Prozent das Rad.

26 Prozent der befragten Erwerbstätigen arbeiten zumindest gelegentlich zu Hause, neun Prozent sogar täglich. Allerdings gaben 59 Prozent an, dass Home-Office für sie gar nicht möglich sei. 16 Prozent nutzen das Homeoffice bewusst nicht, weil sie Arbeit und Privates trennen wollen oder den sozialen Kontakt am Arbeitsplatz nicht missen wollen. Als Gründe für Home-Office gaben über 80 Prozent an, dass sie die Arbeitszeit flexibler gestalten können und über digitale Medien einen guten Austausch mit den Kollegen haben.

Die Daten für den „Glücksatlas 2018“ stammen aus dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) sowie einer Allensbach-Umfage mit mehr als 5.000 repräsentativ ausgesuchten Teilnehmern ab 16 Jahre. Zudem befragte das Meinungsforschungsinstitut dimap 1.002 Berufstätige ab 16 Jahre zu ihrer Einstellung zu Mobilität und Arbeit.

(epd/dpa/fh)