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Vergiftete Babygläschen entdeckt/Erpresser droht bundesweit Lebensmittel zu vergiften
Gift-Erpresser hält Deutschland in Atem

Auf einem Fahndungsfoto der Polizei aus einer Überwachungskamera in einer Filiale eines Handelskonzerns wird ein mutmaßlicher Lebensmittelerpresser gezeigt. Mit vergifteten Lebensmitteln will ein Unbekannter Millionenbeträge von deutschen Supermarkt-Ketten erpressen.
Auf einem Fahndungsfoto der Polizei aus einer Überwachungskamera in einer Filiale eines Handelskonzerns wird ein mutmaßlicher Lebensmittelerpresser gezeigt. Mit vergifteten Lebensmitteln will ein Unbekannter Millionenbeträge von deutschen Supermarkt-Ketten erpressen. FOTO: Polizeipräsidium Konstanz / Polizeipräsidium Konstanz/Polizeipräsidium Konstanz/dpa
Konstanz. Lidl, Rewe, Aldi, Rossmann, die Drogerie dm? Wo wird der skrupellose Täter, der angedroht hat bundesweit Lebensmittel zu vergiften, als Nächstes zuschlagen? In einer Email an verschiedenen Verbraucherschutzorganisationen hat ein Unbekannter gedroht bis Samstag 20 Lebensmittel in verschiedenen Geschäften zu vergiften. Auch Brandenburg könnte betroffen sein. Von Lydia Schauff

„Er hat nicht angegeben welche Lebensmittel, in welcher Region und in welchen Geschäften er vergiften will“, sagte Alexander Boger von der Staatsanwaltschaft Ravensburg am Donnerstagmittag in einer Pressekonferenz. Die Polizei nimmt vor allem Süddeutschland und Österreich in Blick, doch der Gift-Erpresser kann theoretisch überall zuschlagen. Wird seine Forderung nach einem zweistelligen Millionenbetrag nicht erfüllt, drohte der Erpresser nicht nur bei Lebensmittelmärkten national, sondern auch international zuschlagen .

Namen von Lebensmittelmärkten und Drogeriemärkten nennen Polizei und Staatsanwaltschaft nicht. Allerdings reagierte etwa der Drogeriemarkt Rossmann, schreibt in einer Pressemeldung: „Rossmann ist bisher nicht von einem Fund betroffen. Wir nehmen die Drohung sehr ernst und bitten daher um eine erhöhte Aufmerksamkeit: Achten Sie auf die Unversehrtheit von Umverpackungen und kontrollieren Sie den Unterdruck von Glasbehältern.“

Die Presseabteilung der Drogeriemarktkette dm informiert auf Rundschau-Nachfrage: „Wir sind sehr vorsichtig und arbeiten eng mit der Polizei zusammen. Wir haben alle Mitarbeiter zu erhöhter Achtsamkeit aufgefordert und kontrollieren auf beschädigte oder bereits geöffnete Produkte.“

Bereits Mitte September hat die Polizei fünf vergiftete Babygläschen in einem – namentlich nicht genannten - Geschäft in Friedrichshafen sichergestellt, nachdem sie vom Täter einen Tipp erhalten hatte, der wohl damit zeigen wollte, wie ernst es ihm ist. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir einen sehr skrupellosen Täter verfolgen“, sagte Uwe Stürmer, Vizepräsident der Polizei Konstanz, bei der Pressekonferenz. Stürmer geht davon aus, dass der Täter den Tod von Unbeteiligten dabei billigend in Kauf nehme. Vergiftet waren die Gläschen mit Ethylenglykol, das sich in Frostschutzmitteln findet.

Aktuell sucht die Polizei mit einem Video und Fotos, die in dem betroffenen Markt in Friedrichshafen aufgenommen worden sind, nach einem Verdächtigen. Demnach ist der Verdächtige um die 50 Jahre alt, schlank, von sportlicher Statur. Auf den Aufnahmen trägt er eine Brille und eine weiße Mütze.

Ob es sich nur um einen Täter handelt oder mehrere Täter hinter der Erpressung stecken, ist bisher unklar.

Die Fahndung und Informationen beim Ministerium für Verbraucherschutz Baden-Württemberg.