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| 01:56 Uhr

Freispruch ohne Erlösung

Mannheim. Freispruch für Wetterexperte Jörg Kachelmann: Während im Gericht gejubelt wird, nimmt er sein Urteil regungslos hin. Ein spektakulärer Prozess ist zu Ende. Der Kampf um die Deutungshoheit hat aber erst begonnen. Von Jochen Neumeyer und Friederike Marx

Jörg Kachelmann zeigt keine Regung, als der Vorsitzende Richter die entscheidenden Worte verliest: "Der Angeklagte Jörg Andreas Kachelmann wird freigesprochen." Jubel und Applaus im Gerichtssaal - doch Kachelmann sieht einfach nur müde aus, nach fast neun Monaten und 44 Verhandlungstagen in einem der spektakulärsten Prozesse in der Geschichte der Bundesrepublik.

Es ist ein Freispruch aus Mangel an Beweisen - ein sogenannter Freispruch zweiter Klasse. Denn nach wie vor ist nicht klar, was in der Nacht vom 8. auf den 9. Februar 2010 tatsächlich in der Schwetzinger Wohnung von Kachelmanns Ex-Freundin geschah.

"Der heutige Freispruch beruht nicht darauf, dass die Kammer von der Unschuld des Angeklagten überzeugt ist und damit im Gegenzug von einer Falschbeschuldigung der Nebenklägerin", sagt der Vorsitzender Richter Michael Seidling. Aber es bestünden "begründete Zweifel" an der Schuld von Herrn Kachelmann. Er war deshalb nach dem Grundsatz "in dubio pro reo" freizusprechen: Im Zweifel für den Angeklagten.

Kachelmann gegenüber sitzt mit versteinertem Gesicht die Nebenklägerin. Die Frau, die ihn der Vergewaltigung beschuldigt hat. Immer wieder schüttelt die 38-Jährige während der knapp einstündigen Urteilsbegründung den Kopf. Gegen Ende fängt sie hörbar an zu schluchzen.

Kachelmann hat sich da schon ein wenig entspannt, sitzt zurückgelehnt auf seinem Stuhl, eine Hand in der Hosentasche, die andere auf den Tisch gelegt. Am Ende der Urteilsverkündung verlässt er schnell den Saal, mit der Presse will er nicht sprechen. Kachelmann werde sich vorerst nicht äußern, sagt sein Anwalt Johann Schwenn. Die ehemalige Geliebte des Moderators bleibt noch einen Moment weinend sitzen, bevor sie sich aufrafft und durch eine Seitentür verschwindet.

Es ist wahrscheinlich, dass dieser Prozess zwei beschädigte Menschen zurücklässt.

Ein Ende der Diskussionen ist zudem nicht in Sicht, juristisch könnte es mit einer Revision in eine neue Runde gehen. Die Anklage hält sich die Option offen, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Und auch für die Verteidigung ist die Sache noch nicht vom Tisch. Kachelmann-Anwalt Schwenn kündigt an, er werde sich darum kümmern, dass der Schaden wieder gut gemacht werde. Das könnte eine Klage vor einem Zivilgericht bedeuten.